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Tolle Texte mit „Niveau“: Duo startet seine Karriere in Bückeburg

Bückeburg / Spectaculum Tolle Texte mit „Niveau“: Duo startet seine Karriere in Bückeburg

Es sind nicht immer nur die großen, populären Mittelalterbands wie „Saltatio Mortis“, „Faun“, „Schelmish“ oder „Vermaledeyt“, auf die man beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum sein Augenmerk richten sollte.

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Witzige Texte: Martin Spieß (links) und Sören Vogelsang sind „Das Niveau“. © jp

Bückeburg (jp). Bisweilen gibt es am Rande der Großveranstaltung auf der Mausoleumswiese musikalische Kleinodien zu entdecken, die so gut, so witzig und so unterhaltsam sind, dass man ihnen zutraut, einmal wirklich ganz groß rauszukommen. Wenn dereinst bei dem Berliner Duo „Das Niveau“ die Frage gestellt wird, wo dessen Karriere einmal begann, dann wird die Antwort lauten: Bückeburg.

Vor genau einem Jahr standen Martin Spieß und Sören Vogelsang das erste Mal beim Spectaculum in Bückeburg auf der Bühne, damals allerdings noch nicht als regulär gebuchte Band, sondern mit einem Bewerbungsauftritt. Und der kam so gut an, dass Veranstalter Gisbert Hiller die beiden Wahlberliner vom Fleck weg für die gesamte Saison 2011 des Spectaculums engagierte. Seitdem hat „Das Niveau“, das Anfang 2009 als reines Spaßprojekt mit einigen Video-Clips in einem Youtube-Channel begann, erstmals die Möglichkeit, regelmäßig vor großem Publikum aufzutreten.

Dass die Texte in den Songs von „Das Niveau“ (der Name ist tatsächlich Programm!) nicht nur so herzerfrischend komisch, lausbübisch verspielt, bisweilen abgrundtief ätzend und ironisch, auch mal meilenweit unter der Gürtellinie, aber immer mit enorm viel Wort- und Sprachwitz daherkommen und daher so markant aus dem übrigen Musikprogramm des Spectaculums hervorstechen, ist nicht zufällig: Gitarrist und Songschreiber Martin Spieß, geboren 1981 in Dannenberg, studierte Kulturjournalismus und kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim, ist seit 2008 diplomierter Kulturwissenschaftler und verfasst regelmäßig Prosa und journalistische Texte für Literatur- und Musikzeitschriften, Anthologien, Tageszeitungen und Magazine. 2010 erschien seine Novelle „So weit bin ich noch nicht“ über den Schauspieler Heath Ledger, in diesem Jahr die Kurzgeschichtensammlung „Weiter Weg“.

Sangeskollege Sören Vogelsang (26) schloss 2008 sein Schauspielstudium am europäischen Theaterinstitut Berlin ab, spielt zudem in der Mittelalterband „Adivarius“ und ist außerdem als Barde „Renarion“ auf den Mittelaltermärkten dieser Republik unterwegs.

Musikalisch klingt „Das Niveau“ ein wenig, als habe man die jungen „Ärzte“ zum Singen in eine mittelalterliche Taverne geschickt. Der Vergleich mit den berühmten Berliner Punk-Kollegen fiel nicht nur dieser Zeitung ein, sondern auch einigen Hauptstadtjournalisten, was Sören und Martin zu dem rotzfrechen „Lied das so klingt wie ein Lied von Die Ärzte“ animierte. Respekt ist ohnehin keine ausgeprägte Eigenschaft der beiden Comedy-Barden, dafür umso mehr jede Menge Galgenhumor, Sarkasmus und musikalische Narreteien. In einem Lied scheuen sie sich weder davor, „Voltaire“ auf „Geschlechtsverkehr“ zu reimen.

In diesem Sommer veröffentlichten die beiden mit dem „vollen Album“ ihr zweites Albumwerk, das sie wie ihren Erstling ausschließlich selbst produzierten und vertreiben. Unter die Fittiche eines großen Plattenlabels haben sie sich dazu ganz bewusst nicht gegeben: „Dazu sind wir einfach noch nicht groß genug“, erklärt Martin Spieß. „Wir müssten fünf mal so viele Alben verkaufen, um bei einem Label an jedem genauso viel zu verdienen wie jetzt, wo wir alles selbst machen.“

Um bekannter zu werden, setzen sie auch auf die neuen Möglichkeiten des Internets, nicht nur bei ihrem Duo-Projekt „Das Niveau“. So ist Sören Vogelsang der erste Künstler in Deutschland, der die Produktion eines Albums mittels „crowd funding“ realisierte. Bei diesem Verfahren, auch bekannt als „Schwarmfinanzierung“, werden mittels Internetkampagne so lange Spenden für ein Projekt gesammelt, bis dessen Finanzierung steht.

Das Internet kann aber auch Künstlern durch illegale Downloads das Leben und vor allem das kommerzielle Überleben schwer machen, gerade wenn ihre Karriere noch in den Kinderschuhen steckt. Diesem brisanten Thema haben die beiden ihren brillanten Song „Schluss“ gewidmet – brillant vor allem deshalb, weil er beide Seiten zu Wort kommen lässt, sowohl die Argumentationsweise der Befürworter von Internet-Downloads, die das Kopieren von Musik als legal ansehen, als auch deren Gegner, die Filesharing als geistigen Diebstahl und Urheberrechtsverletzung betrachten.

Die Textzeile „Geht arbeiten, wenn ihr Kohle machen wollt. Musik ist für alle da und vor allem frei“ ist übrigens ein Originalzitat, mit dem sich Sören Vogelsang und Martin Spieß in einem Internetforum konfrontiert sahen. Gesprochen wird er in dem Song von Simon Jäger, Synchronsprecher von Heath Ledger, den Martin Spieß beim Schreiben von „So weit bin ich noch nicht“ kennen lernte.

Fest steht: Auch im kommenden Jahr ist „Das Niveau“ beim Spectaculum dabei. Wie Veranstalter Gisbert Hiller auf seiner Internetseite bekannt gab, wurden die Verträge mit dem Duo für die beiden Bückeburg-Termine im Juli 2012 bereits festgemacht.
Das zweite Spectaculums-Wochenende litt übrigens unter dem unbeständigen Wetter, kam aber mit einem „Blauen Auge“ davon. Besonders Samstagabend war der Besucherandrang riesig, am Sonntag war es merklich ruhiger. Am ehesten Sorgen bereiteten den Veranstaltern die unberechenbaren Sturmböen.

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