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Tragische Ereignisse

Bückeburg Tragische Ereignisse

Nach mehreren Selbstmorden von Schülern des Gymnasiums Adolfinum hatte der Vorstand des Schulelternrats zu einer aktuellen Aussprache geladen. Mehr als 200 Eltern konnte Margret Karnbach als Vorsitzende begrüßen.

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Nach den tragischen Ereignissen am Adolfinum sind weit über 200 Eltern der Einladung des Schulelternrats gefolgt.

Quelle: wk

Bückeburg. Einer Vielzahl an Fragen sah sich Schulleiter Michael Pavel ausgesetzt, als er im Forum vor die versammelten Eltern trat, wie das Adolfinum vom Verlauf des Abends auf seiner Homepage berichtet. Hintergrund der Versammlung war, dass die Schule von einer Reihe tragischer Vorkommnisse geschüttelt wird. So wird der Sturz eines Schülers aus dem 2. Stockwerk als ein Selbsttötungsversuch gewertet. In den vergangenen Monaten hat es zudem zwei Selbsttötungen von Schülern des Gymnasiums gegeben.

In der „von großer Ernsthaftigkeit und tiefer Sorge geprägten Aussprache“ ging es um die Möglichkeiten der Schule, seelische Gefährdungen von Schülern zu erkennen und angemessen zu reagieren, schreibt die Schule auf der Homepage. Einzelne Eltern hätten gleich zu Beginn die Höhe der Belastungen ihrer Kinder angesprochen und an die Lehrkräfte appelliert, mehr Absprachen zu treffen und Ausgleich in Extremphasen zu gewähren. Die Leitworte „Bildungsauftrag“ und „Erziehungsauftrag“ der Schule prägten die unterschiedlichen Beiträge. Daneben stand das Stichwort „Elternverantwortung“ immer wieder im Raum – von Eltern selbst ins Gespräch gebracht und mit viel Beifall bedacht.

Besonders intensiv sei über die Problematik der sozialen Netzwerke und die Nutzung von Smartphones im Schulalltag gesprochen worden. Von „Mobbing“ war die Rede, von „extremem Gruppendruck“ und zunehmenden Lernschwierigkeiten. Pavel versprach, dieser Thematik weiter in den Gremien der Schule nachzugehen und dabei auch die liberalen Regelungen in der Schulordnung zu diskutieren. Der Schulleiter habe das Thema aber nicht zum Zentrum des Abends werden lassen wollen, zumal es erst kürzlich eine nicht sehr gut besuchte Elternveranstaltung mit „Smiley e. V.“ zum Thema Internetnutzung gegeben hatte.

Deutlich sei außer manch unbeantwortbarer Frage nach individuellen Gründen und Hintergründen tragischer Entwicklungen und Verkettungen an diesem Abend auch geworden, wie wenig Beachtung die angesprochenen Probleme immer noch finden, wenn es um die personelle Ausstattung von Gymnasien geht. „Ein Sozialarbeiter ist nicht vorgesehen“, musste Pavel den Eltern sagen. Er habe aber versprochen, weiterhin alles ihm Mögliche dafür zu tun, hier Abhilfe zu schaffen, zunächst auf dem Dienstweg, dann „auf anderen Wegen“. Der Unterstützung der zuständigen Dezernentin sei er sich dabei sicher.

Man habe immer wieder gespürt, wie sehr der Schulleiter vielen Anwesenden aus der Seele sprach, die die Sorge um die Kinder und Jugendlichen verbindet, heißt es weiter. Dass es auch weniger interessierte Eltern gibt, wurde nicht verschwiegen an diesem Abend, der in Sachen „Schulentwicklung“ sicherlich „von ganz großer Bedeutung ist für das Gymnasium Adolfinum.“ In einem Arbeitskreis „Achtsamkeit“ wird es im kommenden Jahr um weitere Schritte gehen.

Einzelne Eltern sprachen auch die besondere Belastung der Lehrkräfte an, die in den zurückliegenden Monaten mehrfach an ihre Grenzen gestoßen seien. Pavel betonte auf Nachfrage, dass es für den Krisenfall keine starren Regelungen geben könne. Auch Information müsse altersgemäß erfolgen. Alle Hinweise aus dem Kollegium müssten dabei stets die Privatsphäre der Betroffenen achten. Das Geschehen in einer Schule, zu der insgesamt über 1000 Menschen gehören, sei durch den besten Krisenplan nicht voll kalkulierbar.

Für eine Übergangszeit stehen nun außer Martina Ehm als Beratungslehrkraft der Schule sowie den beiden Schulpastoren nun aufgrund einer Initiative aus der Elternschaft der Diakon Ingmar Everding als Ansprechpartner der Kinder und Jugendlichen zur Verfügung. Der Religionsgemeindepädagoge, der in der Gemeinde Steinbergen und Bad Eilsen tätig ist, stellte sich kurz vor und umriss seine Vorstellung von Hilfestellung – gegenüber den Schülern, gegenüber der Schule. Eine „Brücke“ wolle er sein hin zu einem besseren Weg, einem Neuanfang, „einem ersten Schritt aus dem Seelendunkel“. Als Pädagoge, der nicht unterrichtet, nicht korrigiert und nicht zensiert, habe er andere Spielräume. Die Schüler sähen womöglich weniger Hürden. „Wie richtig er damit liegt, war atmosphärisch schon zu spüren, als er sich am nächsten Tag in einzelnen Klassen vorstellte“, heißt es auf der Homepage.

Und: „Ein von der gebotenen Zurückhaltung geprägter Gesamtblick auf die Elternratsveranstaltung sollte sicherlich auch nicht unterschlagen, dass immer wieder von einzelnen Eltern auf die besonderen Angebote des Adolfinum hingewiesen wurde, auf ein dynamisches Schulleben und ein Kollegium, das weit mehr bietet als bloß Fachunterricht, manchmal bis an die eigenen Belastungsgrenzen.“ r/rc

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