Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Traum von einem besseren Leben

Flüchtling will in Kleinenbremen Fuß fassen Traum von einem besseren Leben

Wissensdurst und Fleiß ermöglichen Alishah Malekaade, dass er ab sofort am Mindener Weserkolleg den Abschluss nach Klasse zehn anstreben kann. Der 24-jährige Flüchtling aus Afghanistan, der im Wohnheim in Kleinenbremen wohnt, bestand den Vorbereitungskurs für diesen Bildungsgang, obwohl er kein Wort Deutsch sprach, als er vor drei Jahren nach Deutschland kam. Eine Schule hatte er in Afghanistan nie besucht.

Voriger Artikel
Wie Pferde Luftsprünge lernen
Nächster Artikel
Kritik am Umgang mit Heeresfliegern

Parallel zu Deutsch und Englisch hat Alishah Malekaade auch Schachspielen gelernt.

Quelle: gs

Kleinenbremen. „Ich möchte lernen, zunächst den Abschluss an der Realschule erreichen und dann einen weiteren Schulabschluss schaffen, um mich im Technikbereich zu bilden“, sagt Alishah zu seinen Zukunftsplänen. Ein halbes Jahr lang büffelte der Afghane Mathematik, Englisch und Deutsch – mit Erfolg.

 „Ich danke allen, die mir geholfen haben“, sagt der Asylsuchende. Zunächst war er mehrfach wöchentlich in aller Herrgottsfrühe zum Deutschkurs zur Bischof-Hermann-Kunst-Schule nach Espelkamp gefahren, um sprachliche Grundkenntnisse zu erlernen. Parallel hatten ihm Ute Walsemann Unterricht in Deutsch, Wolfgang Teichmann in Englisch und Ino Jacobs (alle vom Verein „Hilfe für Flüchtlinge“) in Mathe gegeben.

 „Von Ino Jacobs habe ich noch mehr gelernt“, erklärt der 24-Jährige dankbar. Nach der Mathestunde habe der Lehrer immer gesagt: „Nun sind noch fünf Minuten Zeit fürs Schachspielen.“ Dieses Spiel habe er nicht gekannt, sei aber von Anfang an fasziniert davon gewesen. Jacobs habe die Regeln in Deutsch und Englisch erklärt und so habe er, Malekaade, zwei Sprachen und gleichzeitig Schach gelernt. Inzwischen spiele er spannende Partien mit seinem Mathelehrer.

 Außer dem Lehrstoff musste Malekaade zunächst einmal die lateinischen Buchstaben lernen, denn er kannte nur arabische Schriftzeichen. Die hatte er in seiner Heimat in Ghazni in der Nähe von Kandahar gelernt, obwohl er keine Schule besuchte.

 Bei geheimen Treffen in einem Keller erhielt er drei Jahre lang abends Unterricht von einem Erwachsenen, der dort 35 Mädchen und Jungen das Schreiben und Rechnen beibrachte. Dorthin habe ihn sein Vater geschickt und privat dafür bezahlt.

 Seit er neun Jahre alt war, arbeitete der Junge in einer Autowerkstatt, verrichtete Aufräumarbeiten und schaute den Automechanikern auf die Finger: „Das ist in Afghanistan total normal, dass Kinder arbeiten.“ Aus dieser Zeit resultiert Alishahs Hochachtung vor deutschen Produkten: Wenn von einem Fahrzeug gesagt wurde „Made in Germany“ dann sei das immer Wertschätzung für besondere Qualität gewesen. Damals entstand sein Bild von Deutschland als Wunderland. Als die Flucht für ihn das einzige Mittel zum Überleben wurde, wollte er in dieses „Germany“.

 Nach dramatischen Ereignissen in seinem jungen Leben ist er nun da. Die Freude über die erworbene Qualifikation am Weserkolleg wird bei Alishah von der großen Sorge einer Abschiebung überschattet. Noch ist sein Asylantrag nicht positiv beschieden.

 Offensichtlich von schwerem Schuldgefühl gedrückt, schilderte der Asylsuchende den Grund seiner Flucht: „Ich habe eine schlimme Sache gemacht, die für mich und meine Familie gravierende Folgen hatte.“ Ein Freund in Ghazni versteckte im Auftrag eines Amerikaners Computerchips an einem bestimmten Haus. Und Malekaade tat das auch. Die Taliban inhaftierten den amerikanischen Kundschafter, dessen Aufträge die Jugendlichen erledigten, und folterten ihn, bis er die Namen seiner jungen Helfer preisgab.

 „Mein Freund war zu Hause, als die Taliban kamen. Sie erschossen ihn sofort. Ich war nicht zu Hause. Die Taliban folterten meine Familie und hackten meinem Vater einen Arm ab, um zu erfahren, wo ich war. Meine Familie sagte nichts und mein Vater ließ mir eine Warnung zukommen, dass ich sofort fliehen müsste.“ Alishahs Familie floh ebenfalls aus Afghanistan und lebt nun im Untergrund im Iran. gs

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg