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Türöffner zur Gesellschaft

AWO-Sozialarbeiter helfen Flüchtlingen Türöffner zur Gesellschaft

Mehmet Ruzgar, einer von elf Flüchtlings-Sozialarbeitern der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Schaumburg, hat in diesen Tagen viel zu tun. Behördengänge, Arztbegleitung, Gespräche – Ruzgar bietet Hilfestellung, ist immer ansprechbar.

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Heidemarie Hanauske und Mehmet Ruzgar informieren für die Flüchtlingssozialarbeit in Bückeburg.

Quelle: mig

Bückeburg. „Wir sind wie die Türöffner zur Gesellschaft“, sagt der junge Mann. Und: „Die Menschen, die hierherkommen, wollen unheimlich viel wissen, sind sehr motiviert.“ Ruzgar ist viel unterwegs: mal in einer Flüchtlingsunterkunft in der Stadt Bückeburg, mal in Warber, wo ebenfalls Flüchtlinge leben. Dort kümmert er sich um mehrere Familien,

In Deutschland angekommen beginnt die Odyssee für viele Flüchtlinge erst. Der Alltag ist fremd, die Sprache auch, was nun tun? Eine erste Orientierung und weitergehende Hilfestellung kommt von den Sozialarbeitern der Awo Schaumburg. „Wir sind das Scharnier zur Gesellschaft“, bringt es Ruzgar auf den Punkt. „Wir wollen unseren Klienten einen Zugang eröffnen.“ Die Aufgabenschwerpunkte der Sozialarbeiter liegen in der Beratung und Orientierung der Flüchtlinge, zum Beispiel in Fragen des täglichen Lebens (beispielsweise Öffentlicher Personennahverkehr, Müllentsorgung, Umgang mit Gutscheinen und Geld, Energiesparen, Rechte und Pflichten) sowie zu den gesellschaftlichen Verhältnissen. Die Flüchtlinge werden unterstützt in ihren Kontakten zu Behörden und Institutionen, zu Schulen und Kindergärten, zum Sozialamt, Jugendamt oder bei der Suche nach Deutsch-Kursen.

Daneben sind die Sozialarbeiter zuständig für die Begleitung zu Ärzten, und sie geben Hilfestellung bei der Regelung des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Kulturkreise. „Wir sind sozusagen die erste Anlaufstelle in fast allen Fragen für die Flüchtlinge“, fasst Ruzgar sein Anforderungsprofil zusammen. „Zu uns kommen sie, wenn sie etwas auf dem Herzen haben oder einfach mal reden wollen.“ Was ihm bei fast allen Flüchtlinge aufgefallen ist: „Sie wollen unbedingt sofort Deutsch lernen.“ Sie hätten alle einen großen Drang, vorwärtszukommen und die deutsche Sprache und ihre Regeln möglichst schnell zu lernen. „Ich werde immer wieder gefragt, wie wird dies hier gemacht oder wie jenes“, sagt Ruzgar. Die meisten Flüchtlinge seien sehr motiviert.

Ein weiterer wichtiger Baustein der „aufsuchenden und dezentralen Sozialarbeit der Awo“ sei der Kontakt zu den Nachbarn und zu Einheimischen. Nur indem „auf alle Fragen, ob von Flüchtlingen oder Nachbarn, ganz offen geantwortet“ werde, könnten eventuelle Spannungen abgebaut werden, ist Ruzgar überzeugt. Die Sprechstunde in Warber biete allen Anwohnern die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen und Fragen zu äußern. Dass in Bückeburg bisher kaum Kritik laut geworden ist, führt Ruzgar auch auf die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge zurück. Soweit möglich seien die Flüchtlinge dort auf kleinere Wohnungen und Häuser verteilt worden. Das sei vorteilhaft sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Bevölkerung, denn: „Die Nachbarn akzeptieren kleine Wohnungen eher als eine große, zentrale Unterkunft.“

Auch Heidemarie Hanauske ist überzeugt, dass sich das sogenannte „Leverkusener Modell“ für Bückeburg bewährt hat. Mit den Nachbarn gebe es keine Schwierigkeiten, es gebe sogar einige, die „rüberkommen und mit den Menschen ins Gespräch kommen“, erklärt die Awo-Kreisgeschäftsführerin. Bisher sei alles „sehr gut und sehr ruhig abgelaufen“. Und die Flüchtlinge? Die fühlten sich in den kleinen Einheiten ohnehin viel wohler, weiß Ruzgar zu berichten. „Je größer eine Gruppe ist, desto größer wird auch der Stressfaktor, dann kann es auch schon mal eher zu Streitigkeiten kommen.“

Dennoch hat die große Zahl von Flüchtlingen auch eine „Schattenseite“ für die Sozialarbeiter der Awo Schaumburg. Ihre Überstunden sind in den vergangenen Wochen und Monaten stark angestiegen. „Wir suchen derzeit dringend und kontinuierlich neue Kollegen“, sagt die Kreisgeschäftsführerin. Ein Problem sieht sie darin, „dass die Nachfrage nach geeigneten Flüchtlings-Sozialarbeitern auch ringsum stark steigt, während die Bewerberlage nicht gerade besser wird“. Ebenfalls problematisch: Nicht alle Bewerber wiesen die erforderliche Qualifikation auf, als da wären: ein abgeschlossenes Studium als Diplom-Sozialpädagoge oder Diplom-Sozialarbeiter sowie fundierte EDV-Kenntnisse. Sie hoffe trotzdem, dass in den kommenden Wochen weitere Fachkräfte eingestellt werden könnten.

Der Bedarf sei gegeben. Aktuell hat die Awo in Schaumburg elf Flüchtlings-Sozialarbeiter, zwei wurden erst kürzlich eingestellt. mig

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