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Üben für den Notfall

Groß angelegtes Szenario in AchumDie Üben für den Notfall

Blutverschmierte Menschen, die verzweifelt um Hilfe schreien, solche, die vor Schmerzen stöhnend auf dem Boden liegen, und wieder andere, die völlig unter Schock stehend über das Rollfeld irren, auf dem zwei Hubschrauber kollidiert und dann in Brand geraten sind: Dieses unübersichtliche Szenario hat sich der Flugplatzfeuerwehr und Sanitätern der Bundeswehr, der „Schnellen Einsatzgruppe“ des DRK-Kreisverbandes sowie einigen Freiwilligen Feuerwehren geboten, die am vergangenen Sonnabend an einer groß angelegten Übung auf dem Flugplatz der Schäferkaserne in Achum teilgenommen haben.

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Die Einsatzkräfte haben bei der Großübung schwer zu schleppen.

Quelle: Michael Werk

Achum. Im Fokus stand aber nicht der von der Flughafenfeuerwehr durchgeführte Löscheinsatz, der deswegen auch nur angedeutet wurde, sondern die koordinierte medizinische Erstversorgung der 20 verletzten Personen und die Organisation deren Abtransportes in die umliegenden Krankenhäuser. Damit das Ganze möglichst echt wirkte, waren die – unter anderem von Mitgliedern der Nienstädter Feuerwehr gespielten – „Unfallopfer“ von einem auf „Realistische Unfalldarstellungen“ spezialisierten Team des DRK Lüneburg mit Kunstblut, künstlichen Knochensplittern und reichlich Schminke entsprechend präpariert worden.

„Der erste am Unfallort eintreffende Notarzt sichtet die Gesamtlage und meldet seine Einschätzung der Situation an die Zentrale“, erklärte Jörg Illig, Fliegerarzt bei den Bückeburger Heeresfliegern. Dabei spreche man bei mehr als vier Verletzten bereits von einem „Massenanfall an Verletzten (ManV)“, der indes – gestaffelt nach der Anzahl der Unfallopfer – in unterschiedliche Kategorien eingestuft wird.

Da der Notarzt bei der aktuellen Übung 20 verletzte Personen festgestellt habe, habe dieser eine „ManV2-Lage“ gemeldet, sodass die in die Alarmierung eingebundene „Logistikeinheit Feuerwehr“ ausrückte. Rund eine halbe Stunde später baute diese von den beiden Ortswehren Rodenberg und Pohle gebildete Spezialeinheit dann drei mit Pressluft aufblasbare Zelte zwecks „Patientenablage“ auf dem Rollfeld auf, in die die Verletzten von den Rettungskräften der „Schnellen Einsatzgruppe“ sowie Ersthelfern der Feuerwehren verbracht und weiter medizinisch versorgt wurden.

Auch dort wurde wieder unterschieden, und zwar nach leicht-, schwer- und lebensbedrohlich verletzten Personen sowie gegebenenfalls solchen, denen man aufgrund fehlender Überlebenschancen nur noch eine Palliativversorgung zukommen ließ: „Wer schreit, der hat noch Luft“, sei zum Beispiel ein Kriterium, an dem sich der die Unfallstelle sichtende Notarzt bei der Bewertung der „Verletzungsmuster“ nebst den jeweiligen Schweregraden der Verletzungen orientiere, verriet Illig. Da der Zustand von Patienten jedoch dynamisch sein könne, müsse der Mediziner immer wieder nach den zunächst unter freiem Himmel versorgten Verletzten schauen respektive später durch die – mit elektrischem Licht vom Notstromaggregat ausgestatteten – Versorgungszelte gehen, um die ursprüngliche Einstufung gegebenenfalls zu korrigieren. In diesem Kontext werde von dem Notarzt überdies entschieden, in welches Krankenhaus die einzelnen Patienten abtransportiert werden sollen, um ihnen die für ihren Fall bestmögliche Behandlung zuteilwerden zu lassen.

Gäbe es dieses System der Logistik respektive Disposition nicht und würde man stattdessen einfach alle Unfallopfer ins nächstgelegene Klinikum bringen, würde es bei einem derartigen Massenanfall an Verletzten „definitiv ein Chaos in dem Krankenhaus geben“, betonte Christian Hoffmann von der „Örtlichen Einsatzleitung“ des Landkreises. Denn das Bückeburger Klinikum beispielsweise habe ja gar nicht die Kapazitäten, auf die Schnelle auch noch all diese zusätzlichen Patienten adäquat zu behandeln, sodass es dort zu einem regelrechten „Patientenstau“ käme. Zudem habe man bei solchen oder noch größeren Unfallkatastrophen in der Regel auch nicht genug Rettungswagen zur Verfügung, um alle Verletzten sofort in ein Krankenhaus zu transportieren.

Von Bernd Gerberding, dem Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes im Landkreis, war zudem noch zu erfahren, dass an dieser Katastrophenübung unterm Strich mehr als 100 Einsatzkräfte mit 32 Einsatzfahrzeugen teilgenommen haben, davon allein 60 Rettungskräfte des DRK mit 18 Fahrzeugen.

Im Ernstfall würde solch ein Rettungseinsatz von einem der beiden Flugsicherheitsoffiziere der Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg koordiniert, ergänzte Oberstleutnant Michael Starke (der andere Flugsicherheitsoffizier). Dieser sei auch dafür zuständig, die Unfallstelle abzusichern und etwa Ursachenforschung zu betreiben.wk

Auf dem Rollfeld des Flughafens auf Wolldecken abgelegt, warten die „Verletzten“ auf die Verlagerung in eines der Versorgungszelte und den späteren Transport in ein geeignetes Krankenhaus. wk

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