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„Unauslöschliches Wundmal“

Bückeburg / Pogrom-Gedenken „Unauslöschliches Wundmal“

Gedenken an die Opfer der Pogromnacht vom 9. November 1938 Bückeburg. Mit der Niederlegung zweier Kränze an dem hinter dem Stadthaus errichteten Gedenkstein haben die Stadt Bückeburg und die jüdische Gemeinde im Landkreis Schaumburg am Samstag gemeinsam mit der katholischen Pfarrgemeinde und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde an die Opfer der Pogromnacht vom 9.

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Zum Gedenken an die im Dritten Reich von den Nationalsozialisten ermordeten Juden legen Eduard Khaykin, Mitglied der Jüdischen Gemeinde im Landkreis Schaumburg, (rechts) und Arthur Feldbein, Enkel des Gemeindevorsitzenden Leonid Feldbein, einen Kranz nieder.

Quelle: wk

November 1938 erinnert. Musikalisch umrahmt wurde das Zeremoniell, dem mehrere Dutzend Menschen beiwohnten, vom Posaunenchor der Stadtkirchengemeinde.

 Als ein „unauslöschliches Wundmal deutscher Geschichte, das mit unvergleichlicher Intensität auf der Seele unseres Volkes lastet“, bezeichnete Peter Kohlmann, stellvertretender Bückeburger Bürgermeister, jene Nacht vor 75 Jahren, in der jüdische Mitbürger von Nationalsozialisten aus ihren Häusern getrieben und getötet, deren Geschäfte geplündert sowie Synagogen in Brand gesetzt worden waren. Diese Gewalt sei zudem das „offizielle Signal zum größten und schlimmsten Völkermord in der Geschichte der Menschheit“ gewesen, wobei die „furchtbaren Exzesse des Pogroms“ ein „neuerlicher Höhepunkt eines staatlich nicht nur tolerierten, sondern aktiv betriebenen Antisemitismus“ gewesen seien. In der Folge habe die damit einsetzende „perfide Tötungsmaschinerie des Nazi-Regimes“ Millionen Juden und anderen unschuldigen Menschen das Leben gekostet. Und selbst wenn Überlebende äußerlich unverletzt geblieben waren, habe der Holocaust ihnen „lebenslang tiefe, unheilbare Wunden in die Seele gebrannt“.

 Wenn die Gesellschaft eine Lehre aus der Reichspogromnacht und dem Holocaust ziehen könne, dann die, dass man diese „ungeheuerliche Wahrheit“ – das was „ideologisch verblendete Menschen anrichten können, wenn man sie gewähren lässt“ – nie vergessen oder verdrängen dürfe, resümierte Kohlmann. Und der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde, Dr. Bogdan Dabrowski, mahnte: „Der Sieg des Bösen wird dadurch möglich, dass die Guten nichts tun.“ Daher müsse man bereits Anfängen von Ausgrenzung widerstehen und frühzeitig gegen Unrecht einschreiten.

 Dass am 9. November in Deutschland alljährlich an das „traurigste und schrecklichste Ereignis der Geschichte“ – die Reichspogromnacht und den danach von den Nationalsozialisten verübten Völkermord an den Juden – erinnert wird, wertete Leonid Feldbein, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde im Landkreis Schaumburg, als ein Zeichen der „Hoffnung“, das sich Ähnliches nicht noch einmal wiederholen werde. Dabei wies er darauf hin, dass auch die katholische Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil den Holocaust als die „größte Sünde“ verurteilt habe.

 Zwei Schüler der Oberschule Bückeburg verlasen schließlich die Namen aller 71 jüdischen Mitbürger Bückeburgs, die während des Dritten Reiches „Opfer des Nazi-Terrors“ geworden waren.

 Und der pensionierte Lehrer Klaus Maiwald, der die von dieser Schule fortgeführte „Geschichtswerkstatt“ der ehemaligen Herderschule ins Leben gerufen hatte, zitierte aus einem Brief einer Angehörigen, einer den Holocaust überlebenden Jüdin. Diese hatte in dem Schreiben ebenfalls die Bedeutung der Zivilcourage hervorgehoben, auf dass in Deutschland nie wieder Menschen verfolgt werden. wk

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