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Unter jedem Kirchturm ein Pastor

Mitgliederzahl der Landeskirche dennoch erneut gesunken Unter jedem Kirchturm ein Pastor

Die Mitgliederzahl der Schaumburg-Lippischen Landeskirche geht weiter zurück. Insgesamt gehörten der Landeskirche mit Stichtag 31.

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Die Schaumburg-Lippische Landeskirche, hier der Bischofssitz Stadtkirche Bückeburg, hat auch 2015 mit weiter zurückgehenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, nicht nur wegen der Kirchenaustritte, sondern auch, weil mehr Menschen beerdigt als getauft werden.

Quelle: rc

BÜCKEBURG. Dezember 2015 53233 Kirchenmitglieder an. Gegenüber dem Vorjahr mit 54159 (Stichtag 31. Dezember 2014) ist das ein Rückgang von 1,7 Prozent. Die Landeskirche hat ohnehin seit etlichen Jahren Rückgänge in dieser Größenordnung zu verkraften, wie der Pressesprecher der Landeskirche, Pastor Ulrich Hinz aus Meinsen, im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Ein paar Zahlen: 2006 hatte die Mitgliederzahl noch bei 61908 (Anteil an der Bevölkerung: 63,3 Prozent) gelegen, 2001 waren es sogar noch 64436 Mitglieder.

Drei Gründe führte Hinz für den weiteren Mitgliederrückgang an: die Kirchenaustritte, die gesellschaftliche Entwicklung und demografischen Faktoren in der Region. Im Jahr 2015 traten 391 Menschen aus der Landeskirche aus. Gegenüber dem Vorjahr 2014 mit 484 Austritten ging die Zahl also um 93 Austritte zurück. Was einem Rückgang von 19,25 Prozent entspricht. Demgegenüber stehen im vergangenen Jahr 70 Kircheneintritte, 2014 waren es 81 Eintritte. Sowohl 2015 als auch 2014 liegen allerdings deutlich über den Austrittszahlen der Vorjahre. So traten 2010 insgesamt 271 Menschen aus der Landeskirche aus, 2006 waren es 248 und 2002 sogar 406.

„Da niemand einen Grund für seinen Kirchenaustritt angeben muss und dieser eine ganz individuelle Entscheidung ist, können keine sicheren Erklärungen für diesen Schritt benannt werden“, sagte Hinz. In der Regel bekomme der Pastor von dem Austritt nur mit, wenn die Austrittserklärung über die Behördenschiene in den Pfarrämtern einläuft. Anders sieht es dagegen bei den Eintritten aus. Neue Mitglieder müssen sich beim Pfarramt melden, wenn sie eintreten wollen. Dabei habe die Landeskirche festgestellt, dass die Wieder-Eintreter oft schon getauft sind, also schon einmal in der Kirche waren.

Faktoren, die die Landeskirche nicht beeinflussen kann

Weniger als die Hälfte des Mitgliederverlustes sind nach Angaben von Hinz auf die Kirchenaustritte zurückzuführen. Der weitaus größte Teil geht auf Faktoren zurück, die die Landeskirche nicht beeinflussen kann: Es sterben mehr Menschen, es werden weniger Menschen getauft. So ist der Anteil der Verluste durch Beerdigungen (2015: 1006) mehr als doppelt so hoch wie der Anteil der Zuwächse durch Taufen (2015: 435). Und: Bei der demografischen Entwicklung verliert Schaumburg zwar nicht so viele Menschen. Aber bei denen, die nach Schaumburg ziehen, sind einige, die bereits vorher aus der Kirche ausgetreten sind.

Gegensteuern will die Landeskirche dadurch, dass sie ihre personelle Ausstattung vor Ort nicht zurückfährt. „Wir sind weiter mit allen Kirchengemeinden am Start“, sagte Hinz. 22 sind es, an deren Zahl nichts verändert werden soll. Es gebe zwar Pfarrämter mit nur 1000 Gemeindemitgliedern, wie Wendthagen, Pollhagen, Probsthagen oder seine Gemeinde Meinsen mit 1300 Gemeindemitgliedern. Sie alle aber haben eine volle Pfarrstelle. Oder wie es Hinz formulierte: „Unter jedem Kirchturm einen Pastor.“ Die durchschnittlich geringe Zahl der Gemeindemitglieder gebe der Landeskirche die Möglichkeit, nah dran an den Menschen zu sein. „Das ist das Pfund, mit dem wir wuchern können.“

Kirchenvorstände, Gemeindekirchenräte, Kindergartenausschüsse, Friedhofs- oder Bauausschüsse oder Chöre und Kreise seien alle noch besetzt. Und durch die Flüchtlingsarbeit sei viel Neues entstanden, was den Gemeinden und damit auch den Kommunen zugutekommt: „Die urchristliche Tradition, den Fremden aufnehmen und als Gast behandeln.“ Das alles laufe noch gut, so Hinz. „Aber es ist wie bei den Vereinen. Wir müssen um unseren Nachwuchs kämpfen.“

 Im Kinder- und Jugendbereich viel im Fluss

Daher hat die Landeskirche drei Stellen für Diakone im Bereich Kinder- und Jugendarbeit eingerichtet, befristet auf fünf Jahre. Auch in den Bereich der Schuldiakone wird die Landeskirche weiter investieren. Derzeit sei im Kinder- und Jugendbereich vieles im Fluss. Es werde über den Einsatz des Personals, möglicher Kooperationen und auch Standorten weiter beraten und diskutiert. Offen sei zum Beispiel nach wie vor, ob das Landesjugendpfarramt tatsächlich in das neue Landeskirchenamt an der Bückeburger Bahnhofstraße einzieht. Es liege nicht zentral genug, nannte Hinz einen Diskussionspunkt.

Um Menschen zurück in die Kirche zu locken, setzten die Gemeinden auf die Entwicklung neuer Gottesdienst-Formate wie den „Blickwechsel“ in Bückeburg oder „Zwischen Torte und Tatort“ in Meinsen. Damit werde eine neue Klientel erreicht, weil diese Gottesdienste nicht so statisch und traditionell laufen. „Hier wird Neues begründet.“

In den vergangenen Jahren war die Landeskirche in der Lage, den Erhalt von Pastorenstellen und Strukturen finanzieren zu können. Zwar gehen die Mitgliederzahlen zurück, aber wegen der guten gesamtwirtschaftlichen Lage legen die Einnahmen aus der Kirchensteuer zu. Die Landeskirche verzeichnet weiter leichte prozentuale Zuwächse. rc

 Bundesweiter Trend

Auch in der Evangelischen Kirche (EKD) geht die Mitgliederzahl weiter zurück. Ende 2015 gehörten nach Angaben des Kirchenamts in Hannover rund 22,3 Millionen Menschen einer der evangelischen Landeskirchen an. Das sind rund 360.000 weniger als im Jahr zuvor.

Die katholische Kirche verlor etwa 178000 Mitglieder. Ausgetreten sind nach Angaben der EKD 2015 etwa 210000 Menschen, dem rund 25000 Eintritte gegenüberstehen. 27 Prozent der deutschen Bevölkerung gehören damit einer der 20 Gliedkirchen der EKD an. Im Vergleich zu 2014 hat sich sowohl der Mitgliederschwund als auch die Zahl der Austritte verlangsamt. 2014 war die Mitgliederzahl um 410000 gesunken, 2015 waren es 360000. Die Austritte sanken um ein knappes Viertel von 270000 auf 210000. Die Bilanz 2014 führt die Kirchen unter anderem auf die Änderungen der Finanzämter bei der Einziehung der Kapitalertragssteuer zurück.

Die mitgliederstärkste Landeskirche ist weiter die Hannoversche Landeskirche, der etwa 2,68 Millionen Menschen angehören. Die meisten Gemeinden gibt es in der Mitteldeutschen Kirche (1922), die wenigsten – lediglich 22 – in Schaumburg-Lippe. In den Gemeindeleitungen arbeiten etwa 127000 Ehrenamtliche. Rund 175000 Kinder und Erwachsene wurden 2015 evangelisch getauft. rc

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