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Bückeburg Stadt Unterstützung nötig
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21:59 24.08.2017
Auf dem Balkon der Bückeburger Rentnerin laden unterschiedliche Angebote Vögel zum Futtern ein. Quelle: bus
BÜCKEBURG

„Es droht ein stummer Frühling“, meinte Lemke, als sie der Regierung vorwarf, zu wenig gegen den Einsatz von Giften und Monokulturen in der Landwirtschaft zu unternehmen.

Rentnerin kümmert sich um Vögel

In Bückeburg kümmert sich – ebenso wie etliche andere Naturfreunde – eine 71 Jahre alte Rentnerin um das Wohlergehen der gefiederten Zeitgenossen. „Die Vögel brauchen unsere Unterstützung, sonst sind sie bald alle verschwunden.“ Sie füttert auf ihrem Balkon in einem Mehrfamilienhaus besonders Meisen, Finken und Amseln. Ab und zu schaut eine Ringeltaube vorbei, mal eine Elster. Ein Papagei war auch schon da. „Und die Meisen haben hier schon zweimal Nachwuchs großgezogen“, berichtet die 71-Jährige.

Die Tiere sind gewissermaßen der letzte soziale Kontakt, der der Naturfreundin geblieben ist. „Ich bin herzkrank und sehr schlecht zu Fuß und für einen Hund oder eine Katze zu alt.“ Und bei rund 300 Euro Rente sei an große Sprünge ohnehin nicht zu denken. „Manchmal verzichte ich auf mein Essen und kaufe lieber Futter für die Vögel.“

Beschwerden über Vogelkot

Nun sind aber nicht alle Mitbewohner mit der Fütterungsaktion einverstanden. Beklagt werden unter anderem massive Vogelkot-Verschmutzungen. Die Verunreinigung sei nicht weiter hinnehmbar, die Ganzjahresfütterung solle unterlassen werden. Jetzt soll einer der beiden Bückeburger Schiedsmänner die Wogen glätten.

Den Darstellungen der Regierung gemäß sind vor allem in Agrarlandschaften lebende Vögel bedroht. Demnach hat in Deutschland der Bestand der Kiebitze zwischen 1990 und 2013 um 80 Prozent abgenommen, die Zahl der Braunkehlchen um 63 Prozent, die der Uferschnepfen um 61 Prozent und die der Feldlerchen um 35 Prozent. Die Zahl der Rebhühner ist von 1990 bis 2015 sogar um 84 Prozent zurückgegangen. Ein Drittel aller Vogelarten zeigte seit Ende der Neunziger „signifikante Bestandsabnahmen“.

Trend zu Monokulturen

Als Gründe werden das Fehlen geeigneter Lebensräume und das Insektensterben angeführt. Bei manchen Insektenarten sei der Bestand um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Unkraut- und Insektengifte stellten Studien zufolge einen „relevanten Einflussfaktor“ dar, hält die Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen fest. Auch der Trend zu Monokulturen spielten eine Rolle.

Die Rentnerin hat beobachtet, dass sie kaum noch Besuch von Blaumeisen und Rotkehlchen erhält. „Um die scheint es ganz schlecht zu stehen“, meint die Vogelfreundin, die das Füttern gerne fortsetzen möchte. „Ich kann mich von ihnen nicht trennen.“ bus