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Unterwegs mit der Bückeburger Polizei

Langweilig wird es nie Unterwegs mit der Bückeburger Polizei

Die Bezeichnung „Landdienststelle“ klingt nach Beschaulichkeit, aber so idyllisch ist es nicht immer für das Polizeikommissariat Bückeburg. An einem „normalen“ Diensttag kann man schon mit Messerstechereien, schweren Unfällen und häuslicher Gewalt konfrontiert sein. Wir waren 24 Stunden dabei.

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Durchweg positive Bilanz

Persönliche Ansprache: Polizeibeamte und Sanitäter kümmern sich um ein Unfallopfer.

Quelle: kna

BÜCKEBURG.  Der Belastung werden die 51 Beamten der Wache an der Ulmenallee gerecht. Auf diverse Schichten aufgeteilt fahren die Polizisten nicht nur in der Stadt und im Umland Streife, um Präsenz zu zeigen, sondern sind natürlich auch bei Notrufen binnen Minuten vor Ort. Wer über die 110 anruft, landet in der Leitstelle in Hameln, die die Bückeburger Beamten alarmiert.

Alltagsgeschäft

 Bei nicht schwerwiegenden Notfällen ist es anzuraten, die Polizei über Amt anzurufen – so wie der Mann, der gerade dem Wachleiter schildert, dass er beim Ausparken gegen ein anderes Auto gestoßen ist. Keine Verletzten. Die Streifenbesatzung des Tagdienstes kommt trotzdem vorbei, Unfallberichte müssen ausgefüllt werden. Ohnehin besteht ein großer Teil der Polizei-Arbeit nicht aus Einsätzen, weitere Arbeit wartet auf die Beamten auf der Wache: Jeder Einsatz muss protokolliert werden. Außer dem „Alltagsgeschäft“ – Fahrzeuge kontrollieren, Halterfeststellungen nach Verkehrsunfallflucht, Ruhestörungen und kleineren Unfällen – nimmt dieser Schreibkram viel Zeit in Anspruch.

Obhutpflicht

 Zeit, die Polizeioberkommissar Ronny ... und seiner jungen Kollegin nicht bleibt, denn soeben bittet das DRK um Unterstützung. Die Retter haben im Durchgang zur Fußgängerzone eine stark alkoholisierte Person angetroffen, die sich renitent gegen die Behandlung der beiden Rettungssanitäter zur Wehr setzt. Der Mann muss aber nach einem Sturz auf den Kopf in ärztliche Obhut. Nachdem der 52-jährige Polizeibeamte es zuerst mit gutem Zureden versucht hat, die vier Promille Blutalkoholgehalt des Mannes diesen aber unempfänglich für eine vernünftige Einigung machen und der dann sogar versucht, nach den Helfern zu boxen, müssen die Männer härter durchgreifen. Gemeinsam hieven sie den Mann auf die Trage und fixieren ihn. „Wir können ihn nicht einfach liegenlassen“, sagt Ronny ..., „wir haben eine Obhutpflicht.“ Zur Unterstützung der Rettungskräfte bleibt er im Rettungswagen, während seine Kollegin im Streifenwagen folgt.

Freund und Helfer

 So vergeht der Tag mit mal mehr, mal weniger anstrengenden Einsätzen: Eine andere Streife wird zu einer leicht verwirrten Seniorin gerufen, die sich selbst ausgesperrt hat und nun hilflos auf der Straße herumirrt. Nach eingehender Befragung und Begutachtung des Hauses wird die alte Dame kurzerhand in den Streifenwagen gesetzt. Trotz der unangenehmen Begleitumstände eine aufregende Erfahrung für die Rentnerin. Sie soll mit auf die Wache, um sich aufzuwärmen. Auf der Fahrt erkennt sie das Haus ihrer Kirchengemeinde – dort hat jemand einen Schlüssel. Natürlich kümmern sich die Kommissare darum und kurze Zeit später haben sie tatsächlich einen Schlüssel für das Haus organisieren können. Die alte Dame strahlt und drückt den Polizisten dankbar die Hände.

 Immer wiederAlkohol im Spiel

 Weniger angenehm jedoch sind Einsätze, wie sie die Nachtschicht zu erledigen hat: Schlägerei mit mehreren Personen bei einem Zeltfest. Sofort werden vier Streifenwagen aus dem Umkreis alarmiert und fahren so schnell wie möglich zum Einsatzort. Dort herrscht erst einmal Chaos. Einige Gruppen junger Erwachsener sind unter Alkoholeinfluss aneinandergeraten und prügeln sich – auch mit der Security und den Beamten. „Die neue dunkle Uniform ist ja toll“, resümiert nachher einer der eingesetzten Beamten. „Aber viele erkennen uns zuerst nicht als Polizisten, da muss man dann schon mal Klartext sprechen.“

 Und wenn das nicht reicht und tatsächlich jemand körperlichen Widerstand leistet, dann muss dieser auch die Konsequenzen tragen. So, wie der junge Partybesucher, der nun wild schimpfend fixiert am Boden liegt. Das hat Folgen: Angriffe auf Polizeibeamte sind eine Straftat und werden dementsprechend hart geahndet. Auch wenn in jüngster Zeit die Grundstimmung der Polizei gegenüber deutlich positiver geworden sei, so die Beamten, sähen manche Leute in der Uniform noch immer ein Feindbild. Diese hätten nicht verstanden, dass darin Menschen stecken, die helfen und nicht strafen wollen. Eine Erkenntnis, die vielleicht nun auch den jugendlichen Randalierer erreicht hat. Denn sobald sich die Tür zum Streifenwagen hinter ihm geschlossen hat und er zum Ausnüchtern in Polizeigewahrsam abtransportiert wird, fließen die Tränen unaufhörlich.

Beschimpfungen

 „Manche Kommentare muss man einfach überhören“, seufzt ein anderer Polizist. Er wurde soeben mit seiner Streifenkollegin nach Stadthagen zur Unterstützung der dortigen Beamten beordert. Nach einer Trunkenheitsfahrt mit Unfall sind die beiden Auto-Insassen renitent und sparen nicht mit Beschimpfungen. Obwohl der Wagen gut sichtbar auf einem Randstein „geparkt“ wurde und mit allen Reifen in der Luft hängt, verstehen sie den Polizeieinsatz gar nicht und drohen mit ihrem Anwalt. Auf der Wache wird weiter gepöbelt, doch die Beamten lassen sich nicht provozieren. Vielmehr haben sie inzwischen herausgefunden, dass die Männer bereits eine Nacht zuvor Kontakt mit der Polizei hatten – auch ein Alkoholdelikt. Nach kurzem Plausch verabschieden sich die Bückeburger von ihren Stadthäger Kollegen und fahren zurück zur Wache an der Ulmenallee.

 Die Bückeburger Polizei ist in einigen Bereichen Vorreiter. So zählten sie zu den ersten, die mit Tablets im Streifenwagen arbeiteten, mit denen sie direkt vor Ort Personeninformationen oder Kennzeichen abfragen können. Viele Bückeburger Beamte sind noch jung, frisch von der Polizeiakademie sammeln sie praktische Erfahrungen. Dazu gehört auch, einen neuen Streifenwagen vom Typ VW Touran zu „testen“; übrigens der Grund dafür, warum ein Wagen mit Wolfsburger Kennzeichen unterwegs ist.

Unter Schock

In diesem Auto sind gerade zwei Beamte auf Streife, als sie der Funkspruch erreicht, dass sich in Helpsen ein schwerer Motorradunfall ereignet hat. Die Fahrer sind zunächst nicht auffindbar, und es wird befürchtet, dass sie eine Böschung hinuntergestürzt sind. „Oh Shit“, ist das Einzige, was Polizeioberkommissar Heinrich ... entfährt, bevor er das Gaspedal des Streifenwagens durchtritt. Mit Blaulicht und Martinshorn geht es zur Unfallstelle, jede Sekunde zählt. Vor Ort machen sich zwei Lkw-Fahrer bemerkbar, sie haben die jugendlichen Motorradfahrer verletzt hinter der Leitplanke gefunden. Die Spuren zeigen, dass die beiden auf die Leitplanke aufgeprallt und darüber gerutscht sind. Während der Beamte die Unfallstelle absichert, spricht seine Kollegin Michelle ... den unter Schock stehenden Verletzten Mut zu und wartet auf Rettungswagen und Notarzt. Als diese eintreffen und sich um die Verletzten kümmern, widmet sie sich der Unfallaufnahme: Zeugen befragen, Fotos machen, Fragen an den Notarzt, das Krad sichern.

Häusliche Gewalt

Unterdessen ist es Nacht geworden. In der Leitstelle geht der Notruf einer jungen Frau ein, die von ihrem Freund geschlagen und bedroht wird. Vor Ort treffen die Polizeibeamten Stani ... und Carsten ... einen jungen Mann auf der Straße, die blutenden Hände in die Luft gestreckt. Ja, er gebe alles zu. Seine Freundin habe ihn betrogen, und er sei ausgerastet. Er wird gesichert, die beiden jungen Beamten rufen einen Rettungswagen und erkundigen sich besorgt nach dem Verbleib der Frau. Diese treffen sie dann völlig aufgelöst und weinend in der Wohnung an. Schlimme Szenen müssen sich abgespielt haben. Fensterscheiben sind zerschlagen, Blut überall.

Einfühlsam werden die Geschädigte und ihre Freunde befragt. In solchen Situationen müssen Polizisten Empathie zeigen. Unterdessen randaliert der junge Straftäter am Rettungswagen, sodass eine weitere Streife angefordert wird. Nachher fahren die Polizisten in die Klinik, um dem Gewalttäter eine „Gefährderansprache“ zu halten. Mittlerweile beruhigt verspricht er, ins Bett zu gehen und die Nachbarwohnung der Freundin nicht mehr zu betreten.

Stressabbau nach der Schicht

 Augenscheinlich ein Bluff: Eine Stunde später alarmiert die Leitstelle erneut die Wache. Diesmal ist der Mann so ausgerastet, dass er seine Exfreundin und deren Bekannte auf der Straße wild schreiend mit einem Messer verfolgt. Noch bevor der Streifenwagen steht, springt der Polizeikommissar Carsten ... aus dem Wagen und stürzt sich auf den Täter, Handschellen klicken. Das Messer ist im hohen Bogen auf die Straße geflogen und wird vom Kollegen sofort gesichert. Langsam trauen sich die Verfolgten wieder aus der Deckung, Angst in ihren Gesichtern. Der Angreifer kommt in Gewahrsam. Trotz der frühen Stunde wird der Staatsanwalt informiert, um das weitere Vorgehen abzuklären.

Zum Glück ist bald Schichtende, die Ablösung kommt. Nun ist Erholung gefragt, damit die Beamten am nächsten Tag wieder für Sicherheit sorgen können. Wachleiter Hendrik ... fasst es schmunzelnd so zusammen: „Wir retten die Welt.“

Anmerkung: Um ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren, haben wir die Nachnamen der im Text erwähnten Beamten weggelassen. Von Sandra Knauthe

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