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Bückeburg Unverfänglich

Straßenschilder sorgen für Übersicht und erleichtern Einwohnern und Besuchern den Weg durch die Stadt. In Bückeburg gibt es an die 300.

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Bückeburg. Die ersten wurden Anfang des vorigen Jahrhunderts aufgestellt. Gleichzeitig wurde auch die Kennzeichnung der Gebäude mit Hausnummern vorgeschrieben. Auslöser war eine im August 1907 vom Magistrat beschlossene „Polizeiverordnung über die Anbringung von Straßen- und Hausnummernschildern“.

Die Neuregelung kam nicht von ungefähr. Die Residenz hatte einen Bauboom erlebt. Die bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch nahezu ausschließlich auf den historischen Stadtkern konzentrierte Siedlung war stellenweise weit über den Ex-Wall hinausgewachsen. Auf vielen der aus dieser Zeit stammenden Hinweistafeln stehen althergebrachte Örtlichkeitsbezeichnungen oder die Namen verdienter Persönlichkeiten. Sie dürfen von daher auch als eine Art Schlüssel zum Verständnis der Stadtentwicklungsgeschichte gelten. Wir stellen – in zwangloser Folge – einige der bemerkenswertesten, auf den Schildern verewigten Aufschriften vor.

Heute beantworten wir die Frage: Blies da einer Trompete? und stellen Goethe, Breslau und „Blumen“ vor. Dabei gilt: Ausgerechnet die Namen von zwei der ältesten Bückeburger Wegeverbindungen, nämlich Trompeterstraße und Petersilienstraße, konnten – trotz vielfältiger Deutungsversuche – bislang nicht wirklich „entschlüsselt“ werden.

Trompeterstraße: Die Trompeterstraße gab es laut Darstellung des verstorbenen Pastors und Stadthistorikers Hermann Heidkämper schon, als vom übrigen Bückeburg noch nicht viel zu sehen war. Hintergrund: Im zwölften Jahrhundert gab es auf dem heutigen innerstädtischen Grund zwei Bauernsiedlungen. Durch sie führte, von der alten Ost-West-Heer- und Handelsstraße (Helweg) abzweigend, einen Weg zum Kirchdorf Jetenburg und weiter in Richtung Scheie. Der erste Abschnitt dieses Kirchweges soll die heutige Trompeterstraße gewesen sein. Die Fortsetzung wurde (und wird) – wegen der darauf über Jahrhunderte hinweg zum Jetenburger Friedhof überführten Verstorbenen – „Totenweg“ genannt. Die meisten heimischen Namensforscher vermuten, dass an der Straße einst ein einzelner oder eine ganze Dynastie „echter“ herrschaftlicher Trompetenbläser beheimatet gewesen ist. Trompeter genossen – genauso wie Paukenschläger – in früherer Zeit als Signalgeber und Repräsentanten fürstlicher Macht hohes Ansehen. Im 16. Jahrhundert sei sogar, alten Überlieferungen zufolge, eine Reichszunft der „Feld- und Hoftrompeter“ aus der Taufe gehoben worden. Und mancherorts sollen Trompeter auch als „Alarmgeber“ bei Feuersbrünsten und feindlichen Überfällen im Einsatz gewesen sein.

Goethe & Co.: Nicht zuletzt wegen Verirrungen beim Benennen von Straßen nach NS-Größen waren nach 1945 unverfängliche Namen angesagt. In die Neubauviertel der fünfziger und sechziger Jahre zogen in großem Stil bekannte und unverdächtige Dichter, Denker und Kunstschaffende ein. Von Dürer über Goethe, Gutenberg und Kleist bis Roentgen ist dort nahezu alles vertreten, was im Bildungsbürgertum Rang und Namen hat. Ein Renner waren auch die verloren geglaubten Orte jenseits von Mauer und Stacheldraht. Von Königsberg bis Breslau ziert eine ganze Palette ostdeutscher Metropolen die Schilderlandschaft in den örtlichen Vorortsiedlungen. Dazu kommt eine ganze Reihe wohlklingender Blumenadressen: Flieder, Nelken und Rosen entfalten – wie überall – auch in Bückeburg eine blühende Schilderlandschaft. gp

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