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Vandalismus rund ums Schloss

Die Nöte der Hofkammer Vandalismus rund ums Schloss

Wenn Dietmar Weh, zuständig bei der Fürstlichen Hofkammer in Bückeburg für die Bereiche Bau und Instandhaltung, den Blick durch „seinen“ Schlosspark schweifen lässt, dann kommen ihm nicht selten die Tränen.

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Immer wieder kommt es zu Vandalismus rund ums Schloss. Jetzt wurde das Tor beschädigt.

Quelle: jp

Bückeburg. Beschädigungen und Vandalismus habe es zwar schon immer gegeben, so Weh, doch gefühlt nähmen die Fälle vorsätzlicher oder auch fahrlässiger Zerstörungen in den letzten Monaten ganz besonders Überhand. Selbst das Schlosstor zeigte sich als jüngstes Beispiel davor nicht gefeit: Das schmiedeeiserne Portal wurde – sehr wahrscheinlich durch die Kollision mit einem Fahrzeug – massiv eingedrückt und verbogen. Geschätzter Schaden für die Hofkammer: über tausend Euro.

Bänke beschmiert und umgeworfen

Neu ist das Thema nicht. Schon seit Jahrzehnten sorgen immer wieder Vandalen im Schlosspark mit blindwütigen Zerstörungsorgien für Ärger, Kopfzerbrechen und immense Kosten. „Da werden Bänke beschmiert und umgeworfen, Lampen zerschlagen oder Teile des Zauns eingetreten“, zählt Diemar Weh auf. Für einen hohen vierstelligen Betrag musste die Hofkammer jüngst erst eine Mauer des Mausoleums von Sprayer-Schmierereien reinigen lassen. Gar nicht zu reden von den ganzen Halden aus Flaschen, Müll und Unrat, die jugendliche Trinker regelmäßig am Kriegerdenkmal hinterlassen und die auf Kosten der Hofkammer entsorgt werden müssen.

2010 war es ganz besonders schlimm, da engagierte die Hofkammer zeitweilig einen privaten Sicherheitsdienst, um die fürstlichen Anlagen zu schützen. Und vier Jahre zuvor diskutierte man im Rat der Stadt Bückeburg allen Ernstes eine Bewerbung beim Niedersächsischen Innenministerium für ein Pilotprojekt zur Einrichtung von Bürgerstreifen, um dem Vandalismus im ganzen Stadtgebiet und insbesondere im Schlosspark Herr zu werden. Es blieb bei dem Vorhaben.

Auch wenn man weiter zurückschaut, stößt man immer wieder auf derartiger Fälle grenzenloser Unvernunft. Schlossverwalter Alexander Perl kann sich daran erinnern, dass bereits vor 30 Jahren im Schlosspark Bäume umgehackt, Müllbehälter angezündet und Bänke in die Schlossgraft geworfen wurden. Und schon aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sind Fälle bekannt, bei denen die Schwefelquelle wiederholt das Opfer von Zerstörungswut wurde.

Wie es jetzt zu der Demolierung des Schlosstores kam, das lässt Dietmar Weh endgültig an der Vernunft der Menschen zweifeln. Sofern der Schaden nicht bewusst und vorsätzlich angerichtet wurde, sei er eigentlich nur so zu erklären, dass jemand auf dem Schlossgelände mit seinem Fahrzeug zurückgesetzt oder gewendet, dabei das Schlosstor gerammt und sich anschließend aus dem Staub gemacht habe.

Offiziell dürfen nur wenige den Bereich befahren

Wohlgemerkt auf der dem Schloss zugewandten Seite habe sich dieses Fahrzeug, wenn es denn eines war, befinden müssen, so der Baubereichsleiter der Fürstlichen Hofkammer. Aber wie ist das denn möglich in einem Bereich, der offiziell nur von ganz wenigen Berechtigten überhaupt befahren werden darf? Die Antwort fällt resignierend aus: „Sie glauben gar nicht, wer da alles hinfährt und sein Fahrzeug abstellt, insbesondere, wenn Wochenmarkt ist.“ Natürlich nur mal eben, und auch wirklich nur ganz, ganz kurz. Und: „Ich bin auch sofort wieder da und fahre das Auto weg.“

Dietmar Weh kann schon nicht mehr zählen, wie oft er solche oder ähnliche Ausreden zu hören bekommen hat. Ein klein wenig fühlt man sich an die massive Beschädigung des Hallentors am Feuerwehrgerätehaus in Bergdorf von vor einem Jahr erinnert, bei dem ja ebenfalls bis heute nicht geklärt ist, von wem und vor allem mit was für einem Objekt das massive Stahltor eingedrückt wurde.

Wurden im Schlosspark nie Verursacher erwischt? Doch, berichtet Dietmar Weh, erst vor wenigen Wochen seien der Polizei drei auf frischer Tat ins Netz gegangen. Junge Erwachsene von über 18 Jahren seien das gewesen, „junge gepflegte Burschen“, denen man derartige Zerstörungen im Normalfall niemals zugetraut hätte, die aber zum Tatzeitpunkt beinahe bis zur Besinnungslosigkeit alkoholisiert gewesen seien. Nach der Ausnüchterung sei das Trio dann ganz kleinlaut bei der Hofkammer erschienen und habe „um Gnade gebettelt“.

Ein wenig Genugtuung sei das schon gewesen, so Dietmar Weh. Wobei ihm die Reaktion der jungen Männer wesentlich besser gefallen hätte, wenn sie von ihnen sofort und freiwillig erfolgt wäre, ohne vorher von der Polizei einkassiert worden zu sein. jp

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