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Verführerischer Blick zurück

70 Jahren Kulturarbeit Verführerischer Blick zurück

Darauf freuen sich die Freunde des Kulturvereins schon sei Langem: Am Sonntag wird offiziell 70. Geburtstag gefeiert – mit Festkonzert und Empfang für Mitglieder und Weggefährten. Und dieser gibt sicher auch Gelegenheit, Erinnerungen auszutauschen: Erinnerungen an unvergessliche Aufführungen, Erinnerungen an (wenige) Flops und Pannen, Erinnerungen an viel Arbeit vor und ganz besonders hinter den Kulissen.

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Margit Schramm, einmal auf einer Autogrammpostkarte, einmal in der Garderobe.

Quelle: Repro: kk

Bückeburg. Und dann sind da noch die Erinnerungen, die in einem ganz besonderen „Schatz“ gespeichert sind – in Programmzetteln und Gästebüchern aus 70 Jahren Kulturarbeit in Bückeburg. Diese alten Gästebücher, die zum Teil inzwischen im Landesarchiv verwahrt werden, sind Verführer: Sie verleiten zum stundenlangen Schmökern, sie spiegeln ein Stück Zeit- und Lokalgeschichte auf amüsante Weise. Unsere Entdeckungsreise beginnt im Jahr 1949, der Blick fällt in eines der ersten Kulturvereinsprogramme. Nach Jahren der Unterdrückung lechzen viele Menschen nach ungefilterten Informationen, aber auch nach Ablenkung vom Elend der ersten Nachkriegsjahre. Der Kulturverein bedient alle Wünsche: Die Operette „Der Bettelstudent“ bietet leichte Unterhaltung, ein Sonaten-Abend anspruchsvolle Musik, Vorträge über Physik und Astronomie folgen dem Bildungsauftrag, und sogar eine Modenschau hat den Weg ins Programm gefunden: Sie soll zeigen „wie konkurrenzfähig in Schönheit und Preiswürdigkeit“ die Bückeburger Geschäfte sind.

 Und auch ein wenig Glitzer und Glamour kommt 1949 mit Willy Birgel nach Bückeburg. Der charmante Grandseigneur zahlreicher Filme steht in „Das letzte Abenteuer“ auf der Bühne. Übrigens auf einer Behelfsbühne, denn den Rathaussaal hatten damals noch die englischen Besatzungstruppen mit Beschlag belegt.

 Große Namen finden sich immer wieder in den Gästebüchern des Kulturvereins. Autogrammpostkartensammler wären begeistert: Hans-Joachim Kulenkampff gibt den General Harras in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“, Peer Augustinski spielt in Ephraim Kishons „Es war die Lerche“, Margit Schramm ist Star eines „Galaabends der Operette“.

Persönliche Note

Viele Künstler haben in den Gästebüchern ihre ganz persönliche Note hinterlassen: hier kleine amüsante Zeichnungen, da großes Lob für Publikum, Saal und Organisation vor Ort. Pianistin Alice Sara Ott illustriert ihr „wunderschönes Erlebnis Bückeburg“ mit einer kleinen Porträtzeichnung, Violoncellistin Susanne Wahnhoff lacht uns in schnell hingeworfenen Kugelschreiberstrichen hinter ihrem Instrument entgegen. Die Stammgäste vom Koeckert-Quartett schreiben ihre Autogramme am liebsten in Notenlinien.

 Wie ein roter Faden ziehen sich Erinnerungen an Veranstaltungen durch die Gästebücher, die das Kulturverein-Programm über Jahrzehnte geprägt haben. Da sind die mit Bückeburger Kindern produzierten Märchenspiele und ihre Nachfolger – da haben sich schon mal 50 „Zwerge“ mit Buntstiften im Buch verewigt. Oder die Weihnachtskonzerte der Bückeburger Jäger: zunächst als „Historisches Militärkonzert“ unter Obermusikmeister a.D. Wilfried Majowski, dann über Jahrzehnte hinweg mit Georg Wolffs Profiorchester.

Kreative Reime

 Wer bei Freunden schon mal ein Gästebuch zugeschoben bekommen hat, kennt das Problem: Was soll ich nur schreiben? Das scheinen sich auch viele Künstler gefragt zu haben, von denen „nur“ der Namenszug erhalten geblieben ist. Doch Andere waren da schon kreativer und machten sich ans Reimen. Einige amüsante Kostproben gefällig? „Wir kommen gern von Detmold her, das Publikum erfreut uns sehr, und selten bleiben Stühle leer ...“ oder „Und wieder kommen wir gerne, aus Lippe-Detmolds Ferne“. Das ist nicht schwer zu erraten, oder? Natürlich haben sich hier Schauspieler und Sänger vom Landestheater Detmold verewigt, einer Bühne, die dem Kulturverein seit vielen Jahrzehnten treu verbunden ist. Und noch ein wenig poetischer das „Wiener Werkel – Österreichs Kabarett der guten Laune“: „Es ist sehr leicht, auf die Stadt Minden, im Deutschen, einen Reim zu finden. Jedoch wenn ich mich auch erwürg, ich find kein Reim auf Bückebürg.“ kk

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