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Verschwiegen, aber kein Geheimbund

Freimaurer Verschwiegen, aber kein Geheimbund

Düstere Komplotte, finstere Pläne, weltumspannende Netzwerke und okkulte Rituale – über kaum eine Vereinigung kursieren in Büchern, Filmen und vor allem im Internet derart viele Mutmaßungen, Gerüchte und Halbwahrheiten wie über die Freimaurer – sagen die Freimaurer.

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Bernd Menke und Edzard Bakker im Bückeburger Schloss vor einem Banner mit Albrecht Wolfgang Graf zu Schaumburg-Lippe.

Quelle: jp

Bückeburg. So rollt Bernd Menke darauf angesprochen nur leicht genervt die Augen.

Die Geschichten kennt Menke alle, angefangen von der Weltverschwörung, die die Freimaurer hinter den Kulissen schmieden, bis zu Dan Brown oder der angeblichen Abstammung der Freimaurer von den Tempelrittern.

Menke weiß es besser, sagt er. Der pensionierte Lehrer aus Pattensen ist Freimaurer, und das in einem recht hohen Rang: Der 67-Jährige bekleidet das Amt des „Meisters vom Stuhl“ (quasi eines Vorsitzenden) in der Loge „Wilhelm zur deutschen Treue“, einer der ältesten Freimaurer-Logen von Hannover. Zusammen mit Edzard Bakker, Altstuhlmeister der ebenfalls in Hannover beheimateten Loge „Licht und Wahrheit“, gehörte er zu einer Gruppe von rund 140 Freimaurern, die jüngst auf Schloss Bückeburg ein umfangreiches Besuchsprogramm absolvierten.

Und das zu Ehren eines prominenten Mitglieds der Fürstenfamilie: Albrecht Wolfgang Graf zu Schaumburg-Lippe (1699 bis 1748), seit 1728 Landesherr der Grafschaft und Vater des berühmten Wilhelm, war nicht nur der erste deutsche Freimaurer, er trug auch maßgeblich dazu bei, dass der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich II. dem Freimaurerbund beitrat. Außerdem kann er als Schlüsselfigur für das Freimaurertum in Deutschland angesehen werden.

Bernd Menke, der während seines Referendariats in den sechziger Jahren auch das Gymnasium Adolfinum kennenlernte und dabei in der Klasse 9c auf einen Schüler namens Alexander zu Schaumburg-Lippe traf, kommt beim Erzählen über dessen Vorfahren ins Schwärmen.

Er schildert, wie der gerade mal 24-jährige Albrecht Wolfgang anno 1723 in London als erster Deutscher in die Loge „Hummer and Grapes“ aufgenommen wurde, und wie es 15 Jahre später zu jenem denkwürdigen Treffen mit der Hohenzollerschen Königsfamilie in Minden kam.

Friedrich den Großen als Freimaurer gewonnen

Als sich der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. – hinlänglich bekannt als aufbrausender Choleriker – abfällig über das Freimaurertum äußerte, besaß der Schaumburg-Lipper die Chuzpe, ihm öffentlich zu widersprechen und sich als Freimaurer zu „outen“. Kronprinz Friedrich war davon so beeindruckt, dass er Albrecht Wolfgang in einem vom tyrannischen Vater unbemerkten Moment bat, ihn zum Eintritt in die Freimaurerei zu verhelfen – der Rest ist Freimaurer-Geschichte.

Was ist mit der Heimlichtuerei, die den Freimaurern nachgesagt wird? „Wir sind verschwiegen, aber kein Geheimbund“, wird Menke nicht müde zu betonen. Die heute nach wie vor so heftig kritisierte Geheimniskrämerei – sie selbst nennen es Diskretion – sei nicht die Ursache für Verschwörungstheorien und Anfeindungen, sondern die Reaktion darauf.

Das war nicht immer so: Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt das Freimaurertum als gesellschaftlich hoch angesehen. Freimaurer rekrutierten sich aus den höchsten Gesellschaftsschichten und insbesondere dem Adel, betrieben Schulen und Krankenhäuser und sahen sich geistig als die Vorreiter von Aufklärung und Vernunft. Johann Wolfgang von Goethe war ebenso Freimaurer wie Friedrich Schiller, Gotthold Ephraim Lessing oder Benjamin Franklin, und Wolfgang Amadeus Mozart schrieb bekanntermaßen mit der „Zauberflöte“ eine komplette Freimaurer-Oper.

Erst als die Freimaurer eben aufgrund ihres Anspruchs auf freiheitliches Handeln und Denken mit totalitären Regimen in Widerspruch gerieten, wurden sie zur Verschwiegenheit, teilweise zum Gang in den Untergrund gezwungen. Gespannt ist bis heute das Verhältnis zur katholischen Kirche. Noch 1983 stellte der damalige Kardinal Josef Ratzinger und spätere Papst Benedikt XVI fest, Freimaurer befänden sich ständig im Zustand der „schweren Sünde“.

Ein wenig haben sie es daher immer noch mit der Geheimniskrämerei. So ist nach wie vor ein Großteil ihrer Veranstaltungen – wie jetzt das Besuchsprogramm auf Schloss Bückeburg – ausschließlich Mitgliedern vorbehalten. Sich offen zu ihrer Mitgliedschaft bei den Freimaurern zu bekennen, das kommt nach wie vor für die meisten von ihnen nicht in Frage, „um nicht berufliche Nachteile zu befürchten“, wie Menke erläutert. So sei ein Logenbruder aus Hannover Mitarbeiter in einer kirchlichen Behörde. „Der muss daher besonders vorsichtig sein.“ jp

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