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Bückeburg Stadt Versuchte Erpressung von Alexander zu Schaumburg-Lippe
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Versuchte Erpressung von Alexander zu Schaumburg-Lippe
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00:26 12.07.2015
Der Chef des Hauses Schaumburg-Lippe musste Mittwoch als Zeuge in eigener Sache aussagen. Quelle: pr.
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Paderborn/Bückeburg (upf)

Der Chef des Hauses Schaumburg-Lippe musste Mittwoch als Zeuge in eigener Sache aussagen. Erpresst haben sollte ihn eine 36-Jährige mit dem Verkauf eines Handys, auf dem angeblich SMS mit „brisanten Inhalten“ über ihn gespeichert sind (wir berichteten).

Die einst als „Burgfräulein“ durch die Regenbogenpresse gegangene Dame will ein Verhältnis mit dem 56-Jährigen gehabt haben. Der Bückeburger bestritt dies gegenüber der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Paderborn nicht gänzlich. Im Juni 2004 seien er und die Angeklagte intim geworden – nur ein einziges Mal, wie zu Schaumburg-Lippe betonte. Denn die Frau habe ihn danach mit einer Flut von SMS bombardiert. Der nachdrücklichen Aufforderung, ihn in Ruhe zu lassen, sei sie nicht nachgekommen. Er habe große Mühe gehabt, sie auf Distanz zu halten.

Eine gute Stunde lang musste zu Schaumburg-Lippe im Zeugenstand Fragen beantworten. Die Angeklagte bezeichnete er als „begabte Hochstaplerin“, die sich seines Wissens nach wohlhabenden Männern an den Hals werfe, um davon finanziell zu profitieren. In seinem Fall war es wohl zunächst der Kontakt zur Boulevardpresse, mit dem das „Burgfräulein“ sich den Ruf einer Societydame habe verschaffen wollen.

Allerdings, so räumte der 56-Jährige ein, habe es ein paar Jahre nach „dem Vorfall“ doch noch einmal Kontakt – „nicht physisch“ – mit der 36-Jährigen gegeben. Erneut habe er damals schlechte Erfahrungen gemacht. „Die größte Lügnerin, der ich je begegnet bin“, sagte der Zeuge.

„Allein die Tatsache, dass ich mit dieser Frau verkehrt habe, ist in hohem Maße ehrenrührig“, sagte zu Schaumburg-Lippe über die 36-Jährige. Anschließend ging es im Hin und Her mit den Verteidigern und dem Mitangeklagten (46) um die Frage, ob ihm das besagte Handy nun unentgeltlich angeboten worden sei oder er es nur falsch verstanden habe, dafür bezahlen zu sollen, um in dessen Besitz zu gelangen. Nach seiner Aussage verließ Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe sofort den Gerichtssaal, bekam den späteren Urteilsspruch nicht mehr mit.

Das ehemalige „Burgfräulein“ musste hingegen noch ein paar Stündchen auf der Anklagebank warten, bis es schließlich – verurteilt – ebenfalls den Saal verlassen kann. Denn die Strafkammer will ihr nicht glauben, dass sie Alexander zu Schaumburg-Lippe das Handy habe schenken wollen, um eine Jahre währende persönliche Fehde versöhnlich zu beenden.

Gegen ihren Mittäter wurde eine Bewährungsstrafe von neun Monaten verhängt. Ganz in der Versenkung darf die 36-Jährige nicht verschwinden: Sie muss einen festen Wohnsitz vorweisen. Da sie seit Jahren einen solchen nicht hatte, hatte sie die vergangenen sechs Monate in Untersuchungshaft gesessen, nachdem sie zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten vom Bielefelder Staatsschutz festgenommen worden war – wegen mutmaßlicher rechtsradikaler Aktivitäten im Dunstkreis der sogenannten „Reichsbürger“-Bewegung.

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