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Vielleicht das einzige Dokument

Berühmter Schatz Vielleicht das einzige Dokument

 Dass ein Teil des Hohenzollern-Schatzes gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in der Kleinenbremer Kirche Unterschlupf fand, steht in Geschichtsschreiberkreisen außer Frage. Auch viele Details der Aktion gelten als belegt. Ungeklärt sind bislang die Umstände, wie der Schatz im April 1946 der britischen Besatzungsmacht in die Hände fiel. An dieser Stelle versprechen jüngst veröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen von Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe Einblicke.

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Der Tagebuchverfasser Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe und dessen Braut Erika Gräfin zu Hardenberg am 10. Juni 1933 auf dem im Taunus gelegenen Schloss Sophienreuth.

Quelle: bus

Bückeburg/Kleinenbremen. Für den Transport des Schatzes, zu dem die Krone von Wilhelm II. zählte, ins westfälische Kleinenbremen zeichnete im Februar 1945 Kurt Freiherr von Plettenberg verantwortlich. Der Forstmann und Offizier verwaltete seit 1937 als Hofkammerpräsident das Vermögen des Hauses Schaumburg-Lippe.

 Der Freiherr sei von allen, die ihn kannten, geachtet worden, notierte die Mitherausgeberin der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, Marion Gräfin von Dönhoff, in ihren Erinnerungen. Jeder hätte ihn wegen seiner absoluten Verlässlichkeit, Unbestechlichkeit und Verschwiegenheit geschätzt. Ende 1941 hatte von Plettenberg zusätzlich die Leitung der Generalverwaltung des preußischen Königshauses übernommen.

 Der Freiherr soll laut seines Sohnes Karl-Wilhelm „einen kleinen Vermerk, in dem nur stand, dass er beide Kästen an einem sicheren Ort eingemauert habe“, verfasst haben. Andere Quellen sprechen von einem Zettel mit Aufschrift „Kleinenbremen/eingemauert“. Wieder andere berichten über eine „Aktennotiz“ mit den Worten „Kirche zu Kleinenbremen“ und „vermauert“. Der „Spiegel“ vermerkte, dass britische Offiziere „bei der schaumburg-lippischen Vermögensverwaltung einen auf Plettenberg‘sche Andeutungen beruhenden schriftlichen Hinweis“ fanden.

 „Als die Engländer nach Bückeburg kamen …, erfuhr der Capt. Barkey vom Stabe des Chief Marshalls Cunningham durch Dr. Schwertfeger, dass er die Liste mit den Aufzeichnungen über die Verstecke der Wertgegenstände des fürstlichen Hauses (es waren alleine 36 große Kisten mit Silber dabei; das Silber war auf die Förstereien verteilt) in der Kirche in Kleinenbremen eingemauert hatte; bei dieser Liste befand sich auch eine zweite mit der Aufstellung über den Verbleib der preußischen Wertsachen“, heißt es hingegen in den Aufzeichnungen von Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe.

 Und weiter: „Was Dr. Schwertfeger zur Preisgabe des Geheimnisses veranlasst hat, soll dahingestellt bleiben, auf alle Fälle ist sein Name mit dem Raube für immer verknüpft. Ein Engländer sagte mir, wenn die Deutschen wüssten, was Schwertfeger gemacht hat, dann würden sie ihn totschießen.“ Überdies hält der Tagebuchautor fest: „Auf alle Fälle ist diese heute am 11.1.46 abends mir gegenüber ohne näheren Commentar gemachte Bemerkung wert, hier festgehalten zu werden, zumal sie von einer bestens orientierten Persönlichkeit stammt.“

  Presseveröffentlichungenwaren unerwünscht

 Prinz Oskar von Preußen, ist zu lesen, war persönlich ins Schaumburg-Lippische gereist, um bei der Übergabe in der Kirche dabei zu sein. „Ein für ihn niederschmetternder Moment“, meint der Autor. Der Prinz habe darum gebeten, vom Fotografieren der Krone und der Veröffentlichung des Geschehens in der Presse abzusehen.

 Indes: „Es half nichts. Die englischen u. amerikanischen Pressephotographen bemächtigten sich in Minden des Raubes, und nun geht das Schicksal seinen Gang. Selbstverständlich war nach Par. 52 der Militärregierung das Ganze anmeldepflichtig (meines Wissens hat Chief Marshall Cunningham am Anfang gesagt, sie hätten kein Interesse an den preußischen Werten. Das ist aber nicht ganz zuverlässig). Aber es war eben von Anfang an die Pflicht eines ehrliebenden Deutschen, auch auf die Gefahr hin, eingesperrt zu werden, dicht zu halten.“

 Der Verfasser erinnert daran, dass „der Engländer“ den Verrat im Allgemeinen begrüße, den Verräter aber verachte. Und er bezeichnet den Vorgang als „trauriges Kapitel, das hiermit für die Nachwelt erhalten bleiben soll. Vielleicht als einziges Dokument“.

 Mit „Dr. Schwertfeger“ meint der Autor den Juristen und Politiker Wolrad Schwertfeger, der nach Plettenbergs Freitod im März 1945 dessen Aufgaben in Bückeburg übernommen hatte und bis 1969 Leiter der Hofkammer war.

 Das Verhältnis zwischen dem Tagebuchschreiber und Schwertfeger darf als gespannt bezeichnet werden. „Schwertfeger setzt meiner Einsicht in die Hofkammer geschickt immer neue Schwierigkeiten entgegen“, schreibt Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe am 13. Oktober 1945. „Seine Stellung ist aber sehr gefährdet. Alle mögen ihn nicht. Und versuchen, ihn zu Fall zu bringen. Er kämpft wohl um seine Existenz.“

 In der Familie läuft nicht alles nach Heinrichs Vorstellungen

 Auch innerhalb der Familie lief nicht alles nach Heinrichs Vorstellungen. Seine Bemühungen, seinen seit 1936 als Familienoberhaupt fungierenden Bruder Wolrad abzulösen, waren erfolglos. Zu dieser Causa hält das Tagebuch ebenfalls am 13. Oktober 1945 fest: „Die beste Lösung wäre, wenn die Engländer mir das Ganze übertrügen, aber ich glaube kaum, dass sie dazu zu bewegen sind. Das Ganze ist sehr traurig. Es kam also genau, wie ich es vor dem Zusammenbruch vorher gesagt hatte. Leider, leider.“

 

 Heinrich Konstantin Friedrich Ernst Prinz zu Schaumburg-Lippe wurde am 25. September 1894 als sechstes Kind des Fürsten Georg und dessen Frau Marie Anna in Bückeburg geboren. Er lebte in der Nachkriegszeit als Privatier auf dem Schloss, war mit Erika Gräfin von Hardenberg liiert. Aus dieser Verbindung ging 1934 die Tochter Dagmar hervor, die 1956 Christoph Kalau vom Hofe heiratete. Dieser Ehe entspross der Herausgeber des Tagebuchs, Alexander vom Hofe.

 Das Buch: „Wiedergutmachung muss sein …“, Tagebuch 1938/1945-1947 Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe, Herausgeber Alexander vom Hofe, Bearbeitung Werner Lehfeldt, Matrix-Media Göttingen, 264 Seiten, viele Fotos, gebunden HC, ISBN 978-3-932313-90-5, 24,90 Euro.

Von Herbert Busch

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