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Vom Hummenort nach Jetenburg

Bückeburg Vom Hummenort nach Jetenburg

Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals ist die Frage aufgetaucht, ob das heute unter der Adresse Jetenburgerstraße 9 zu findende Anwesen dort auch seinen ursprünglichen Standort hatte.

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„Es ist nicht rosig“

Das während des Denkmaltages geöffnete Haus Jetenburgerstraße 9 hat früher am Hummenort gestanden.

Quelle: bus

Bückeburg. „Die historischen Hintergründe des Hauses bedürfen noch einiger Erforschung“, hatte Ralf Kolkhorst gemeint, der das Gebäude seit vier Jahren gemeinsam mit Ehefrau Anja Wehrmuth und Tochter Josefin bewohnt. Der neue Eigentümer mochte nicht ausschließen, dass das Zuhause der Familie früher an einem Ort gestanden habe. „Womöglich wurde es hierher transloziert“, mutmaßte Kolkhorst.

Jetzt hat Roswitha Sommer, die über Bückeburger Haushistorien Bescheid weiß wie kaum ein anderer, nachvollzogen, dass die Vermutung hinsichtlich der Versetzung einen realistischen Hintergrund besitzt. Die ganze Geschichte beginnt mit dem Bau der Bahnhofstraße. Als diese, wie Sommer schreibt, ohne Rücksicht auf die naturräumlichen und siedlungsstrukturellen Gegebenheiten gradlinig vom Schlosstor bis zum Bahnhofsgebäude geführt wurde, zerschnitt sie die Anhöhe, auf der einst die hohe Windmühle stand. Das von dem Windmühlenberg abgetragene Material fand bei der Nivellierung des Straßenterrains und auch zur Auffüllung von Wall-, Garten- und Sackstraße Verwendung.

Die Pläne des Bauinspektors Funk sahen im November 1845 noch eine unterschiedliche Gestaltung der Renommierstraße vor, und zwar eine Straßenbreite von 72 Fuß für den Abschnitt vom Marktplatz bis zum Pulverweg und von nur 43 Fuß von dort bis zum Bahnhof. Das konnte dem Repräsentationswillen des Fürsten nicht entsprechen. Also führte schließlich eine gleichbreite Trasse vom Schlosstor durch Gärten und Wiesen des Freihofes und über fünf Hausgrundstücke im Hummenort.

Diese Häuser mussten der Bahnhofstraße weichen. Es ging um die bürgerlichen Häuser 180B der Wilhelmine Rügge, Ehefrau des Zimmermanns Kuhlmann, 180BB des Bürgers Carl Heinrich Wegwerth, der mit Sophie Praesent verheiratet war, 180C der Witwe Marlene Krentler, geborene Lahmann, 180D der Witwe Johanne Christiane Henriette Schwarze, geborene Holste, und 180E des Tagelöhners Carl Heinrich Braukmann.

Den Eigentümern sollte so viel Geld geboten werden, wie für das Umsetzen der Häuser erforderlich war. Falls sie damit nicht einverstanden waren, sollte die Eisenbahnkommission die Kosten für die Versetzung tragen. Die Eigentümer forderten zumeist 1800 bis 2000 Taler, die Taxierung aber lag rund 30 Prozent darunter. So zogen sich die Verhandlungen von Mitte 1846 bis Ende 1847 hin.

In einem ersten Schritt musste die Sackstraße an die Bahnhofstraße angebunden werden, um die Erreichbarkeit des Bahnhofes von der Brau-, Trompeter- und Neuen Straße zu gewährleisten. Hierfür und für zwei vom Hummenort in die Sackstraße zu versetzende Häuser kaufte die Fürstliche Eisenbahn-Kommission von Georg Prätorius Garten- und Wiesenland.

Kanzlist F. Lohrenson, der das Grundstück Sackstraße 4 besaß, nutzte die Gunst der Stunde und sicherte sich einen Streifen der Prätorius’schen Wiese als Durchgang zwischen seinem Wohnhaus und den beiden Bauplätzen für die Häuser 180D und 180E. Georg Prätorius wollte auch für die Häuser 180B und 180BB einen Bauplatz verkaufen, aber die Eisenbahnkommission ging auf seine hohen Forderungen nicht ein.

Bei Haus 180BB handelt es sich um das heute an der Jetenburgerstraße 9 stehende Gebäude. Der in Meinsen geborene Wegwerth hatte es 1828 samt Pferdestall und Gartenteil für 500 Taler gekauft. Die Kommission pries das Anwesen zunächst für 630 Taler an; Baukondukteur C. W. Hase aus Wunstorf schätzte es auf 1456 Taler, Baumeister Menny aus Hannover sogar auf 1579 Taler. Schließlich legte die Fürstliche Kommission am 14. Januar 1848 1557 Taler, acht Mariengroschen und 3,33 Pfennige auf den Tisch des Hauses.

Die Häuser 180E und 180D stehen seit dem Umzug in der Sackstraße unter den Hausnummern 2 und 3. 180B reiste wie 180BB in die Jetenburgerstraße (heute Hausnummer 7), 180C schaffte es nicht ganz so weit und blieb in der Pulverstraße hängen. bus

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