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Vom Mann, der zum Insekt wird

Bückeburg / Kafka Vom Mann, der zum Insekt wird

Vor fast genau 100 Jahren schrieb Franz Kafka in einem Brief an Felice Bauer: „Der Held meiner kleinen Geschichte ist vor einer Weile gestorben." Was wie ein Hinweis auf einen menschlichen Protagonisten wirkt, ist nicht so leicht einzuordnen, ist jener Held der Erzählung namens Gregor Samsa doch eines Morgens als Ungeziefer erwacht und fortan bis zu seinem tragischen Tod Tier geblieben, allerdings ein zutiefst menschlich Empfindendes. Der Text gehört zur Pflichtlektüre für das Zentralabitur 2014 im Fach Deutsch in Niedersachsen.

Bückeburg. Das „Theater für Niedersachsen“ aus Hildesheim bringt den Stoff nun als szenische Lesung auf die Bühne. Die Premiere findet am Freitag, 11. Januar, in Bückeburg im Rathaussaal statt, die letzten Proben der Hildesheimer stehen noch an. In einem Interview hat Regisseur Martin Süß seine Sicht der Dinge entfaltet: „Es ist eine von der Zeit losgelöste Erzählung, sowohl inhaltlich als auch schriftstellerisch, die sich einer eindeutigen Interpretation bewusst entzieht und dadurch einen unglaublichen Sog entwickelt.“

 Kafka selbst sah sich indessen noch zu Lebzeiten mit Deutungsfragen konfrontiert. So schrieb ihm ein Leser aus Berlin, er habe das kleine Werk verschenkt, aber niemand in der ganzen Familie könne sagen, was man sich „bei der Verwandlung zu denken hat“, er auch nicht, obgleich promoviert. Eine Antwort des Autors ist nicht überliefert. Wohl aber weiß man, dass er den Text in einem anderen Brief an die verehrte Felice „eine ausnehmend ekelhafte Geschichte“ nennt, vermutlich mit einem Augenzwinkern notiert.

 Regisseur Süß setzt ganz auf das Vorstellungsvermögen der Gäste: „Die Herausforderung besteht darin, das Geheimnis zu wahren, um die Phantasie des Zuschauers zu stimulieren, sie aber nie zu befriedigen.“ Man ist also nicht etwa mittels Bühnenbild bei jener Familie Samasa zu Gast, am Bett des Handelsvertreters sozusagen in seiner Kammer.

 Kein Gezeter unter Erwachsenen, kein fassungsloses Personal, kein geschäftiger Prokurist. Aber erzählte Tötungsabsichten. Man hat den Urtext, die rezitatorische Gestaltung durch Schauspieler Jens Koch, vermutlich mit wenigen, aber effektvoll eingesetzten Mitteln des Einzelkörpers, und ein bewusst und gezielt reduziertes Bühnenbild (Veronika Mund).

 Die Premiere findet am Freitag, 11. Januar, um 19 Uhr statt. Karten gibt es in der Tourist-Information am Marktplatz und an der Abendkasse, für Schüler und Studenten reduziert.

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