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Vom Mittelaltermarkt bis in die Charts

Bückeburg / „Saltatio Mortis“ Vom Mittelaltermarkt bis in die Charts

Ihre Musiker nennen sich El Silbador, Jean Mechant der Tambour und Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein, sie vereinen wie nur wenige andere Bands das Mittelalter mit moderner Rockmusik und haben es damit bis ganz oben in die Charts gebracht: die Spielleute von „Saltatio Mortis“.

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„Saltatio Mortis“ reißen beim „Spectaculum“ die Massen mit.

Quelle: jp

Bückeburg. Vor zehn Jahren traten sie das erste Mal beim „Spectaculum“ in Bückeburg auf, seitdem begeistern sie die Massen.

 Ein Jahrzehnt, das nicht nur eine ungewöhnliche Karriere im Mittelalter-Rock überspannt, sondern nebenbei auch eine Dekade ihres trommelnden Frontmanns Timo, der in den Medien nur mit seinem Künstlernamen „Lasterbalk der Lästerliche“ genannt werden möchte: Beging er anno 2002 auf der Bückeburger „Spectaculums“-Bühne seinen 30. Geburtstag, so jubelten ihm die Fans in diesem Jahr zur Vollendung seines vierten Lebensjahrzehnts zu.

 Wie andere große Bands des Genres entstammen „Saltatio Mortis“ der Mittelalter-Markt-Szene. Anno 2000 gegründet, spielten sie zunächst als loser Haufen Straßenmusiker auf diversen Märkten. Den Künstlernamen „Lasterbalk der Lästerliche“ trug Trommler Timo schon damals. Er ist ebenso historisch wie Programm: „Es gab im Mittelalter tatsächlich einen Spielmann namens Lasterbalk, der in zahlreichen Stadtchroniken genannt wird“, erläutert der studierte Betriebswirt und Psychologe. „Er trug zwar nicht den Beinamen der Lästerliche, wurde aber zahlreicher Städte wegen Trunksucht, Spielsucht, Vielweiberei und Reden gegen die Obrigkeit verwiesen.“

 Als feste Band war „Saltatio Mortis“ – zu Deutsch: Totentanz – ursprünglich nie geplant. „Aber wir hatten auf einmal so viele Auftritte, dass wir da so reingerutscht sind.“ 2001 stellten sie sich beim „Spectaculum“ in Dortmund erstmals dessen Veranstalter Gisbert Hiller vor, und dem gefielen die dudelsackspielenden Mannen so gut, dass er sie vom Fleck weg engagierte. Bereits 2001 erschien mit „Tavernakel“ (eine sehr hübsche Verballhornung des kirchlichen Begriffs Tabernakel) ihr erstes Album mit reiner mittelalterlicher Marktmusik. 2002 experimentierten sie auf „Das Zweite Gesicht“ mit Synthesizern und Gitarren und erhielten ihren ersten Major-Plattenvertrag. Es folgten 2003 „Heptessenz“, 2004 „Erwachen“ und 2005 „Des Königs Henker“, mit dem sie erstmals Chartplatzierungen errangen.

 Doch mit dem Erfolg traten auch die Umbrüche in der Band ein. Uneins über die zukünftige musikalische Richtung verließen 2006 bis auf Trommler Lasterbalk, Schalmeienspieler Falk und Sänger Alea alle Musiker die Band, um eigene Wege zu gehen. Es war der gleiche Zeitpunkt, an dem auch das „Spectaculum“ nach der Trennung von Johannes Faget und seinem „Tross der Fogelvreyen“ an der Wegscheide zwischen traditioneller Historienveranstaltung und großem Festival stand und sich für das letztlich erfolgreiche Konzept „Phantastisch, nicht authentisch“ entschied. Ein Weg, den auch „Saltatio Mortis“ einschlugen: Von den Fans bereits totgesagt, scharte das verbliebene Trio neue Musiker um sich und meldete sich 2007 mit dem vielsagenden Album „Aus der Asche“ zurück.

 Von da an führte der Weg steil bergauf: 2008 spielten sie auf dem Rockfestival in Wacken, 2009 erreichten sie mit dem Album „Wer Wind säht“ erstmals eine Top-Ten-Platzierung in den Album-Charts. Zum Meilenstein wurde 2010 ihr Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bandbestehen in der historischen Stadthalle Wuppertal. 2011 stieg ihr Album „Sturm aufs Paradies“ auf Platz drei der Charts ein. „Wir haben unseren Weg zwischen Mittelalter und modernem Rock gefunden“, begründet Trommler Lasterbalk diesen Erfolg. Ein Weg, auf dem sie nahezu alle Lieder selbst komponieren und texten und nur noch selten auf echtes mittelalterliches Liedgut zurückgreifen.

 Trotz ihres Erfolgs, der sie mittlerweile auf größte Open-Air-Festivals führte, sind „Saltatio Mortis“ den Mittelalterveranstaltungen treu geblieben: „Wir kommen eben aus dieser Szene und wollen ihr verbunden bleiben.“ Dabei steht ihnen nicht selten der eigene Erfolg im Weg: „Viele Veranstalter kleinerer Märkte empfinden uns inzwischen als zu groß, was wir sehr schade finden.“

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