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Vom Spinnen und Schmieden

Vorführungen bei der "Ährensache" Vom Spinnen und Schmieden

Historische Handwerkskunst und althergebrachtes handwerkliches Können, sie bilden außer den Themen Gartenbau, Landwirtschaft und Tiere einen der Hauptschwerpunkte bei der Schaumburger Landmesse „Ährensache“.

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Wolfgang Ehrich vom Verein für Heimatpflege Exten beim Schmieden einer Torangel.

Quelle: jp

Bückeburg. Und tatsächlich fühlt man sich nicht nur in alte Zeiten, sondern ein bisschen auch in früheste Kindertage versetzt, als man von den Eltern Märchen vorgelesen bekam, wenn man Claudia Brenker beim Spinnen von Wolle an ihrem Spinnrad beobachtet. Spielen doch in so bekannten Märchen wie „Rumpelstilzchen“ und „Dornröschen“ Spinnräder stets eine zentrale Rolle. Von der Rohwolle bis zum fertigen, gefärbten Garn, diesen Werdegang kann man bei Brenker begleiten. Zum zweiten Mal nimmt die 51-Jährige aus dem Extertal an der „Ährensache“ teil. Dass das Spinnen jetzt auf einmal wieder so enorm angesagt ist, das verdankt diese Kunst vor allem der Mittelalterszene. Das Rohmaterial erhält die Extertalerin direkt so, wie es vom Schaf geschoren wird. Die erste Reinigung erfolgt über ein mehrtägiges Einweichen in Regenwasser, anschließend wird die Rohwolle getrocknet, gekämmt und versponnen. Nach dem Verzwirnen und Abhaspeln des Garns folgt noch ein Entspannungsbad, damit sich die Wolle nach dem ersten Waschen des damit gestrickten Kleidungsstücks nicht zu sehr zusammenzieht.

 Spinnen hat für Brenker auch etwas Meditatives: „Man kommt zur Ruhe, und so, wie man dem Durcheinander der Wolle die gerade Form des Garns gibt, bringt man auch den Wirrwarr der eigenen Gedanken auf den Punkt.“ Die umgangssprachliche Bedeutung des Wortes „spinnen“ im Sinne von „nicht ganz bei Verstand sein“ sei daher falsch: „Ursprünglich bedeutete es genau das Gegenteil, wenn man das über eine Frau sagte.“ Auch was es in Wahrheit mit dem „Stroh zu Gold spinnen“ auf sich hat, weiß Brenker: „Damit war ursprünglich das Verspinnen von Flachs gemeint, weil das erzeugte Garn früher sehr viel Geld kostete und so wertvoll wie Gold war.“

 Heiße Handwerkskunst gibt es bei den Schmieden der Historischen Schlosserei Bornemann aus Obernkirchen und dem Industriedenkmal „Unterer Eisenhammer“ aus Exten zu bewundern. Wolfgang Ehrich, beim Verein für Heimatpflege Exten zuständig für die Schmiede, zeigt, wie früher in Exten geschmiedet wurde: „Dabei war der Untere Eisenhammer nie eine Dorfschmiede, sondern immer schon ein Industriebetrieb.“ Diesmal zeigte er die Herstellung von Torangeln. Am meisten genießt er, wenn die leuchtenden Augen zahlloser Kinder ihn bei der Arbeit verfolgen. Und die bringen ihn bisweilen auf extravagante Ideen: „Kannst du nicht einen Tiger schmieden?“, fragte ihn in diesem Jahr ein Erstklässler. Ein Tiger wurde es dann zwar nicht, aber dafür eine Schnecke, die vermutlich in Zukunft einen Klassenraum zieren wird. jp

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