Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Bückeburg Stadt Von der Vergangenheit eingeholt
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Von der Vergangenheit eingeholt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:30 06.06.2014
Edgar Selge. Quelle: tol

Bückeburg. Sein Großonkel war der Bürgermeister Karl Wiehe, der während der Nazizeit abgesetzt wurde, weil seine Frau bei einem Juden eingekauft hatte. Selges Mutter wurde 1945 mit seinen drei Brüdern aus Königsberg vertrieben und kam nach Bückeburg. 1948 wurde Edgar Selge hier geboren, „Und in der Stadtkirche getauft.“

Mit Bückeburg verbinden ihn tragische Ereignisse. Zwei seiner Brüder hatten im Palaisgarten eine Handgranate gefunden. Als sie die Granate am Haus Parkstraße 2 öffneten, explodierte sie. Ein Bruder starb, der andere wurde schwer verletzt. 1949 zog seine Familie nach Herford, der Vater wurde dort Gefängnisdirektor.

Noch heute hat Edgar Selge Beziehungen zu Bückeburg. Seine Großcousine Marie-Luise Spickschen-Sievers lebt hier. Vor zehn Jahren war er mit seinem Bruder zu Besuch, der Erinnerungen aufgefrischt hat. „An die Stadtkirche erinnere ich mich noch dunkel.“ An mehr nicht: „Ich war damals noch sehr jung.“

Auch in „Bach in Brazil“ hat ihn seine Vergangenheit eingeholt. Spielt er doch, der, der Piano in Detmold studiert hat, in der Hauptrolle einen Musiklehrer aus Bückeburg. Er erhält die Nachricht, dass ihn sein in Brasilien verstorbener Jugendfreund ein Original-Notenblatt von Johann Sebastian Bach hinterlassen hat. Nur: Er muss seine Erbschaft persönlich antreten. Fliegt hin und muss den Kindern einer Anstalt Musikunterricht geben. „Gleich ein zweifacher Bezug zu meinem Leben.“ Und freut sich: „Die richtigen Rollen kommen zu einem.“

Bisher hat der Schauspieler wenig Zeit gefunden, sich in Bückeburg umzuschauen. Das Bergbad und der Ruheforst im Harrl haben ihn beeindruckt: Aufgefallen ist ihm auch der Umgang der Stadt mit ihrer Zeitgeschichte. „Ich bin über die Stolpersteine gestolpert. So etwas interessiert mich.“ Und: „Die Stadt macht das sehr gut hier. Alle sind uns gegenüber freundlich und offen.“ rc