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Bückeburg Stadt Wahre Glücksmomente
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09:05 22.06.2018
Quelle: hil
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Bückeburg

Alle drei Wochen macht sich eine kleine Gruppe Drittklässler aus der nahen Bückeburger Grundschule zu Fuß auf den Weg, um sich mit den Senioren zu treffen und mit ihnen gemeinsame Zeit zu erleben.

Damit die Aktion „Generationsbrücke“ überhaupt beginnen konnte, musste einiges an Vorarbeit geleistet werden. Wichtig dabei war, dass sich beide Seiten, also die alten Menschen wie auch die Kinder, freiwillig zu der Teilnahme entschieden, denn unter Druck kann so ein Projekt nicht funktionieren. So wurden im vergangenen Winter im Kurt-Partzsch-Haus die Bewohner gefragt, wer Besuch haben wollte. Ebenso wurde mit den Schülern des dritten Jahrgangs der Grundschule Im Petzer Feld gesprochen, ob sie sich vorstellen könnten, an diesem Projekt teilzunehmen. Danach musste noch die Genehmigung der Erziehungsberechtigten eingeholt werden – und dann ging es los.

Bei kleinen Vorbereitungstreffen wurde mit den Kindern darüber gesprochen, was sie zu erwarten hatten. „Es kommt heute nur noch selten vor, dass mehrere Generationen unter einem Dach leben. Kinder erleben den Umgang mit alten Menschen kaum noch“, so Lehrerin Sonja Diekmann. „Deshalb haben wir versucht, die Kinder durch Gespräche möglichst gut vorzubereiten – auf Schwerhörigkeit oder andere körperliche Gebrechen, andere Gerüche, Verwirrtheit oder den Umgang mit einem Rollstuhl.“

Zurückhaltung verfliegt schnell

Schließlich stand der erste Besuch vor der Tür. Alle Beteiligten waren sehr aufgeregt. „Das ging schnell vorbei. Schon nach kurzer Zeit verflog die Zurückhaltung, und die Kinder gingen ganz selbstverständlich mit den alten Leuten um. Jetzt, nach einigen Treffen, wenn alle ,gut drauf’ sind, ergeben sich zwischen den Partnern richtige Gespräche. Das sind dann wahre Glücksmomente“, freut sich Diekmann.

Obwohl jeder der bisher fünf Vormittage durch die Ergotherapeutin Carolin Schlag neu gestaltet und unterschiedliche Dinge unternommen wurden, unterliegt der Ablauf einer gewissen Routine – und das aus gutem Grund. Diekmann erklärt: „Dieser gleiche Ablauf gibt den Kindern wie auch den Bewohnern Sicherheit.“ Und das sieht so aus: Sobald die Kinder im Kurt-Partzsch-Haus angekommen sind, setzen sie sich zu ihren festen Partnern. Dann beginnt die Gruppe mit einem Lied, in dem jeder Einzelne mit Namen begrüßt wird. Im Anschluss folgt ein Bewegungslied im Kreis, bei dem Kinder wie Bewohner in Schwung kommen. Nach einer kurzen Pause folgt die gemeinsame Arbeit. In der Regel handelt es sich um Bastelarbeiten im Zweierteam, bei der die Kinder mit ihrem Partner kreativ gestalten. „Dabei ergänzen sich Jung und Alt ganz wunderbar“, so Diekmann. Während den Alten häufig die Fingerfertigkeit fehlt, haben sie dafür Erfahrung und Kniffe, wie man Probleme lösen kann. Gerade durch diese gemeinsame Arbeit sind über die vergangenen Monate richtige Freundschaften entstanden.

Begegnung auf Zeit

Einige der Mädchen und Jungen hatten anfänglich Bedenken, dass sie eventuell pflegerische Dinge tun sollten, aber das gehört natürlich nicht zu ihren Aufgaben. Sie greifen lediglich mit ein, wenn einem Bewohner ein Glas umkippt oder etwas auf den Boden fällt. Wie selbstverständlich laufen die Kleinen dann los, um ein Wischtuch zu organisieren. Gemeinsam mit den Bewohnern haben die Kinder schon einiges vom Kurt-Partzsch-Haus kennengelernt, die einzelnen Lebensbereiche, den Fitnessraum und auch vereinzelt die eigenen Zimmer. Jörg Wilden (Pflegedienstleiter Eingliederungshilfe und stellvertretender Heimleiter) freut sich sehr, dass die Verbindung zur Grundschule zustandegekommen ist und so gut funktioniert. „Für die Bewohner sind die Stunden mit den Kindern etwas ganz Besonderes. Einige von ihnen leben wieder richtig auf, wenn sie wissen, dass ‚ihr’ Kind zu Besuch kommt“, so der stellvertretende Heimleiter.

Trotzdem bleibt es eine Begegnung auf Zeit. Vor den Sommerferien werden die Kinder nur noch einmal ihre Freunde im Kurt-Partzsch-Haus besuchen. Nach den Ferien werden dann hoffentlich neue Kinder und neue interessierte Bewohner gefunden, die sich durch die „Generationsbrücke“ kennenlernen können. Das Ende der regelmäßigen Besuche der jetzt aktiven Gruppe bedeutet aber nicht das Ende der entstandenen Freundschaften. „Natürlich sind alle Kinder willkommen, auch in Zukunft in unser Haus zu kommen“, so Wilden.

Seit 2009 läuft das Projekt „Generationsbrücke Deutschland“, zuerst in Aachen, heute in acht Bundesländern. Die Bürgerstiftung Schaumburg hat es 2017 in den Landkreis Schaumburg geholt. Außer der Initiative zwischen Kurt-Partzsch-Haus und der Grundschule Im Petzer Feld gibt es bereits drei weitere „Tandems“, die im Landkreis aktiv sind. Bei Interesse gibt es Informationen unter generationsbruecke-deutschland.de. hil

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