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Warum Achim Häfner und seine Greifvögel so populär sind

Beim Spectaculum Warum Achim Häfner und seine Greifvögel so populär sind

Wenn es auf dem „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ einen Preis für den Künstler mit den am rasantesten gestiegenen Popularitäts- und Sympathiewerten gäbe, Achim Häfner könnte ihn sich locker in die Tasche stecken.

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Kuscheln erlaubt: Falkner Achim Häfner mit Besucherin Rachel Calar aus Hannover und Uhu Frodo.

Quelle: jp

Bückeburg (jp). Geradezu unglaublich ist die Welle der Begeisterung, die dem „Falkner der Herzen“ mittlerweile in ganz Deutschland entgegenschlägt. Und das binnen kürzester Zeit, denn noch vor rund einem Jahr konnte außerhalb seiner pfälzischen Heimat mit dem Namen Achim Häfner kaum jemand etwas anfangen.

 Zum Mittelalter und damit zum Starruhm kam der heute 57-Jährige aus Neustadt an der Weinstraße, der sich seit seinem 14. Lebensjahr intensiv mit Greifvögeln beschäftigt, eher durch Zufall. Ein Zufall mit tragischer Schattenseite: Ein langjähriger Freund, der schon oft als Anbieter von Lederwaren auf Mittelaltermärkten gestanden hatte, nahm ihn im vergangenen Sommer mit auf das „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ (MPS) in Karlsruhe. Gemeinsam wollten sie dann auf dem Folge-MPS am Fühlinger See in Köln auftreten, doch nur wenige Tage später starb der Freund an einer langen, schweren Krankheit.

 Der Rest ist MPS-Geschichte: In Köln trat Häfner nun entgegen eigener Planung allein mit seinen Greifvögeln vor die Mittelalter-Fans, und das auch noch im Schatten einer großen Bühne mit den Publikumslieblingen Saltatio Mortis darauf. Große Chancen auf Resonanz rechnete er sich folglich nicht aus. Nach dem Kölner MPS erhielt eine Meldung über die populären Mittelalter-Rocker auf der Facebook-Seite des MPS von den Fans 900 „Likes“ – die über Achim Häfner hingegen weit mehr als 2000. Der neue Superstar des Spectaculums war geboren. Im September 2014 erlebten die Schaumburger Mittelalter-Fans den Falkner erstmals beim Spectaculum auf dem Rittergut Remeringhausen bei Stadthagen, wo er ebenso begeisterte wie an allen folgenden MPS-Spielorten. 2015 wurde Häfner daher von Veranstalter Gisbert Hiller für die komplette Saison gebucht, ebenso in 2016.

 Ihm selbst ist der Rummel fast unheimlich: „Ich mag das Rampenlicht gar nicht so gerne und nehme mich da lieber etwas zurück.“ Aber vielleicht ist es ja gerade diese Bescheidenheit und zugleich das Urige und Knorrige an ihm, der verschmitzte, pfälzische Humor, verbunden mit der großen Liebe zu seinen Tieren und noch mehr zu den Menschen, denen er eine Freude machen kann, die Häfners Beliebtheit ausmachen. Denn „Falkner der Herzen“ ist bei dem 57-Jährigen kein leerer Werbeslogan, sondern gelebtes Programm: Häfners Greifvögel sind Therapietiere, mit denen er Schulen, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen, Altenheime, Kliniken und Hospize besucht.

 Flugshows oder Jagdvorführungen kennen seine Vögel nicht. Sie sind vielmehr gezielt ausgebildet zum Kuscheln, zum Anfassen, zum Spüren und Fühlen. Häfner besucht mit ihnen Autismuskranke, geistig Behinderte, Körperbehinderte, Demenz-Patienten und Schwerstkranke. Gerade in Hospize und Pflegeheime geht der Falkner besonders häufig, um todkranken Kindern oder Senioren in den letzten Wochen ihres Lebens letzte Wünsche zu erfüllen. In Hamburg wird Häfner in Kürze mit seinen Vögeln Wachkoma-Patienten behandeln. Es war der Chefarzt der Unfallchirurgie des Uni-Klinikums persönlich, der ihn während des MPS in Basthorst dazu einlud.

 Kaum einer der Besucher des Spectaculums wird sich einer Gänsehaut erwehren können, wenn der Falkner über diese überwiegend ehrenamtliche Arbeit berichtet, beispielsweise von dem zehnjährigen spastisch gelähmten Mädchen, das die Köpfe seiner Vögel ertastete, indem es sie in den Mund nahm, oder von der demenzkranken Bewohnerin eines Pflegeheims, die überglücklich eine seiner Eulen an die Brust drückte, um danach ihre letzten Atemzüge zu tun – beim Erzählen darüber kann auch Häfner die Tränen nur sehr schwer zurückhalten.

 Mitausstellerin auf dem Stand von Häfner ist Malerin Anja Richter. Die freie Künstlerin aus Emmerich begeistert durch ihre Porträtmalerei mit klassischen und speziellen Bleistiften, Kohle sowie Polychromos. „Eine echte Gottesgabe“ nennt Häfner das Talent der 28-Jährigen, die ihn auch in der Saison 2016 auf allen Veranstaltungsorten des MPS begleiten wird. Am kommenden Wochenende wird der „Falkner der Herzen“ während des „Mittelalterlich Phantasie Spectaculums“ zudem Spenden für die Initiative Eltern krebskranker Kinder aus Minden sammeln.

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