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Warum das Klinikum kein „Fluchhafen“ wird

Bückeburg / Klinikum Schaumburg Warum das Klinikum kein „Fluchhafen“ wird

Einen bestens aufgelegten Geschäftsführer des Klinikums Schaumburg haben rund 60 Zuhörer eines Vortrags der Bückeburger Senioren-Union (SU) erleben können. Claus Eppmann – sichtlich erfreut über den Baubeginn in Vehlen – informierte im „Alten Forsthaus“ eingehend über das geplante Detailkonzept und die angepeilte Inbetriebnahme im ersten Halbjahr 2016.

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Claus Eppmann, Geschäftsführer der Krankenhausprojektgesellschaft, zeigt sich bestens aufgelegt.

Quelle: mig

Bückeburg. Ein Vortrag von Eppmann vor der Bückeburger Senioren-Union? Das ist ein „Heimspiel“ für den Geschäftsführer des Krankenhauses Bethel, schließlich hat sich die heimische CDU von Beginn an für das Projekt „Gesamtklinikum Schaumburger Land“ starkgemacht – gemeinsam mit den anderen Parteien des Kreistags, wie Friedrich Pörtner in seiner Begrüßung unterstrich. Der Beschluss sei – bis auf eine Ausnahme – einmütig gefasst worden. Die Senioren-Union, so ihr Vorsitzender, habe das Thema stets mit wachen Augen beobachtet und sich für eine objektive und sachliche Debatte starkgemacht. Allerdings habe er in den vergangenen Wochen Stimmungsmache und viel Emotionalität beobachten müssen, die sich etwa in einem Artikel mit der Überschrift „Nur bewusstlos ins neue Klinikum“ kundgetan hätten. Pörtner kopfschüttelnd: „Wir bekommen einen sehr großen Zuschuss vom Land.“ Und: „Wenn das in Schaumburg nicht klappen sollte, warten schon viele andere Landkreise darauf.“

 Im Anschluss an die Begrüßung erlebten die Zuhörer dann einen sichtlich gut gelaunten Claus Eppmann. „Ich möchte mit Ihnen ins Gespräch kommen“, gab der Geschäftsführer des Klinikums Schaumburg und des evangelischen Krankenhauses Bethel seinem Publikum zu verstehen und nutzte die spätere Fragestunde, um über die Probleme, die große Projekte mit sich bringen, zu sprechen. „Wir nehmen wahr, dass öffentlich Bautenfinanzierung gern aus dem Ruder laufen; uns allen schwebt sicherlich der Berlin-Flughafen vor Augen.“ Man selbst habe jedoch alles getan, um das zu verhindern und dafür sogar mehr getan, als in vielen ihm selbst bekannten Beispielen, so Eppmann weiter. Im Falle des „Fluchhafens“ seien bestimmte Elemente noch nicht geplant gewesen – und trotzdem habe man angefangen zu bauen. Das, so sein Versprechen, werde es in Vehlen nicht geben. Zwar könne niemand garantieren, dass das Baubudget eingehalten werden kann, „aber ich kann ihnen garantieren, dass wir von unserer Seite alles getan haben, dass die 130 Millionen Euro nicht gerissen werden“.

Klagen steht Eppmann gelassen gegenüber

 Von Beginn an präsentierte sich Eppmann in seinem Vortrag als offen und kommunikationsbereit. Auch schwierige Fragen beantwortete er mit dem nötigen Ernst, etwa, wann das Klinikum hoffe, schwarze Zahlen zu schreiben. Eppmann ohne Umschweife: „Für 2017/18, so eine vorsichtige Schätzung der Projektgesellschaft.“ Dafür sei aber eine Systemkorrektur nötig, denn: „In Niedersachsen schreiben zwei Drittel aller Krankenhäuser keine schwarzen Zahlen mehr.“ Probleme bereitet vor allem der Landesbasisfallwert, der beispielsweise im Vergleich zu Rheinland-Pfalz weniger Geld für die gleiche Leistung vorsieht. Hier sei die Politik gefordert, mahnte Eppmann: „Ich kann an dieser Stelle nur einen Hinweis geben, dass wir Rahmenbedingungen fordern und benötigen, wo wir wieder ein wirtschaftliches Auskommen haben und sich unsere Mitarbeiter wohlfühlen.“

 Und die Klagen, die in Sachen Klinikum anhängig sind? Denen steht Eppmann, wie er sagt, gelassen gegenüber. Vom Widerspruch etwa sei man als Bauherr gar nicht betroffen, und sensible Punkte seien von vorneherein von einer Rechtsanwaltskanzlei abgesichert worden. Kurzum: „Ich glaube, wir sind gut aufgestellt.“

 Auch in Sachen Planung hat sich noch einmal einiges getan, was sich schon im Vergleich der Geländeskizzen zeigt. Das gesamte Anwesen ist noch kompakter geworden, die Wege etwa für Anlieferer werden kürzer. Ferner ist die Einrichtung von Ein- und Zweibettzimmern vorgesehen, das Gebäude wird komplett unterkellert, wodurch zusätzlicher Platz für Logistikräume entsteht. Im weiteren Fahrplan steht als Nächstes der Hochbau (ab Februar/März 2014) an, die endgültige Inbetriebnahme erfolgt im ersten Halbjahr 2016. Das sei ein „sehr sportliches“ Datum, gibt Claus Eppmann zu. Es werde eine „herausfordernde Zeit“. „Wir sind aber sehr guter Dinge, dass alles klappt.“ Zufrieden stimmen erste Erfolge, wie die Einführung des neuen EDV-Systems in Bückeburg. „Wir können jetzt direkt ein digitales Diktat in Patientenakten vornehmen“, zeigte sich Eppmann erfreut. Und weiter: „Wir ziehen so mit einem funktionierenden System nach Vehlen um und lernen damit aus Fehlern, die andere Krankenhäuser gemacht haben, die ihr Computersystem zu spät umgestellt haben.“

 Zum Schluss seines Referats gab Eppmann ein wichtiges Detail zum Aussehen der Klinikfassade preis. Diese werde wohl nicht komplett mit Obernkirchener Sandstein verkleidet, sagte der Geschäftsführer. Das sei einfach eine Kostenfrage. Stattdessen könnte sich Eppmann Applikationen vorstellen, wie zum Beispiel im Obernkirchener Rathaus, wo man das sehr schön gelöst habe.

„Gut, dass er weggeblieben ist“

 Ein Ärztehaus wird es nach jetzigem Stand der Planung übrigens nicht geben, im Fall eines Falles wird aber Platz zwischen Gebäuden und Parkplätzen gelassen. Die Aufgabe der Allgemeinmedizin (Medizinisches Versorgungszentrum, MVZ) sieht Eppmann ebenso wie den Ausbau des Leistungsangebots in den Facharztpraxen Gynäkologie/Geburtshilfe und Innere Medizin/Gastroenterologie als „strategische Entscheidung“. Die Nachfolge der Praxis Gynäkologie/Geburtshilfe sei gesichert.

 Emotionaler wird der Klinik-Geschäftsführer, als er auf den Rückzieher des designierten Chefarztes für die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Kreiskrankenhaus Stadthagen zu sprechen kommt. „Wenn ein Chefarzt einen Vertrag unterschreibt, sich der ganzen Mannschaft vorstellt und zwei Tage vor Dienstantritt per Fax absagt, dann sage ich, ist es gut, dass er weggeblieben ist.“ Darüber müsse man gar nicht unglücklich sein. mig

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