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Warum ist der Fürst 1918 nicht verjagt worden?

Bückeburg / Neue Studie Warum ist der Fürst 1918 nicht verjagt worden?

Historisch interessierte Zeitgenossen dürfen sich einmal mehr freuen: Seit Anfang der Woche ist eine Buchbeschreibung der Geschehnisse und Auswirkungen des Ersten Weltkrieges in der hiesigen Region auf dem Markt.

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Autor Joachim von Meien (Mitte) mit Staatsarchiv-Chef Stefan Brüdermann (links) und Marktbereichsleiter Markus Metschke von der Sparkassen-Stiftung Schaumburg präsentieren die Neuerscheinung.

Quelle: gp

Bückeburg (gp). Der Titel: „Kleinstaat und Weltkrieg, der Fürstenstaat Schaumburg-Lippe 1914-1918“. Autor des gut 300-seitigen Werks ist Joachim von Meien. Der Rintelner hat Geschichte und Anglistik studiert und ist derzeit als Referendar am Bückeburger Adolfinum im Einsatz. Die nach zweijähriger Forschungsarbeit fertiggestellte Arbeit brachte ihm den „Dr. phil.“ der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hannover ein.

 Dank der gut und gründlich recherchierten Studie von Meiens sei ein wichtiger, bislang noch weitgehend brachliegender Abschnitt der heimischen Geschichte aufgearbeitet worden, freute sich Staatsarchiv-Chef Dr. Stefan Brüdermann während der Buchpräsentation. Immerhin hätten die damaligen Ereignisse zu außerordentlich tief greifenden, bis heute nachwirkenden politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen geführt.

 Autor von Meien hat sich nach eigenem Bekunden bei der Betrachtung des kleinen, aber wegen seiner Funktion als eigenständiges Staatsgebilde repräsentativen Territoriums Schaumburg-Lippe von zwei Fragen leiten lassen. Erstens: „Warum hat es, anders als in fast allen anderen deutschen Ländern, keine revolutionären Unruhen gegeben?“ Und zweitens: „Weshalb wurde der damalige Fürst Adolf nicht – wie etwa sein Kollege Leopold im benachbarten Lippe-Detmold und das Gros der übrigen deutschen Feudalherren – mit Schimpf und Schande davongejagt?“

 Die Antworten fasste von Meien bei der Vorstellung seiner Arbeit in vier Thesen zusammen. Danach hat die „unterentwickelte“ Revolutionsbereitschaft der damaligen Untertanen vor allem mit der überwiegend ländlich-bäuerlich geprägten Bevölkerungsstruktur zu tun. Kein Fürstenkind habe Hunger leiden müssen. Darüber hinaus habe es, anders als in den Großstädten und industriellen Zentren des Reichs, keine aufmüpfige proletarische Arbeiterklasse gegeben. Die Sozialdemokraten hätten „sehr gemäßigt und beinahe staatstragend“ agiert.

 Auch sonst fielen bei Betrachtung des schaumburg-lippischen Volkscharakters eine „enge Verbundenheit zur Heimat“ und eine „hohe Identifikation mit dem eigenen kleinen Ländchen“ ins Auge. Und eine weitere, nicht zu unterschätzende Ursache für die damalige Friedfertigkeit der Untertanen stellt nach den Erkenntnissen des Autors das patriotische Verhalten des Bückeburger Schlossherrn dar. Während andere deutschen Fürsten sich vorm Kriegsdienst gedrückt hätten, habe Adolf bis zum Schluss an der Front gekämpft.

 Zur Begründung und Erläuterung seiner Erkenntnisse hat von Meien eine Fülle neuer Quellen ausgewertet und bislang unbekannte Fakten zutage gefördert. So wird unter anderem die Einstellung der hierzulande lebenden Menschen zu Krieg, Kaiserreich und demokratischem Wandel in den beiden ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Daneben finden sich Belege über das Ausmaß der Toten und Verwundeten sowie die Versorgung der Kriegsopfer. Ein besonderes Kapitel ist auch dem Einsatz der etwa 600 überwiegend russischen und französischen Kriegsgefangenen gewidmet, von denen die meisten in der Landwirtschaft, als Bergarbeiter und beim Bau des Mittellandkanals eingesetzt wurden.

 Dankbar zeigte sich der Autor für die vielfältige Unterstützung, die er während der Verwirklichung des Buchprojekts erfahren habe. Als wichtigste wissenschaftliche Berater wirkten Doktorvater Prof. Dr. Karl Heinz Schneider und Archivchef Brüdermann mit. Der Fürst öffnete sein Privatarchiv. Der erfahrene Stadthäger Heimatforscher Heinrich Munk steuerte Tipps und Hintergrundinformationen bei. Und die Finanzierung sicherte die Schaumburger Sparkassen-Stiftung. Das Buch:

 Joachim von Meien, „Kleinstaat und Weltkrieg – Das Fürstentum Schaumburg-Lippe 1914-1918“, Schaumburger Studien Band 71, Herausgeber ist Stefan Brüdermann im Auftrag der Historischen Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-89534-901-0. Das Buch kostet 29 Euro.

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