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Bückeburg Stadt Was Bückeburg gegen Bienensterben tun will
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Was Bückeburg gegen Bienensterben tun will
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19:30 12.09.2018
Nicht mehr kurz gemäht und den Grasschnitt auf dem Rasen liegen lassen: Die Stadt will die ihr gehörenden Straßen- und Wegeränder wie hier an der Kläranlage naturnah pflegen und umgestalten, um dem Bienen- und Insektensterben entgegenzuwirken. Quelle: rc
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Bückeburg

Daher wurde die Verwaltung beauftragt, ein Konzept für die naturnahe Pflege und Entwicklung aller städtischen Straßen- und Wegeränder außerhalb geschlossener Ortschaften zu erarbeiten.

Denn: „Straßen- und Wegeränder bilden weitverzweigte Lebensräume für viele Pflanzenarten, die in unserer Landschaft selten geworden sind. Von diesen Pflanzen sind unzählige Insekten abhängig, aber auch Vögel, Amphibien und Reptilien.“ Es sei nachgewiesen, dass Tiere und Pflanzen über diese Randbiotope wandern und sich ausbreiten, wenn die Ränder entsprechend gepflegt werden.

Anträge von SPD, Grünen und CDU

„Was zurzeit nicht gegeben ist“, wie die Verwaltung in ihrer Aufstellung für den Bau- und Umweltausschuss feststellt, die der Verwaltung einstimmig den Auftrag für die Aufstellung des Konzeptes erteilte. Und ein dickes Lob parat hatte: „Eine gute und plausible Darstellung, die es bisher nicht gegeben hat und der nichts hinzuzufügen ist.“

Auslöser für das Konzept sind drei Anträge von SPD, Grünen und der CDU, die die Artenvielfalt erhöhen (Grüne), Blühinseln an Gewässern schaffen (CDU) und diverse Anpflanzungen umsetzen (SPD). Das Umweltamt listet eine Reihe von Maßnahmen auf, die umgesetzt werden können:

  • Die Ansaat oder Initialpflanzung mit mehrjährigen heimischen Blühpflanzen
  • Der Verzicht auf Mulchmäher, Abtrag des Mähgutes
  • Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel (was die Stadt bereits macht, da sie mit einer Wildkrautbürste arbeitet)
  • Pflege und Entwicklung von kommunalen Wegerandstreifen und Feldhecken
  • Umstellung der öffentlichen Beleuchtung auf insektenfreundliche LED-Lampen (was die Stadt bereits angemessen vorangetrieben hat)
  • Umwandlung von Gewässerrändern in Blühinseln
  • Eingrünung des Ortseingangs Petzen sowie die Ergänzung vorhandener Bepflanzungen im Höppenfeld und in Evesen durch alte Obstsorten und Wildobst.
  • Da Geld vorhanden ist: „Realisierung im Herbst 2018 möglich.“

Andere Dinge können dagegen nicht „einfach so“ umgesetzt werden, wie die Verwaltung feststellt. So wäre zum Beispiel eine Umstellung des Maschinenparks des Bauhofs notwendig, um das Entwicklungspotenzial für den Artenschutz auf den Grünflächen innerorts auszuschöpfen. Außerdem müsste der Grünflächen-Kataster neu aufgestellt werden – was derzeit passiert –, um Aufwand und Nutzen von der Änderung des Pflegekonzeptes ermitteln zu können. Das Fazit der Verwaltung: „Handlungsbedarf, die Machbarkeit ist zurzeit nicht gegeben.“

Besser sieht es bei der Pflege und Entwicklung kommunaler Wegeränder außerorts aus. Zwar liegt kein detaillierter Plan für die Pflege und Unterhaltung kommunaler Wegerandstreifen vor, Nachbarstädte hätten aber gezeigt, dass Wegeränder wirtschaftlich und naturnah unterhalten werden können. Da das Thema Artenvielfalt und Wegeränder in Bückeburg bereits seit Längerem diskutiert wird, aber bisher kein Konzept vorliegt und Förderungen möglich sind, sieht die Verwaltung die Machbarkeit.

Anders sieht es bei den Blühinseln an Gewässerrandstreifen aus. Nur Einsäen sei nicht ausreichend, vielmehr müssten Ufergestaltungen und Gewässerprofile verändert werden. Dafür sei die Zusammenarbeit mit Unterhaltungsverbänden nötig, Fördergelder müssten akquiriert und Genehmigungen eingeholt werden. Schlussfolgerung: „Handlungsbedarf, die Machbarkeit bedarf intensiver Vorarbeiten.“  Von Raimund Cremers

Politisch gewollt – personell und finanziell kaum zu schaffen

Der Fachdienst Umwelt der Stadtverwaltung ist im Bereich Umwelt und Naturschutz zurzeit fast ausschließlich mit der Umsetzung der Eingriffsregelungen in Natur und Landschaft für unterschiedliche private und öffentliche Bauvorhaben befasst. Kompensationsflächen sind zu schaffen und zu unterhalten. Spielraum für Maßnahmen wie eben das Konzept für Straßen- und Wegeränder ist aus personellen und finanziellen Zwängen kaum vorhanden – politisch aber gewollt, wie die Verwaltung schreibt.

Der politische Wille hat sich darin geäußert, dass je 10000 Euro für „investive Naturschutzmaßnahmen“ in die Haushalte 2017 und 2018 eingestellt worden sind – Geld, das aber nicht ausgegeben werden konnte. 15000 Euro davon sollen jetzt für die Pflanzmaßnahmen in Petzen/Evesen und dem Höppenfeld fließen.

40000 Euro würde es kosten, Vorarbeiten und Umsetzungsprojekte für die naturnahe Entwicklung der Straßen- und Wegeränder umzusetzen, etwa 50 bis 60 Prozent könnten aus Fördermitteln finanziert werden, die im Rahmen des sogenannten Regionalen Entwicklungskonzeptes, der Grundlage für eine „LEADER“-Förderung bereitstehen.

20000 Euro müsste die Stadt aus dem Haushalt finanzieren. Dafür sollen die übrig gebliebenen 5000 Euro genommen und weitere 15000 Euro im Haushalt 2019 bereitgestellt werden, so der Vorschlag der Verwaltung.

Vorschläge, gegen die es seitens des Ausschusses keine Widerrede gab. Der Ausschussvorsitzende Bernd Insinger (SPD): „Die Verwaltung will da herangehen, lasst sie arbeiten und zerredet die Vorschläge nicht.“

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