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Was keine Partei so sagen würde

Bückeburg/Minden / Demografischer Wandel Was keine Partei so sagen würde

Unabhängig von zahlreichen anderen Veränderungen wird der demografische Wandel den Arbeitnehmern in Deutschland eine erhebliche Ausdehnung ihrer Lebensarbeitszeit bescheren.

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GfW-Sektionsleiter Klaus Suchland (links) bedankt sich bei Oliver Gubela (Mitte) und Manuel Slupina.

Quelle: bus

Bückeburg/Minden. „Das Rentenzugangsalter wird sich auf 67, vielleicht 69 Jahre erhöhen“, erklärte Manuel Slupina während einer Veranstaltung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) im Mindener Hotel „Holiday Inn“. Und fügte, um die Brisanz seiner Aussage zu betonen, hinzu: „Obwohl das jetzt keine Partei so sagen würde.“

 Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung referierte auf Einladung der GfW zum Thema „Schrumpfen in einer wachsenden Welt – Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und weltweit“ und führte das Renteneintrittsalter als eine der „Stellschrauben“ an, mit denen der sich abzeichnenden Problematik begegnet werden könnte. Deutschland steht den Ausführungen des Diplom-Volkswirtes zufolge vor dem Dilemma, zukünftig bei stetig abnehmender Zahl erwerbsfähiger junger Leute immer mehr ältere Mitbürger versorgen zu müssen.

 „Die Kinderzahl würde selbst dann weiter sinken, wenn die Rate der Fertilität (Fähigkeit von Organismen, Nachkommen hervorzubringen) wieder ansteigen würde“, legte der Experte dar. „Weil nämlich die Jahrgänge, die jetzt ins Familiengründungsalter kommen, sehr schwach besetzt sind.“ Es gebe hierzulande halt immer weniger Menschen, die überhaupt Kinder bekommen können. Slupina: „Das zeigt, dass demografische Entwicklungen sehr träge sind, ein einmal eingeschlagener Pfad ist kaum umzukehren.“

 Gleichwie erkannte der Referent weitere „Stellschrauben“. So müsse etwa dafür Sorge getragen werden, dass „aus erwerbsfähigen Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren auch erwerbstätige Menschen“ würden. Die Erwerbsquote sei, beispielsweise durch Weiterbildung und Gesundheitsprävention „deutlich ausbaufähig“. Was insbesondere auf die zwischen 55 und 64 Jahre alte Personengruppe zutreffe. „Es muss dafür gesorgt werden, dass die Leute länger in Arbeit bleiben können“, erläuterte der GfW-Gast, der zudem bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen weitere Abfederungspotenziale ausmachte.

 Slupina, der seinen Vortrag mit zahlreichen Statistiken unterfütterte und auch globale Entwicklungen ausführlich beleuchtete, prognostizierte den Rückgang der Zahl der Menschen im Ausbildungsalter (zwischen 15 und 24 Jahren) von momentan neun über 7,1 (2030) auf 6,5 Millionen (2050). „Diese Entwicklung ist absehbar und wird natürlich zu einer Konkurrenz um die weniger werdenden jungen Menschen führen“, sagte der Fachmann voraus. Auf der anderen Seite der Alterspyramide gewinne die Gruppe der im Rentenalter befindlichen Menschen – der Diplom-Volkswirt: „Die einzige Altersgruppe, die gegen den Trend läuft“ – deutlich hinzu. Gegenwärtig seien in Deutschland 16,9 Millionen Personen 65 Jahre oder älter. Diese Zahl werde sich anno 2050 auf mehr als 23 Millionen belaufen.

 Slupinas Auffassung gemäß werden die Altersverschiebungen eine umfangreiche Bevölkerungswanderung nach sich ziehen. „Die urbanen Zentren werden wachsen, während der ländliche Raum an Zuwachs verlieren wird.“ Wir lebten zunehmend in einer Wissensgesellschaft, in der gerade dort Arbeitsplätze entstünden, wo es Forschungseinrichtungen, Unternehmen und kluge Köpfe gebe. Also in den großen Städten. Folgen für die ländlichen Regionen: „Hier werden Infrastrukturen zurückgebaut, Versorgungseinrichtungen verlieren ihre Tragfähigkeit.“ Wenn die Busse nur noch zweimal am Tag führen, der letzte Lebensmittelladen seine Pforten schlösse oder die letzte Schule im Ort dichtmachte, „dann überlegen sich Familien natürlich zweimal, ob sie sich dort noch ansiedeln wollen“.

 Oliver Gubela, der die Thematik aus Sicht des Kreises Minden/Lübbecke betrachtete, berichtete, dass hier mit einem Bevölkerungsrückgang von derzeit 311000 auf 297000 im Jahr 2020 kalkuliert wird. „Dann werden eine Situation haben wie vor etwa 30 Jahren“, merkte der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung an. Um den Veränderungen entgegenzuwirken, bestünden mehrere Handlungsoptionen: verstärkte interkommunale Kooperation bei Schulen, Verwaltung und Pflege; Konzentration von Angeboten wie etwa Arztzentren.. bus

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