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Weg vom Schmuddelimage

Graffitikunst in Bückeburg Weg vom Schmuddelimage

Auf dem Boden stehen Spraydosen in 251 Farbtönen. Aus dem Gettoblaster tönen Hip-Hop-Klänge, während drei junge Männer in schwarzen Kapuzenpullovern ein farbenfrohes Bild an die lange Wand zaubern – Graffiti-Künstler bei der Arbeit.

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Schön statt schmuddelig: Graffiti-Bilder in Bückeburg.

Bückeburg. Immer wieder bleiben Passanten auf dem Weg von der Fußgängerzone zum Dr.-Witte-Platz stehen, um das bunte Treiben zu beobachten. „Das wird ja toll“ und „Wunderschön“ sind die Zaungäste sich einig. Und dann fällt garantiert der Satz, den Patrik Wolter alias BeNeR1 und seine Kollegen Kevin Lasner und René Schneider gar nicht gerne hören: „Wie schade, dass das alles wieder zugeschmiert werden wird.“

 „Unsere Erfahrung sieht anders aus“, sagt Wolters und deutet auf die großflächigen Tierbilder am Eingang der Passage. Dort erstrahlen frisch wie am ersten Tag seit fast drei Jahren großformatige Tierbilder, von Schmierereien keine Spur. Das führen Insider darauf zurück, dass es unter Graffiti-Sprayern einen Ehrenkodex gibt: Die Kunstwerke eines anderen sind tabu.

 Der Künstler aus Hannover mit Bückeburger Wurzeln hat mit den Tiermotiven während einer „Langen Nacht der Kultur“ begonnen – und damit erfolgreich darauf aufmerksam gemacht, dass Graffiti längst ihr Schmuddelimage abgelegt haben und vielerorts als Kunstform anerkannt werden. Der Anstoß für das Projekt kam damals aus dem städtischen Kulturausschuss und dem Arbeitskreis für die „Lange Nacht“. Dass das Großgemälde nun fortgeführt werden kann, ist den Besitzern des Gebäudekomplexes zu verdanken, die die Profis mit der Gestaltung der langen unansehnlichen Wand beauftragt haben.

 In Stil und Farbtönen orientiert man sich an den ersten Arbeiten, den Tierbildern folgen nun Ansichten aus Bückeburg und dem Lippischen. Neben dem Bückeburger Mausoleum liegen hier die Externsteine. Das riesige Graffiti wirkt wie aus einem Guss: Verbindende Elemente sind blauer Himmel und grüne Wiese.

 Nur für diesen großflächigen Hintergrund haben die Künstler zu Farbrolle und Pinsel gegriffen, nachdem die Mauer grundiert worden war. Danach kamen nur noch Farbspraydosen zum Einsatz, mit Farbe in vielen verschiedenen Tönen.

 Entstanden sind zunächst Entwürfe auf dem Skizzenblock oder dem Computerbildschirm. Später wurden diese auf die vorbereitete Riesenfläche der Mauer übertragen. Die Feinarbeit, die Ausgestaltung der naturalistisch und doch modern wirkenden Motive, erfolgte ausschließlich per Farbspraydose.

 Auch Albert Brüggemann hat während der dreitägigen Arbeiten vorbeigeschaut. Der Vorsitzende des Kulturausschusses ist ebenso begeistert wie die meisten Passanten. Er lobt nicht nur die Arbeit der Künstler, sondern auch das Engagement der Auftraggeber, das Vorbild für die weitere künstlerische Ausgestaltung der Stadt sein könne. Öffentliche Mittel sind nämlich nicht in das aktuelle Projekt geflossen.

 Wolters erfährt eine immer breitete Anerkennung für seine Arbeiten, gerade auch in kleineren Städten. Längst wird zwischen lästigen Schmierereien an Hauswänden und Projekten wie diesem unterschieden. Das zeigen auch die ersten Reaktionen auf der Facebook-Seite unserer Zeitung: „Super Arbeit!“, lobt Anja Könemann, und Monika Graf postet: „Wow, sieht das toll aus!“ kk

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