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Wie aus Planspielen Realität wird

Jahrmarkt-Vorbereitung Wie aus Planspielen Realität wird

Wenn der Jahrmarkt in Bückeburg reibungslos über die Bühne geht und seine Besucher fröhlich nach Hause fahren, hat vorher Natascha Vogt ihre Hände im Spiel gehabt. Sie ist Marktmeisterin und plant die Krammärkte in ihrem Büro im Stadthaus einige Monate im voraus - ein Blick hinter die Kulissen.

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Bevor auf dem Herbstmarkt die erste Runde im „Autoscooter“ gedreht werden kann, hat Marktmeisterin Natascha Vogt schon viel Vorarbeit geleistet. Ein wichtiges Hilfsmittel ist eine große Innenstadtkarte mit bunten Markierungen für die Stände und Fahrgeschäfte.

Quelle: kk

Bückeburg. Bunte Fahrchips vieler Karussells, zwei Kirmesherzen aus Lebkuchen: Die Pinnwand mit den beiden großen Innenstadtkarten hinter dem Schreibtisch von Natascha Vogt im Bückeburger Stadthaus ist ungewöhnlich dekoriert.

Auf den Karten stecken unterschiedliche bunte Rechtecke und Kreise aus Papier, maßstabgerecht zugeschnitten. Ein zweiter Blick lüftet das Geheimnis: Ein Symbol stellt den „Autoscooter“ dar, ein anderes einen Zuckerwattestand. Auf den Karten plant Vogt den Herbstmarkt – als Marktmeisterin ist sie dafür zuständig, dass der Rummel reibungslos über die Bühne gehen kann und Attraktionen für die ganze Familie zu bieten hat.

Fachzeitschriften veröffentlichen die Ausschreibungen der Stadt

Bereits vor vier bis fünf Monaten haben sich die Schausteller beworben, die vom 28. Oktober bis zum 2. November rund um den Marktplatz mit ihren Fahrgeschäften, Schießständen oder Imbissbuden dabei sein möchten. „Nach dem Markt ist also immer vor dem Markt“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin lachend. Kaum ist die bunte Glitzerwelt wieder abgebaut, beginnen nämlich schon die Vorbereitungen für den nächsten Jahrmarkt. Fachzeitschriften wie „Der Komet“ und die „Kirmesrevue“ veröffentlichen die Ausschreibungen der Stadt, interessierte Beschicker melden sich, werden eventuell berücksichtigt, erhalten ihre Verträge und müssen vorab das Standgeld überweisen.

Als Familienkirmes in der Innenstadt mit ganz besonderem Flair ist Bückeburg bei den Schaustellern recht beliebt, sodass Vogt eine abwechslungsreiche Mischung von Attraktionen für jeden Geschmack zusammenstellen kann. In dieser glücklichen Lage ist längst nicht mehr jede Kommune: Der Zeitgeschmack hat sich geändert, die Konkurrenz ist groß, der Euro sitzt längst nicht mehr so locker wie früher – nicht überall kommen die Schausteller noch auf ihre Kosten.

Andererseits würde mancher Schausteller wohl gerne nach Bückeburg kommen – nur: Sein Fahrgeschäft ist zu groß. Vor diesem Hintergrund wird auch die Tüftelei am Straßenplan verständlich: Hier lässt sich schon einmal erkennen, was machbar erscheint und was nicht. Im Zweifel entscheidet ein Ortstermin mit dem Schausteller.

„Besonders für den Marktplatz suchen wir immer wieder nach neuen attraktiven Karussells“, sagt Fachbereichsleiter Christian Schütte. Doch nicht nur der vorhandene Platz setzt Grenzen, auch muss der Termin- und Routenplan des Schaustellers „Bückeburg-kompatibel sein“. Viele Marktbeschicker sind gute alte Bekannte, die Familienunternehmen halten „ihren“ Jahrmärkten oft jahrzehntelang die Treue. In Bückeburg gelten zum Beispiel „Autoscooter“ und „Musikexpress“ als „gesetzt“.

Abmessungen der Stände

Doch die Planspiele an der Karte können die praktische Planung vor Ort nicht ersetzen. Bereits Tage vor Jahrmarktbeginn zieht Vogt mit Plan, Messrad und Kreide durch die Innenstadt. Auf dem Pflaster werden die Abmessungen der Stände oder Fahrgeschäfte markiert. Besonderes Augenmerk gilt Hydranten und Ausfahrten – die müssen nämlich freigehalten werden. So weiß jeder gleich, wo er aufzubauen hat. Die „Großen“ beginnen Dienstagabend mit der Arbeit, damit sie den „Kleinen“ Ende der Woche nicht ins Gehege kommen. Zu diesem Zeitpunkt hat Vogt schon längst Müllcontainer sowie Wasser- und Stromanschlüsse bestellt, die Plakate hängen seit Wochen, Straßen sind gesperrt, der Wochenmarkt ist verlegt worden.

Bevor dann die Ehrengäste Freitagnachmittag zum Marktempfang der Stadt eintrudeln und die Kinder sich auf die erste kostenlose Runde mit den „Promis“ auf dem Karussell freuen, hat die Endabnahme stattgefunden. Die Feuerwehr hat geprüft, ob die Marktstraßen für ihre Einsatzfahrzeuge passierbar sind, Fluchtwege wurden kontrolliert, der Sanitätsdienst wurde eingewiesen. Auch Mitarbeiter des Bauamtes waren im Einsatz: Sie haben die Typzulassungen der Fahrgeschäfte, die Fahrtenbücher und die Standfestigkeit der Anlagen unter die Lupe genommen.

Und wenn nach fünf Tagen Herbstmarkt die Schausteller mit dem Abbau beginnen und ihre Kasse zählen, haben sie vielleicht schon den nächsten Termin im Auge: 24. bis 27. März 2017 – Frühjahrsmarkt in Bückeburg. Denn auch für sie gilt: Nach dem Jahrmarkt ist vor dem Jahrmarkt. kk

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