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Wieder Cannabis – diesmal ohne Hund

Verfahren eingestellt Wieder Cannabis – diesmal ohne Hund

Alle warten auf den Angeklagten. Nach einer halben Stunde öffnet ein Wachtmeister die Tür zum Gerichtssaal und teilt mit: „Er kommt gleich. Er wird noch durchsucht.“ Die Justiz stuft den vorbestraften Mann offenbar als unberechenbar ein, wenn nicht als gefährlich.

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Quelle: Symbolfoto (dpa)

Bückeburg. Beim Betreten des Gerichtsgebäudes wird er bereits erwartet. Während der Verhandlung lassen ihn zwei Justizwachtmeister nicht aus den Augen. Frühere Auftritte des amtsbekannten 40-Jährigen geben Anlass zu besonderer Vorsicht.

Gutachten wenig erhellend

Diesmal jedoch bleibt alles ruhig, was auch daran liegen mag, dass es nicht zur Verurteilung kommt. Es geht um mutmaßlich 14 Cannabis-Pflanzen, die im Januar 2015 in der Wohnung des Bückeburgers entdeckt worden waren. Ein Gutachten darüber ist wenig erhellend. Beispielsweise kann der vom Gericht beauftragte Sachverständige nicht sagen, ob es sich bei den Pflänzchen um Nutzhanf oder eine der Sorten handelt, die als Rauschmittel verwendet werden. Nutzhanf hat einen geringen Wirkstoffanteil und ist deshalb ungeeignet für die Erzeugung von Haschisch oder Marihuana.

Um die Frage zu klären, müsste weiter ermittelt, womöglich ein neues Gutachten in Auftrag gegeben werden. Der Aufwand würde in keinem Verhältnis zum Ergebnis stehen. Auch deshalb halten es Richterin Uta Freese-Schmidt und Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig für sinnvoll, das Verfahren einzustellen.

„Das ist Petersilie"

Der Bückeburger ist gut drauf. Als Richterin Freese-Schmidt den Beteiligten Fotos der Pflänzchen zeigt, scherzt er: „Das ist Petersilie. Sieht man doch sofort.“ Nur mit einer Einstellung des Verfahrens ist der 40-Jährige nicht einverstanden. Nach kurzer Beratung auf dem Flur verkündet Verteidiger Heinz-Dieter Lauenstein für seinen Mandanten: „Wir möchten einen Freispruch erreichen.“

Das Verfahren wird daraufhin nach einem anderen Paragrafen eingestellt, sodass die Zustimmung des Angeklagten nicht mehr nötig ist. Zur Begründung heißt es sinngemäß, dass eine Bestrafung wohl kaum ins Gewicht fallen würde, nachdem der Bückeburger kürzlich bereits wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist.

An jenem 6. Januar 2015, als die Pflänzchen gefunden wurden, hatten Nachbarn die Polizei informiert, weil die Wohnungstür des Mannes „sperrangelweit offen stand“, wie sich ein Zeuge vor Gericht erinnert. Der Wohnungsinhaber war nicht zu Hause und musste erst einmal ausfindig gemacht werden.

Auf Polizisten ist der Bückeburger nicht gut zu sprechen, seitdem Beamte im Mai 2011 bei einer Drogenrazzia auf seinen Hund geschossen hatten, weil der Staffordshire-Mischling auf die Ordnungshüter zugestürmt sein soll (wir berichteten). Zwei Kugeln trafen, doch das Tier überlebte – wenn auch schwer verletzt. „Das Land musste zahlen“, berichtet Anwalt Lauenstein.

Bei der Drogenrazzia waren seinerzeit übrigens zwölf Cannabis-Pflanzen sichergestellt worden. Dafür verhängte das Amtsgericht damals eine Geldstrafe von 1400 Euro, umgerechnet 70 Tagessätze. Das Verfahren um den mutmaßlichen Angriff des Hundes wurde dagegen eingestellt. ly

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