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Will „Burgfräulein“ den Fürsten erpressen?

Erpressungsversuch Will „Burgfräulein“ den Fürsten erpressen?

Ein „Burgfräulein“, ein altes Handy, illegale Waffen: Die Geschichte ist ebenso bizarr wie pikant.

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Quelle: Symbolfoto

Bückeburg/Paderborn. Ein Pärchen soll versucht haben, Alexander zu Schaumburg-Lippe zu erpressen – mit der Weitergabe persönlicher, möglicherweise intimer SMS, die auf einem alten Mobiltelefon gespeichert sein sollen. Vor dem Landgericht Paderborn müssen sich die beiden zusammen mit einem mutmaßlichen Mittäter verantworten. Die drei Angeklagten sollen zudem einen rechtsradikalen Hintergrund haben.

Als „Burgfräulein“ hat die 36-jährige Angeklagte vor Jahren in Bückeburg von sich reden gemacht. Im Sommer 2013 sollen sie und ein 46-Jähriger aus Arnstadt (Thüringen) versucht haben, den in Bückeburg residierenden Adeligen um 235000 Euro zu erleichtern.

Man befinde sich im Besitz eines Handys, auf dem 1000 SMS gespeichert seien. Diese könnten über eine über zehn Jahre zurückliegende Liebesbeziehung des „Burgfräuleins“ mit Alexander zu Schaumburg-Lippe umfassend Auskunft geben. Sei dieser nicht bereit, die geforderte Summe zu zahlen, werde man das Handy anderweitig zu Geld machen, vielleicht auch die Presse mit Skandal-Geschichten versorgen. Ein Erpressungsversuch, findet die Staatsanwaltschaft Paderborn – der scheiterte, weil der Bückeburger Adlige darauf nicht einging.

Ob es dieses Handy tatsächlich gab oder noch gibt, ist derzeit offen: Es soll angeblich bei einem Rechtsanwalt in Hannover in Verwahrung gegeben worden sein. Ohnehin scheint die 36-Jährige in Bückeburg einige Spuren hinterlassen zu haben, nicht nur infolge eines von der Regenbogenpresse breitgetretenen angeblichen Techtelmechtels mit Alexander zu Schaumburg-Lippe. Sie war 2009 aufgefallen, als sie die „Selbstverwaltung Deutsches Reich“ gegründet und sich selbst zur „Reichsaußenministerin“ ernannt hatte – inklusive eines entsprechenden Phantasie-Diplomatenpasses, mit dem sie am Steuer eines Autos von der Polizei angehalten wurde, ohne Führerschein und mit ebenfalls frei erfundenem Kennzeichen.

Ihre politischen Ansichten scheint die 36-Jährige mit dem Arnstädter geteilt zu haben, mit dem sie offenbar bei einem „Landwirtschaftsbetrieb zur Pferdezucht und Pferdeausbildung zum Sportpferd“ zusammenarbeitete und eine Beziehung unterhielt. Beide wurden im November vergangenen Jahres von einem Sondereinsatzkommando der Polizei in einem abgelegenen Gebäude in Bad Driburg festgenommen – drei Kampfhunde wurden erschossen, zwei Schusswaffen sichergestellt, von denen eine griffbereit im Flur stand. Im Haus wurden Drittes-Reich-Devotionalien gefunden.

Nach Informationen dieser Zeitung sollen beide bereits im Raum Gotha mit den Behörden in Konflikt geraten und schließlich in Bad Driburg untergetaucht sein. Dort waren sie zumindest nicht gemeldet, der offizielle Mieter des Hauses, ein 64-Jähriger aus Herten, sitzt ebenfalls auf der Anklagebank. Die 36-Jährige befindet sich seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft, da sie keinen polizeilich gemeldeten Wohnsitz vorweisen kann.

Das Verfahren soll Anfang Juli fortgesetzt werden. Dann wird auch Alexander zu Schaumburg-Lippe als Zeuge erwartet. Ob der mutmaßliche Erpressungsversuch mit den politischen Aktivitäten der Angeklagten zusammenhängt, muss das Landgericht Paderborn in dem Prozess noch näher beleuchten.

Von Ulrich Pfaff

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