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Wo einst der Eiserne Gustav kampierte

Blick in die Bückeburger Geschichte Wo einst der Eiserne Gustav kampierte

Dort, wo sich seit einigen Monaten die Rossmann-Filiale befindet, stand bis vor gut 35 Jahren ein ganz anderes Gebäude. Davon erhalten geblieben ist allein die Anschrift: Lange Straße 19. Anlass genug, um einen Blick auf die Geschichte des heutigen Drogerie-Standorts zu werfen.

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Das ehemalige Hotel Deutsches Haus befand sich an der Langen Straße 19.

Quelle: gp

Ältere Bückeburger können sich noch daran erinnern, dass dort einst das Hotel Deutsches Haus betrieben wurde. Es galt bis zu seiner Schließung im Juli 1965 als erstes Haus am Platze.

Über Erfolgsgeschichte und Ende der Herberge kann man Einiges in heimatkundlichen Aufsätzen nachlesen. Danach soll das einst unmittelbar an das Schlossareal angrenzende Anwesen bis 1805 wohlhabenden Privatleuten gehört haben. Dann wurde es von der „hohen Herrschaft“ aufgekauft und zu einem vorzeigbaren Gast- und Logierhaus umgebaut. Es sei der „bestbesuchteste Gasthof der Stadt“, wusste 1861 der Bückeburger Arzt Karl Meier zu berichten. „Alle Handelsreisenden kehrten hier ein, und die zur Leipziger Messe Reisenden übernachteten lieber hier als in Minden.“

Doch damit nicht genug. Gegen Ende des Jahrhunderts gedieh die Lokalität zu Bückeburgs Kulturzentrum. Nach der Reichsgründung 1871 entdeckten immer größere Teile des Bildungsbürgertums Konzert und Theater. Eine geeignete Räumlichkeit bot in der Residenz bis zum Bau des neuen Rathauses (1906) nur das Deutsche Haus. Dort gab es einen Empire-Festsaal mit Bühne.

Zu den Veranstaltungsglanzlichtern jener Zeit gehörten die Konzerte der Hofkapelle unter Leitung des berühmten Geigenvirtuosen Richard Sahla. Wie es dabei zuging, wird in einem zeitgenössischen Bericht so beschrieben: „In sorgfältiger Abendkleidung begab man sich dorthin, und wenn alles schon seit geraumer Zeit plaudernd und erwartungsvoll auf seinem abonnierten Platz verharrt hatte, wenn plötzlich ein Verstummen, Sicherheben, Sichverneigen zu beiden Seiten des Mittelganges anhob, dann wusste ein jeder, die Fürstlichkeiten sind erschienen. Man sah ihnen nach, bis sie auf dem Konzertpodium auf den gewohnten roten Polstersesseln Platz genommen hatten.“

Erst Hotel, dann Textilgeschäft

Die Liste der Wirtsleute und Betreiber des Hauses umfasst an die 15 Namen. Am längsten und erfolgreichsten wirkte die Dynastie Bertram-Schmidt. Den Anfang machte 1902 Heinrich Bertram, der wenig später auch das benachbarte „Casino“-Restaurant (heute Commerzbank) übernahm und sich „Hoftraiteur“ (Hofkoch) nennen durfte. Zuletzt hielt dessen Schwiegertochter Lina Bertram, später als Lina Schmidt, die Zügel in der Hand. Anfang/Mitte 1965 kam der Familienrat überein, den Hotelbetrieb aufzugeben. Nach umfangreichen Umbauarbeiten zog einige Monate später das Textilgeschäft Weidenfeller in das Gebäude ein.

Wie viele Gäste im Laufe des mehr als 160 Jahre andauernden Beherbergungsbetriebes im Deutschen Haus abstiegen, ist nicht überliefert. Einer der Prominentesten dürfte der „Eiserne Gustav“ gewesen sein, der auf seiner legendären Kutschen-Tour Berlin-Paris am 26. April 1928 in Bückeburg nächtigte. Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen sich unter anderem der Sänger Dietrich Fischer-Dieskau, die schwedische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf und der durch seine humorvollen Verse berühmt gewordene Lyriker Eugen Roth ins Gästebuch ein.

Durch Neubau ersetzt

1979 sickerten erste Meldungen durch, wonach das Anwesen für 1,1 Millionen Mark verkauft worden sei und durch einen Neubau ersetzt werde. Als neuer Besitzer trat der Frankfurter Immobilienkonzern Wollhändler auf den Plan. Ein Jahr später war vom Deutschen Haus nichts mehr zu sehen. In der Baulücke wurde das heutige Gebäude hochgezogen. Als Hauptmieter zogen der Lebensmittelanbieter Rewe und (erneut) Weidenfeller ein.

Nach Insiderberichten machte die Bückeburger Verwaltung bei der Abriss- und Wiederaufbauaktion keine gute Figur. Mehrere von den Neubesitzern kurzerhand und eigenmächtig durchgezogene Planabweichungen wie die Beseitigung des charakteristischen Gebäudedurchgangs seien widerspruchslos hingenommen worden, war hinter vorgehaltener Hand zu hören. Auch die Architektur war und ist unter Fachleuten höchst umstritten. gp

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