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Wohnung im Wahn geflutet

Prozess gegen Stadthäger, der "Stimmen hörte" Wohnung im Wahn geflutet

So schnell werden zwei Polizistinnen diesen Einsatz nicht vergessen. Ein Bewohner eines Mehrfamilienhauses hatte angerufen, weil Wasser durch die Decke lief. Hinter der Tür trafen die Beamtinnen auf einen Stadthäger, der seine Wohnung geflutet hatte und in verschiedenen Stimmen mit sich selbst sprach. „So etwas“ hatte eine der Frauen „noch nie gehört“.

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Stadthagen/Bückeburg. Gesehen vermutlich auch nicht: Weil die Sicherung rausgedreht war, funktionierte keine Lampe. Dafür liefen alle Wasserhähne, sämtliche Fenster standen weit offen. Der Wohnungsinhaber wollte „saubermachen“, wie er selbst erklärte. Die zweite Polizistin nimmt an, „dass er das Wasser eimerweise ausgekippt hat“.

 Auf seinem Bett sitzenbleiben wollte der Mann trotz Aufforderung nicht. Mit Fäusten ging er auf die Polizistinnen los, die Prellungen und Blutergüsse erlitten. Gemeinsam gelang es schließlich, dem Mann Handfesseln anzulegen. Zunächst war der Stadthäger stolz auf sich, denn er erklärte mehrfach: „Ich habe die Staatsgewalt geschlagen.“ Vor der 1. Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht entschuldigte sich der 49-Jährige bei den Frauen.

 Verurteilt werden konnte der Stadthäger nicht, denn zum Tatzeitpunkt im November 2013 litt er unter Wahnvorstellungen und war schuldunfähig. Schuld ist im deutschen Rechtssystem die Voraussetzung für Strafe. Weil der psychisch kranke Mann laut Gutachten eine Gefahr für die Allgemeinheit ist, ordnete das Gericht stattdesssen die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie an, setzte die Vollstreckung jedoch zur Bewährung aus.

 Hintergrund: Seit Dezember 2013 lebt der Stadthäger durchgängig in einem Heim und bekommt Arznei. Nach Angaben der Heimleiterin gibt es keine Probleme. Wenige Wochen vor dem Zwischenfall hatte der Stadthäger dagegen eigenmächtig seine Medikamente abgesetzt. Zur Tatzeit hörte er „Stimmen, die mir gedroht haben, dass sie mich erschießen wollen“. Dass eine Polizistin ihn aufs Bett geschubst habe, empfand er als „Provokation, auf die ich mit einer Kurzschlusshandlung reagiert habe“.

 Nachdem einer Sachbeschädigung war der Stadthäger früher einmal in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Mehrfach war der gebildete Mann zudem in Kliniken, zum Teil lebte er in Heimen, zuletzt wieder in einer eigenen Wohnung – bis zur Tat.

 Verbunden ist das Urteil mit strengen Auflagen. So muss der 49-Jährige weiter im Heim wohnen, die verordneten Medikamente nehmen, sich alle drei Monate in einer forensischen Ambulanz vorstellen und regelmäßig zum Drogentest. Zudem steht er fünf Jahre unter Führungsaufsicht. Darunter versteht man Überwachung durch eine besondere Stelle, um weitere Straftaten zu verhindern.

 Richter Kütemeyer appellierte an den Kranken, regelmäßig Medikamente zu nehmen, sonst könne die Bewährung widerrufen werden. Die Unterbringung in einer Landesklinik, einem Krankenhaus mit vergitterten Fenstern, wird zunächst auf unbestimmte Dauer angeordnet – im schlimmsten Fall für immer. ly

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