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Wünsche äußern und Intoleranz nicht ertragen

Bückeburg / Stadtjugendring Wünsche äußern und Intoleranz nicht ertragen

Um die jungen Leute in Bückeburg auf die Kommunalwahl aufmerksam zu machen und diese zum Gang an die Wahlurne zu bewegen, hat der Stadtjugendring insgesamt 596 potenzielle Erstwähler im Alter von 16 bis 19 Jahren zu einer Informationsveranstaltung in die Jugendfreizeitstätte eingeladen. Vonseiten der Lokalpolitik sollten sich diesem Publikum die Spitzenkandidaten der sieben Parteien und Wählervereinigungen, die für einen Sitz im Stadtrat kandidieren, vorstellen und ihm Rede und Antwort stehen.

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Bei der von Dirk Assel (Dritter, von links) moderierten Veranstaltung stellen sich die Wahlkandidaten Andreas Paul Schöniger (von links), Axel Wohlgemuth, Brigitte Bödeker, Anka Knechtel und Cornelia Laasch auch den den Fragen des kleinen, jugendlichen Publikums. © wk

Bückeburg (wk). Was die Resonanz betrifft, blieb die Beteiligung jedoch weit hinter den Erwartungen der Organisatoren zurück. Nicht nur, dass am Freitagabend lediglich fünf Parteien mit einem Kandidaten bei dem Podiumsgespräch vertreten waren, von den knapp 600 eingeladenen Jugendlichen waren gerade mal sieben erschienen – obwohl im Vorfeld als materieller Anreiz die Verlosung eines iPod angekündigt worden war.

Dementsprechend betrübt war Christoph Struckmann, der Vorsitzende des Stadtjugendringes: Es sei für ihn „enttäuschend“, dass einige politische Gruppierungen nicht dabei seien, resümierte er mit Blick auf die Wählervereinigung „Bürger für Bückeburg“ und die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP). Verantwortlich für die äußerst geringe Beteiligung der jungen Menschen machte er nicht zuletzt auch die Parteien selbst. Diese müssten sich ebenfalls fragen, woran es im Einzelnen liege, dass nur so wenig Jugendliche zu der Veranstaltung gekommen seien.

Ungeachtet des kleinen Zuhörerkreises wurde die von Dirk Assel, ehemaliger Vorsitzender des Schaumburger Kreisjugendringes, moderierte und in drei Abschnitte eingeteilte Gesprächsrunde aber dennoch wie geplant durchgezogen. Zunächst stand eine persönliche Vorstellung der auf dem Podium sitzenden Wahlkandidaten an, bei der diese Auskunft über ihre Freizeitinteressen außerhalb der Lokalpolitik geben sollten.

Gut eine halbe Stunde lang durften Anka Knechtel (SPD), Axel Wohlgemuth (CDU), Cornelia Laasch (Bündnis 90/Die Grünen), Brigitte Bödeker (FDP) und Andreas Paul Schöniger (WIR) von ihren Lieblingsbüchern, musikalischen Interessen, Theaterbesuchen, Urlaubsreisen und anderen Dingen erzählen, bevor es dann politisch wurde.

Auf Assels Frage, was die Parteienvertreter denn von den Wählern erwarten, entgegnete Bödeker, dass es wichtig sei, „dass sie sich interessieren“. Knechtel konkretisierte, dass sich die Wähler – insbesondere die jungen Menschen – mehr in die Kommunalpolitik einbringen sollten. „Die Politiker warten ja auch darauf, dass die Bürger mit Wünschen zu ihnen kommen“, bestätigte Laasch, die an die Ausübung des Wahlrechts appellierte. Die Wähler sollten ihr Augenmerk nicht nur auf ihre eigenen Lebensumstände richten, sondern sich auch mit darüber hinausgehenden Dingen und der Gesellschaft als Ganzes befassen. „Mehr Interesse“ an der Kommunalpolitik und der bevorstehenden Wahl forderte Schöniger: „Hier müsste der Laden normalerweise voll sein“, monierte er angesichts der fast 600 verschickten Einladungen.

In der zweiten Fragerunde verlas Assel von den jugendlichen Zuhörern auf Zetteln eingereichte Fragen, wobei diese Zettel später übrigens als Teilnahmekarten für die iPod-Verlosung dienten. Ob die fünf Parteien beziehungsweise die Wählervereinigung auch etwas für Bückeburger Jugendliche im Programm haben, wollte ein Teilnehmer wissen: In der Vergangenheit habe man bereits eine Skateranlage und eine Bahn für Dirtbikes gebaut, sagte Knechtel. Man wolle zwar noch mehr machen, benötige dafür aber Informationen über die Interessen der Jugendlichen. Zum Wahlprogramm der SPD gehören außerdem der Ausbau der Ganztagsschulen und die Unterstützung der Sportvereine. Wohlgemuth erklärte, dass die CDU sozial schwachen Kindern und Jugendlichen für ein Jahr die Mitgliedschaft in einem Verein ermöglichen wolle sowie eine Bildungsoffensive im Programm habe. Leider sei die Stadt Bückeburg finanziell nicht so gestellt, dass man alles realisieren kann, schränkte er ein.

„Es gibt nichts Wichtigeres als die Zukunft der jungen Leute“, befand Bödeker, die der Meinung war, dass Senioren bereits eine gute Lobby innerhalb der Politik hätten. In der FDP mache man sich beispielsweise „Gedanken“ darüber, „ob wir ’was für die Mountainbiker machen können“, denn dabei handele es sich um ein „große Gruppe“. Ein solches Vorhaben müsse dann aber im Einklang mit der Natur und anderen Radfahrern stehen. An „Förderprogrammen“ für die Jugend dürfe nicht gespart werden, meinte Schöniger und befürwortete den geplanten Bau einer Multifunktionsanlage in Bückeburg. Außerdem wolle WIR das „Bündnis für Familien“ weiter vorantreiben. Laasch berichtete, Bündnis 90/Die Grünen fordere „nicht nur Spielplätze für Kinder, die im Sand buddeln, sondern auch Multifunktionsanlagen und Bewegungsräume für Ältere“, weitere Fahrradstraßen in Bückeburg, einen „Bürgerbus“ sowie die Ausweitung des Bahntarifes des Großraums Hannover auf den Landkreis Schaumburg.

Wer von den Kandidaten etwas gegen Rechtsextremismus unternehmen wolle und was genau, lautete eine weitere Teilnehmerfrage. Es sei keine parteipolitische Frage, dass Gewalt – gleich ob von rechts oder links – „nicht toleriert“ werden dürfe, meinte Wohlgemuth. Beispielsweise müsse jeder Einzelne extremistischem Stammtischgerede „sofort entgegentreten“. Von Knechtel erging der „Aufruf an alle Bürger, möglichst wach durch das Leben zu gehen und Intoleranz nicht zu ertragen“. Laasch erinnerte an die in Bückeburg gegründete „Arbeitsgruppe gegen rechte und linke Gewalt“, die um den 9. November 2011 herum im Stadtgebiet und an den Schulen eine Informationswoche zum Thema Extremismus ausrichten will. Schöniger beklagte, dass es für die Bevölkerung mitunter schwer sei, die heutigen Symbole extremistischer Gruppen zu erkennen.

„Es ist auch eine Möglichkeit, die Rechten einfach zu ignorieren und ihnen nicht diese Aufmerksamkeit zu schenken“, meinte Bödeker. Laasch entgegnete, dass dies „nicht der richtige Weg“ sei. „Problematisch wird es immer dann, wenn jemand nichts zu verlieren hat“, stellte Wohlgemuth fest, und riet, etwa in die Schaffung von Ausbildungsplätzen zu investieren. Das rechte Spektrum ziehe sich durch alle gesellschaftlichen Schichten, aber vor allem bei den sozial-schwächeren werde „geködert“, sagte Schöniger.

Zum Abschluss fragte Assel, welches Motto die fünf Kandidaten in Sachen Lokalpolitik antreibe: „Damit meine Kinder es besser haben“ (Schöniger), „Eine lebenswerte Umwelt erhalten“ (Laasch), „Es immer einen Tucken besser zu machen“ (Wohlgemuth), „Ich will nicht nur meckern, sondern anpacken und gestalten“ (Knechtel) und „Ich wäre schon froh, wenn wir die heutigen Standards bewahren und die Schulden mindern können“ (Bödeker) waren die Antworten.

• Weitere Infos mit Bewertungsmöglichkeit der Stadt finden sich auf www.nextvote.de.

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