Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Bückeburg Stadt Würdige Gedenktafel für alte Synagoge in Bückeburg
Schaumburg Bückeburg Bückeburg Stadt Würdige Gedenktafel für alte Synagoge in Bückeburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:48 20.02.2019
Bückeburg

Weil es Auseinandersetzungen und langwierige Diskussionen mit dem vorherigen Eigentümer, den Zeugen Jehovas, gegeben hat, hängt an der ehemaligen Synagoge in Bückeburg nur die lapidare Tafel: „Dieses Gebäude diente von seiner Erbauung 1866 bis zum 9.11.1938 als Synagoge“. Das wird sich ändern.

Noch im Mai soll eine neue Gedenktafel an dem Gebäude an der Bahnhofstraße gleich gegenüber der Sparkasse aufgehängt werden. Der neue Eigentümer des Gebäudes, Dennis Roloff, sowie Bürgermeister Reiner Brombach und Klaus Maiwald, ehemaliger Leiter der Geschichtswerkstatt der inzwischen aufgelösten Realschule Herderschule und profunder Kenner und Aufarbeiter der Zeit des Nationalsozialismus in Bückeburg, einigten sich jetzt in einem Gespräch auf die neue Tafel. Und sie formulierten den Text, der dort künftig an das Schicksal der Bückeburger jüdischen Gemeinde erinnern und der deportierten und ermordeten Menschen gedenken wird: „Dieses Gebäude wurde 1866 als Synagoge erbaut. Mit dem Pogrom vom 9.11.1938 erlosch das Leben der jüdischen Gemeinde in Bückeburg.“

Zeugen Jehovas lehnten Text ab

Nach einem gescheiterten Versuch der Stadt Bückeburg, eine Gedenktafel im Jahr 1988, dem 50. Jahrestag des Judenpogroms, an der alten Synagoge anzubringen, hatte 1997 Maiwald als Projektleiter der damaligen Geschichtswerkstatt der Herderschule die Initiative für eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge ergriffen. Schließlich gelang es doch noch, die Zeugen Jehovas für eine Tafel, allerdings mit verkürztem Text, zu gewinnen, wie sich Maiwald erinnert. Dieser lautet: „Dieses Gebäude diente von seiner Erbauung 1866 bis zum 9.11.1938 als Synagoge.“

Der ursprünglich von der Schülergruppe eingereichte Text war von der Glaubensgemeinschaft abgelehnt worden. Dieser lautete: „Dieses Gebäude wurde 1866 als Synagoge erbaut. Mit dem 9.11.1938 erlosch das Leben der jüdischen Gemeinde Bückeburg. Das Schicksal der jüdischen Mitbürger mahne unser Gewissen an die Wahrung von Menschlichkeit und Recht.“

An Progrom erinnern

Warum jetzt der letzte Satz nicht mehr auf der neuen Gedenktafel stehen soll? Dazu sagte Bürgermeister Reiner Brombach auf Nachfrage dieser Zeitung, dass der damalige vorgeschlagene Text zu lang erschien und „keinen Roman“ beinhalten sollte. Wichtig sei, dass an das Pogrom vom 9. November 1938 erinnert werde und dieses Wort auf der Tafel steht. Mit der kürzeren Fassung seien sowohl der neue Eigentümer und Klaus Maiwald als auch die Stadt einverstanden.

Die neue Gedenktafel wird von der Stadt Bückeburg bestellt und soll nach dem Abschluss der Straßenbauarbeiten an der Bahnhofstraße voraussichtlich im Mai in einem würdigen Rahmen aufgehängt werden. Finanziert wird die Tafel über die Rautenberg-Stiftung.

Scheußliche Beleidigung

Erwin Rautenberg war der letzte ehemalige jüdische Mitbürger der Stadt Bückeburg, der den Holocaust überlebt hatte. Er war 1997 zum Festakt von Los Angeles nach Bückeburg angereist, wie Maiwald in einem im November 2017 in dieser Zeitung veröffentlichten Artikel schreibt. In einem Brief an den damaligen Bückeburger Bürgermeister Helmut Preul berichtete Rautenberg danach in sehr bewegten Worten von seinen Eindrücken dieses Besuches. Nach der Schilderung des Schicksals seiner Familie, von der nur er überlebt hatte, ging er sehr deutlich auf die Gedenktafel ein. Zitat: „Der Text der Gedenktafel ist eine verkappte und scheußliche Beleidigung der Ermordeten. Die Tafel muss durch eine neue Tafel ersetzt werden. Ich habe gehört, dass Sie erst einen besseren Text wollten, der aber von den Zeugen abgelehnt wurde. Solch eine Tafel soll der Menschen und ihrer Leiden gedenken. Bitte veranlassen Sie das. Ihr Erwin Rautenberg.“

von Raimund Cremers