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Wunden lecken bei beiden Kandidaten

Bückeburg / Bürgermeisterwahl Wunden lecken bei beiden Kandidaten

Trauer bei der CDU, und angesichts des äußert knappen Ergebnisses wollte bei der SPD auch nicht so recht gute Stimmung aufkommen. So lassen sich die Reaktionen auf das knappe Wahlergebnis der Bürgermeisterwahl zusammenfassen, wo letztlich Amtsinhaber Reiner Brombach (SPD) mit einem Vorsprung von gerade einmal 77 Stimmen zu seinem Herausforderer Axel Wohlgemuth (CDU) über die Ziellinie ging.

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Bei der Wahlparty in der „Hofapotheke“ lässt Reiner Brombach (SPD) auch noch einmal den Wahlkampf Revue passieren.

Quelle: wk

Bückeburg. „Ein Ergebnis, das uns sehr geschockt hat“, wie der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Jens Meier am Montag nach der geschlagenen Wahl einräumte: „So eng haben wir das alle nicht erwartet.“ Insbesondere die Verluste in den Hochburgen Röcke und Evesen, aber auch in Bergdorf schockten die Genossen. „Da müssen wir noch viel analysieren“, so Meier.

 „Davon ausgegangen, dass es reicht“

 Reiner Brombach bezeichnete diese Verluste als „Überraschung“. Sowohl er als auch die SPD müssten sich den Vorwurf machen, dass „wir uns in unseren Hochburgen zu sicher waren. Wir haben zu wenig Aktivitäten gezeigt“. Er sei zwar öfters vor Ort präsent gewesen, diesen Hochburgen müsse man aber in Zukunft „erhöhte Pflege angedeihen lassen“. Brombach: „Ich bin davon ausgegangen, dass es reicht.“

 Meier spekulierte, dass Brombach zwar auf der einen Seite von seinem Amtsbonus profitiert hat, auf der anderen Seite habe Brombach in den vergangenen acht Jahren aber auch mal dem einen oder anderen auf die Füße treten müssen, was mancher Wähler mit einer Retourkutsche geahndet haben könnte: „Wohlgemuth ist dagegen als ‚everybodys darling‘ durch die Stadt gezogen und hat Wahlkampf gemacht.“ Letztlich werde es jedoch einen ganz klaren Grund für die Verluste Brombachs nicht geben. Und versöhnlich: „Wir stellen den Bürgermeister.“

 Das wurde bei der SPD-Wahlparty in der „Hofapotheke“ deutlich. Mit einem Strauß Blumen, der von den Dimensionen her kurioserweise hervorragend zu dem äußerst kleinen Vorsprung in Sachen Wählerstimmen passte, gratulierte die SPD Reiner Brombach zur Wiederwahl. Dazu gab es reichlich Händeschütteln, Schulterklopfen und Umarmungen der Genossen. Bevor sich der neue alte Bürgermeister aber ein kühles Bier genehmigte und auf Feierabend umschaltete, erinnerte er noch einmal daran, dass der nur hauchdünne Vorsprung vor Axel Wohlgemuth auch dem Aspekt geschuldet sei, dass der Herausforderer bei nahezu allen Themen ähnliche Standpunkte wie er, Brombach, bezogen habe. Allein hinsichtlich der viel diskutierten Rekommunalisierung des Stromnetzes habe Wohlgemuth eine konträre Meinung vertreten. Nebenbei verriet Brombach, dass er für den Fall der Abwahl noch einen beruflichen Plan B in der Tasche gehabt hätte. In den Ruhestand wäre er jedenfalls nicht getreten, betont der Bürgermeister.

 An sich wollte die CDU im Anschluss an die Bürgermeisterwahl eine fröhliche Wahlparty im „Ratskeller“ feiern. Doch nach der Wahlniederlage ihres Kandidaten glich die Zusammenkunft eher einer Trauerfeier: Sichtlich niedergeschlagen, die Augen glasig, gab Herausforderer Axel Wohlgemuth zu, dass es schon bitter ist, mit einem solch knappen Ergebnis zu verlieren. Der allgemeine Tenor im Raum, die von ihm erreichten 49,65 Prozent seien angesichts der Tatsache, dass der Christdemokrat ja gegen den langjährigen Amtsinhaber (50,34 Prozent) angetreten sei, ein „super Ergebnis“, vermochte ihn aber am Sonntagabend nicht zu trösten. Und auch nicht am Montagmittag, als Wohlgemuth auf Anfrage sagte: „Es nimmt einen schon mit, trifft einen emotional, wenn es ein so enges Ergebnis ist.“

 Wie schwer die Kröte zu schlucken war, verriet am Sonntagabend nicht zuletzt die von Parteifreund Hermann Kempf mehrfach ausgesprochene – im Grunde aber hilflos anmutende – Anmerkung, dass man die ganzen Wahlzettel eigentlich noch mal auszählen lassen müsste, um vielleicht doch noch auf eine Stimmenmehrheit zu kommen. Aufgegriffen wurde dieser Gedanke bei der weiteren Diskussion allerdings nicht. Auch Wohlgemuth lehnte den Gedanken am Montag ab: „77 Stimmen sind letztendlich schon deutlich.“

 Spekulieren auf eine frühe zweite Chance

 Als Zweckoptimismus dürfte dagegen der Kommentar von Peter Kohlmeyer zu bewerten sein: Aufgrund Alters werde Reiner Brombach (63) „sicherlich“ nicht die vollen acht Jahre Amtszeit durchziehen, sodass sich schon früher eine zweite Chance für Wohlgemuth ergeben könnte.

 Mehr verfing da schon der schwarze Humor eines anderen Parteimitgliedes: „Hätte ich gewusst, dass es so knapp wird, hätte ich Dich gewählt“, verkündete dieser mit Betonung des Wortes „Dich“. Da musste denn auch Wohlgemuth lachen. Der noch betonte, dass ihm der mehrmonatige Wahlkampf viel Spaß gemacht habe und er in dieser Zeit auch viel habe lernen können.

Am Dienstag um 16 Uhr entscheidet der Wahlausschuss über das Endergebnis. Dann werden auch die fehlenden 0,01 Prozent korrigiert, die durch Rundungen der EDV-Anlage entstanden sind.

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