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Zeitreise im Bückeburger Schloss

Lebendige Barocktage Zeitreise im Bückeburger Schloss

Wie mag sich ein einfacher preußischer, französischer, englischer oder schaumburg-lippischer Soldat gefühlt haben in jener Schlacht bei Minden, als es Graf Wilhelm Friedrich Ernst zu Schaumburg-Lippe mit nur zehn Kanonen gelang, seine bei Todtenhausen errichteten Schanzen gegen eine Übermacht französischer Elitetruppen zu verteidigen und damit den Ausgang der Schlacht zugunsten der preußisch-britischen Seite zu wenden?

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Hanna, Laura, Elisabeth und Amelie verkörpern Angehörige des Regiments von Hardenberg.

Bückeburg. Ein klein wenig dürfte sich das Publikum in das Getöse jenes legendären Schlachtengetümmels am 1. August 1759 versetzt gefühlt haben bei der Darbietung des großen Feldmanövers im Schlossgarten, einem der unbestreitbaren Höhepunkte während der „Lebendigen Barocktage“.

Es war das dritte Mal, dass das Bückeburger Schloss zu dieser zweitägigen Zeitreise in die Ära des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe eingeladen hatte. Genauer: Ins Jahr 1765, also zwei Jahre nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges, dem Graf Wilhelm sechs Jahre zuvor durch sein militärisches Können insbesondere im Umgang mit der Artillerie auf dem westlichen Kriegsschauplatz die entscheidende Wende verliehen hatte. Noch mehr Akteure, noch mehr authentische Ausstattung, Gewänder und Uniformen, noch mehr echte, wirklichkeitsgetreue Historie aus der Epoche Friedrichs des Großen, Voltaires, Herders und Maria Theresias: Die „Lebendigen Barocktage“ legen Wert auf Authentizität und historische Präzision bis ins kleinste Detail: Jedes Untergewand, jeder Uniformknopf, jede Schuhschnalle entspricht dabei der geschichtlichen Realität. Ein wenig wirken die „Lebendigen Barocktage“, die nahezu ausschließlich von Angehörigen des sogenannten Reenactings, also Darstellern mit dem Anspruch allerhöchster historischer Exaktheit und Detailtreue, getragen werden, damit wie ein diametraler Gegenentwurf zu dem im Juli nur wenige hundert Meter entfernt stattfindenden „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“, welches ganz bewusst mit dem Slogan „phantastisch, nicht authentisch“ wirbt. So weit geht der hohe Anspruch der „Lebendigen Barocktage“, dass historisch gewandete Besucher nicht zugelassen sind: Die Darstellung des höfischen und militärischen Lebens der Zeit des Grafen Wilhelm ist ausschließlich den „geprüften“ Reenactorn vorbehalten.

Als künstlerischer Leiter der erstmals vom Schloss Bückeburg in Eigenregie organisierten „Lebendigen Barocktage“ (ins Leben gerufen wurde die Veranstaltung vor zwei Jahren von der Fürstlichen Hofreitschule) fungiert der Mindener Historiker Markus Stickdorn. Er führte in der historisch originalgetreuen Uniform eines Artillerieoffiziers zum einen als Moderator durch das zweitägige Zeitreise-Event und erläuterte dem Publikum einzelne Darbietungen und Szenen. Zum anderen stieg er aktiv in so manches Geschehen ein. Zum Beispiel als Befehlshaber beim Feldmanöver auf der Gartensaalwiese, bei dem unter Einsatz zweier lautstarker Kanonen und zahlreicher kaum weniger phonstarker Schwarzpulvergewehre von nahezu einhundert Soldaten der Sturm einer Abteilung Infanterie auf eine mit Artillerie bewaffnete Feldschanze simuliert und geübt wird. Was jedoch nur zu Beginn so diszipliniert und geplant abläuft, wie von Markus Stickdorn angekündigt. Als der nämlich nach dem Aufmarsch der Linieninfanterie mit aufgepflanztem Bajonett den Befehl zum Ende des Manövers gibt, scheren sich „diese lausigen Kerls, die noch nicht einmal ordentlich lesen und schreiben können“ im Überschwang des Gefechtseifers schlicht und einfach nicht darum und lassen zum höchstmöglichen Vergnügen der Zuschauer rund um die Schanze eine heillos chaotische Prügelei ausbrechen. Hat jemals einer behauptet, Geschichte sei trocken, fad und langweilig?

Zahllose andere Programmpunkte machten in diesem Jahr die Barocktage zum Erlebnis erster Güte, so zum Beispiel eine barocke Tafelei im Festsaal mit Speisen und Tischsitten der Barockzeit, Tanz- und Fechtdarbietungen, Waffengänge zu Pferde, höfische Barockmusik, Exerzier- und Schießübungen im Schlosshof sowie Duelle mit Pistole und Degen. jp

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