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Zu viele Hunde, zu viele Katzen, zu wenig Geld

Bückeburg / Rinteln Zu viele Hunde, zu viele Katzen, zu wenig Geld

In einem eindringlichen Appell hat sich das Tierheim an die Öffentlichkeit gewandt. „Wir brauchen Hilfe von allen Seiten und für alle Bereiche, insbesondere Spenden“, sagte Monika Hachmeister, die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Bückeburg, Rinteln und Umgebung als Träger des Tierheims, in einem Pressegespräch: „Uns steht das Wasser bis zum Hals, es ist fünf vor 12, wir werden es nicht mehr lange schaffen.

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Holt uns hier raus: 130 Katzen sind derzeit im Tierheim untergebracht, 200 werden an Futterstellen versorgt. © pr.

Bückeburg/Rinteln (rc). Wir werden aber alles tun, um das Heim zu erhalten.“

Seit etwa zwei Jahren deutet sich die finanzielle Misere an (wir berichteten). Sie hat sich inzwischen aber so zugespitzt, dass Monika Hachmeister am Anfang des Monats nicht weiß, wie sie die Rechnungen am Ende des Monats bezahlen soll. Zwischen 20- bis 25.000 Euro Gesamtkosten laufen im Monat auf. Davon decken die Kommunen, die gesetzlich verpflichtet sind, für Fundtiere zu zahlen, etwa 16 Prozent; im Jahr eine Summe von 42.000 Euro.

Die verbleibenden 84 Prozent muss das Tierheim über Mitgliedsbeiträge der 300 Mitglieder, Abgabebeiträge für vermittelte Tiere und vor allem aus Spenden finanzieren. Und die sind in den vergangenen Monaten deutlich zurück gegangen. Auch Erbschaften, die dem Tierheim früher des Öfteren gemacht wurden, gibt es kaum noch.

„Noch sind wir schuldenfrei“, sagte die Tierheim Chefin, aber: „Bevor wir Schulden machen, werden wir das Heim schließen.“ Wie lange finanzielle Reserven noch reichen oder aber wann geschlossen werden muss, sollte der Spendenappell nicht die erhoffte Wirkung haben, dazu wollte sich Hachmeister nicht äußern: „Ich möchte keine Panik verbreiten.“

Auf jeden Fall sind so gut wie alle Sparpotenziale ausgeschöpft: Nur noch in jeder zweiten Fassung brennt eine Birne, den ganzen Winter über wurde nicht geheizt, neue Geräte zur Raumpflege gibt es nicht. Und weil der alte Rasenmäher seinen Geist aufgegeben hat, werden große Teile des Geländes nicht mehr gemäht. „Ich habe den Bauhof angerufen, vielleicht kann der helfen.“

Trotz aller Sparbemühungen rennen dem Tierheim auf der anderen Seite die Kosten davon. Rund 250 Euro kostet die Versorgung eines Fundtieres: kastrieren, entwurmen, impfen und entflohen. Und es gibt immer mehr Fundtiere, nicht nur Katzen, wie in den vergangenen Jahren, sondern inzwischen auch immer mehr Hunde.

„Seit es das neue Hundegesetz gibt, vergeht kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften“, wetterte Monika Hachmeister: „Das Gesetz ist einfach nicht zu Ende gedacht.“

Weil das neue Gesetz Hundehaltern vorschreibt, für ihren vierbeinigen Liebling eine Haftpflichtversicherung abzuschließen und ihn chippen zu lassen sowie künftig auch einen Sachkundenachweis fordert, entledigen sich Halter ihres Tieres.

Einige kommen korrekt und übergeben ihr Tier – weinend – an das Heim zur Weitervermittlung – weil sie sich das Tier nicht mehr leisten können. Hachmeister: Manchmal müssen wir mit weinen.“ Inzwischen ist ein Abgabestopp für solche privat abgegebenen Tiere verhängt worden.

Andere werfen dagegen ihr Tier über den Zaun des Heims, so wie vor vier Tagen einen Chihuahua. Oder binden sie draußen an, wie vor einigen Tagen zwei Dackel. Meistens sind diese Tiere auch noch krank oder schlecht ernährt, haben Hachmeister und ihre Mitarbeiter feststellen müssen: Entsprechend teuer wird es, diese Tiere zu versorgen und wieder aufzupäppeln, um sie überhaupt weitervermitteln zu können.

Und, da beißt sich die berühmte Katze, beziehungsweise Hund in den Schwanz: Weil der Gesetzgeber höhere Anforderungen stellt, gibt es auch weniger Interessenten, die einen Hund haben möchten.

Das Ende vom Lied: Noch nie sind im Tierheim so viele Hunde untergebracht, wie in diesen Tagen, weit über 50, alle Boxen sind zwei- bis dreifach belegt. Und es gibt eine Warteliste.

Ähnlich sieht es bei den Katzen aus. Im Moment sind rund 130 im Tierheim untergebracht – mit wachsender Tendenz. So wurden neulich erst drei Katzen vor dem Tierheim aus einem fahrenden Auto geworfen, eine in so erbärmlichen Zustand, das sie eingeschläfert werden musste, eine Zweite schwanger. „Also demnächst wieder einige Katzen mehr.“

Dazu kommen rund 200 Katzen, die vom Tierschutzverein an Futterstellen versorgt werden, die dort ein trockenes Plätzchen und ihr tägliches Futter bekommen, ansonsten aber völlig frei und wild leben. Sie sind zuvor von den Tierschützern eingefangen und kastriert worden, um der Katzenschwemme Herr zu werden. Rund 200 Katzen haben die Tierschützer in den vergangenen vier Monaten eingefangen, kastriert und wieder ausgesetzt.

Den Hauptteil davon übrigens im Rintelner Stadtgebiet, wo allein 100 Katzen versorgt wurden. „Und dann erhalten wir von der Stadt Rinteln einen Brief, dass es kein Katzenproblem gibt und die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen daher nicht umgesetzt wird.“ Wie übrigens in keiner Schaumburger Kommune im Gegensatz zu Porta Westfalica, wie Hachmeister anmerkt. Immerhin hat Bückeburg einen zusätzlichen Zuschuss von 2500 Euro für die Kastrationen gegeben, Rinteln 1500, die restlichen Kommunen nichts.

Monika Hachmeisters Fazit: „Ich mache das seit 15 Jahren, aber die vergangenen Monate toppen alles. Meine Mitarbeiter haben mir schon ein Hamster-Laufrad geschenkt, weil wir immer wieder gegen etwas anrennen. Aber wir kämpfen weiter. 19 Tierheime sind in den vergangenen Monaten in Deutschland geschlossen worden, Bückeburg soll nicht das 20. sein.“

• Dass das nicht eintritt, hier Telefonnummern, für die, die helfen wollen: (0 57 22) 52 20 während der Öffnungszeiten täglich von 15 bis 17 Uhr außer freitags und sonntags von 11 bis 13 Uhr. E-Mail: tierheimbueckeburg@web.de, Internet: www.tierheimbueckeburg.de.

• Spendenkonto: Sparkasse Schaumburg, Kto.-Nr.: 333 220 721, BLZ: 255 514 80. Bitte die Adresse mit angeben, da Spendenquittungen ausgestellt werden können.

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