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Bückeburg Stadt Zur Therapie nach Kuba
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19:45 17.10.2018
Erka-Med-Chef Klaus-Günter Kruse (rechts) mit seinen beiden kubanischen Gästen Professor Lazaro Perez, Klinikdirektor aus Havanna, und Dr. Iliana Reyez, Leiterin der staatlichen kubanischen Patientenbetreuung aus dem Ausland. Quelle: JP
Bad Eilsen

Im ersten Moment mag es verwunderlich klingen, doch hat sich in den vergangenen Jahren unter dem Schlagwort „Kuba Therapie“ ein regelrechter Medizin-Tourismus auf die Karibikinsel entwickelt. Seit Jahren engagiert in Sachen Kuba-Medizin ist Klaus Kruse, früher Verwaltungsdirektor des Krankenhauses Bethel in Bückeburg: Mit seiner in Bad Eilsen ansässigen Gesellschaft Erka-Med GmbH vermittelt er Patienten zur Behandlung in die Karibik.

Kruse ist von den therapeutischen Möglichkeiten der Zuckerrohr-Insel überzeugt: „Die kubanische Medizin ist der in den westlichen Industriestaaten mindestens ebenbürtig und in Teilbereichen sogar fortschrittlicher.“

Behandlung statt Erblindung

Im Fokus stehe dabei vor allem die Behandlung der Retinopathia pigmentosa, einer erblich bedingten Degeneration der Netzhaut, die zu einer erheblichen Einschränkung der Sehkraft und im Endstadium bis zur Erblindung führt. „Nur auf Kuba gibt es für diese Erkrankung eine Behandlungsmöglichkeit“, so Kruse. „Die kubanischen Ärzte können den Prozess zwar nicht umkehren, aber ihren Fortschritt stoppen.“ In Deutschland dagegen erhalte man bei der Diagnose sofort die Empfehlung, sich schon einmal vorsorglich mit Blindenschrift zu beschäftigen.

Doch die bereits in den Achtzigerjahren auf Kuba entwickelte Behandlung der Retinopathia pigmentosa ist in Deutschland stark umstritten: Der Berufsverband der Augenärzte sowie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft verweisen in einer gemeinsamen Stellungnahme aus dem Jahr 2009 darauf, dass es keine wissenschaftlichen Belege für deren Wirksamkeit gebe. Und die landesweit tätige Selbsthilfegruppe Pro Retina und deren wissenschaftlicher Beirat warnen vor schwerwiegenden Komplikationen. Der ehemalige Bethel-Verwaltungschef hat an der Wirksamkeit der Kuba-Therapie keine Zweifel: „Wäre ich nicht selbst absolut davon überzeugt, würde ich keine Patienten dorthin vermitteln.“

Viel Kritik für Kuba-Therapie

Sucht man im Internet, so stößt man schnell auf heftige Diskussionen über den kubanischen Therapie-Ansatz: Scharlatanerie und reine Placebo-Wirkung werfen ihm die Gegner vor. Die Befürworter argwöhnen hinter der Kritik hingegen die Einflussname mächtiger medizinischer Lobby-Gruppierungen. Um die Kostenübernahme der Kuba-Therapie durch die Krankenkassen wurden bereits Prozesse geführt.

Auch in der Krebstherapie gehe man auf Kuba neue, fortschrittlichere Wege, sagt Kruse. So sei dort bereits 2015 der erste Impfstoff gegen Lungenkrebs vorgestellt worden. Im Juli dieses Jahres berichtete das staatlich gelenkte Gesundheitssystem der Insel von einem Impfstoff gegen Tumore in den Eierstöcken und der Leber, der sich bereits in der zweiten Erprobungsphase befinde. Ebenfalls von Erka-Med nach Kuba vermittelt werden Patienten mit Haut-, Zahn- oder neurologischen Erkrankungen.

Für eine Woche war jetzt mit Dr. Iliana Reyez die Leiterin der staatlichen kubanischen Patientenbetreuung aus dem Ausland bei der Erka-Med in Bad Eilsen zu Gast. Gekommen war sie in Begleitung von Professor Lazaro Perez, dem Direktor einer auf internationale Patienten spezialisierten Klinik in Havanna. Er führte hier Patientengespräche. jp