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Zwei Dons begeistern doppelt

Kultur auf Schloss Baum Zwei Dons begeistern doppelt

Einmal männlich, einmal weiblich: Zu ihrem Gastspiel im lauschigen Schloss Baum hatte die „Canaillen Bagage“ jetzt gleich zwei „Don Quichottes“ mitgebracht.

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Ein toller Regieeinfall: Don Quichotte und Sancho Pansa sind Frauen.

Quelle: mig

Bückeburg. Der Regie-Einfall begeisterte durch die Spannung, die er erzeugte – und weil beide Akteure weit über dem Niveau eines Amateur-Theaters spielten.

 Freilufttheater auf Schloss Baum – das hat inzwischen eine lange Tradition. Seit vielen Jahren bietet die Ruine im vorderen Teil des Parks eine tolle Kulisse: wildromantisch und in die Natur eingebettet. Wobei Letzteres natürlich – zumindest bis zu einem gewissen Punkt – ein Problem darstellt. Einmal, weil solche Aufführungen immer vom Wetter abhängig sind. Zum zweiten zieht der nahe Teich Schwärme von Mücken an. Weshalb man auf den ersten Blick erkennt, wer diese Vorstellungen schon öfter besucht und Vorsorge betrieben hat. Und wer eben nicht. Erstere haben meist einen Schirm dabei und eine Unterlage für den – eventuell nassen – Sitz. Darüber hinaus geht es zu wie im Autokino: Süßigkeit, ein Bierchen oder ein leckerer Wein – all das gibt einer solcher Aufführung erst die richtige Würze.

 Das Wetter spielte an diesem Tag ebenfalls mit. Ohne Regen konnte das Stück im Freien stattfinden. Während im Rücken der Zuschauer die Sonne unterging und Frösche leise quakten.

  Das Stück selbst dürfte im Grunde jeder kennen: „Don Quichotte – der Ritter von der traurigen Gestalt“ ist schließlich weltbekannt. Umso mehr kommt es auf Nuancen und Feinheiten an, auf Regie-Einfälle und natürlich – auf das Schauspiel selbst. Und das war, um es gleich vorwegzunehmen, auf allerhöchstem Niveau. Die Akteure (sämtlich Absolventen der theaterpädagogischen Fortbildung der Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater NRW) spielten so überzeugend, das man niemals den Eindruck eines Laien-Ensembles durchschien. Diese „freie Theatergruppe“ lieferte eine bis ins letzte Detail stimmige Aufführung.

 Daran hatte auch das Team im Hintergrund großen Anteil. Die Maske beispielsweise, die die Schauspieler großartig ausstaffierte. Oder die Regie, die dem Stück eine ganz neue Form gab. Denn aus Don Quichotte und Sancho Pansa wird unversehens ein „doppeltes Lottchen“ – ein zweites (weibliches) „Paar“ taucht auf. Und so werden an diesem Abend auch zwei Geschichten erzählt: die von Don Quichotte. Und die einer Theatergruppe, die das Stück probt. Aus dem oft gespielten Klassiker wird so ein Stück im Stück mit einer ganz eigenen, weiblichen Note.

 Spannend auch wie die Bagage mit dem Thema Tragik/Komik umgeht. Ist es nun lustig, wenn sich Don Quichotte einen Teller statt eines Helms aufsetzt? Oder wenn er gegen Riesen kämpft, die eigentlich nur in seiner Einbildung zu sehen sind? Kann eine Geisteskrankheit lustig sein? Und ist es überhaupt eine Krankheit, wenn man einem Ideal folgt?

 Auf Schloss Baum wird der Klamauk inszeniert, wie in den frühen Slapstick-Filmen. Schlägereien werden mit Tönen untermalt und so gespiegelt. Das ist immer noch lustig, lässt aber auch nachdenklich werden. Ohnehin ist es die literarische Kraft dieses Klassikers, die das Publikum bis heute in den Bann zieht. Etwa, wenn Miguel de Cervantes Don Quichotte sagen lässt, dass „derjenige, der einen Freund verliert, viel verliert, wer aber seinen Mut verliert, alles verliert“. Oder, dass „Tatsachen die Feinde der Phantasie“ sind. Man würde es sich so sehr wünschen, dass der verträumte Don seinem Ideal weiter treu bleibt. Und dass er sie irgendwann findet, seine Dulcinea del Toboso.  mig

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