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Geklaut, um Familie zu unterstützen

Zwei Ladendiebinnen verurteilt Geklaut, um Familie zu unterstützen

Weil sie Pakete mit Lebensmitteln in ihr Geburtsland schicken und Verwandten helfen wollten, haben eine Mutter (74) und deren Tochter (39) in Bückeburg Ladendiebstähle begangen. In der Heimat, so erzählten beide Frauen vor dem Amtsgericht Bückeburg sinngemäß, sei ein Familienangehöriger umgebracht worden.

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Bückeburg. „Die Geschichte mit den Paketen glaube ich Ihnen“, erwiderte Richter Dirk von Behren. „Das ist eine Erklärung für Ihr Verhalten – es ist aber keine Entschuldigung.“ Gegen die Tochter („Ich erkenne meine Schuld an“) verhängte das Gericht eine Geldstrafe von 750 Euro, was in diesem Fall 50 Tagessätzen entspricht.

 Die Mutter muss nur 300 Euro zahlen, weil sie bis zum Prozess nicht vorbestraft gewesen ist. „Ich beziehe nur eine ganz kleine Rente und zahle so viel für die Wohnung“, erklärte sie unter Tränen ihr Motiv, übersetzt durch eine Dolmetscherin. Und weiter: „Ich weiß gar nicht, wie ich’s schaffen soll.“

 Die Tochter ist jetzt zum dritten Mal beim Ladendiebstahl erwischt worden, zweimal davon zusammen mit ihrer Mutter. „Wo soll das denn noch hinführen?“, fragte Richter von Behren. Antwort: „Die Sachen vom ersten Diebstahl wollten wir ebenfalls in unser Heimatland schicken.“ Im Fall der älteren Frau war das Verfahren damals eingestellt worden.

 Die Tochter warnte von Behren vor: „Beim nächsten Mal bekommen Sie eine Freiheitsstrafe.“ Ein nächstes Mal werde es nicht geben, versicherten beide Frauen, bevor sie sich vielmals entschuldigten. „Bei mir müssen Sie sich nicht entschuldigen“, antwortete der Richter. „Aber Sie sollten aufpassen. Sonst landen Sie irgendwann im Knast.“

 In einem Supermarkt an der Hannoverschen Straße hatte eine Frau Waren für rund 50 Euro eingesteckt, die andere für 7,88 Euro, darunter haltbare Dosenwurst und Spielzeug für Kinder. Die Sachen verstauten sie an jenem Abend im vergangenen Oktober in der Jacke beziehungsweise einer Handtasche. Dies blieb jedoch nicht unbemerkt, denn ein Ladendetektiv hatte die Langfinger bereits auf dem Kieker.

 Vor Gericht taten sich die beiden Angeklagten mit ihren Geständnissen anfangs schwer. Sie versuchten, die Tat zu beschönigen. „Wir hatten nicht genug Geld dabei. Im Laden waren sie nicht damit einverstanden, dass wir nach Hause gehen und neues Geld holen“, erzählte die Mutter, bevor sie im selben Atemzug einräumte: „Ehrlich gesagt hatten wir zu Hause auch nicht viel Geld.“

 Bei Ladendiebstahl bekommen Ersttäter im Erwachsenenalter in aller Regel Geldstrafen. Werden solche Diebe allerdings rückfällig, gibt es bald Freiheitsstrafen – und zwar erst noch mit Bewährung, später dann ohne. Geständnisse vor Gericht wirken sich strafmildernd aus.  ly

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