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Zwölfjährige zu 100 Prozent online

Bückeburg Zwölfjährige zu 100 Prozent online

Ganz frische Daten hat Ralf Willius vom Verein „Smiley“ Hannover präsentieren können, als er im Gymnasium Adolfinum vor einem Kreis interessierter Eltern und ein paar Lehrkräften über die Internetnutzung von Kindern referiert hat. Demnach ist inzwischen bei Zwölfjährigen in Deutschland eine Einschaltquote von 100 Prozent erreicht. Willius ist sich sicher: „Das wird noch mehr werden.“ Gemeint war die tägliche Online-Zeit.

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Vater, User, Sozialarbeiter und Internetexperte: Ralf Willius.

Quelle: pr.

Bückeburg. Mehr noch als mit Zahlen wusste Willius mit kleinen Anekdoten aus dem Alltag eines Sozialarbeiters zu gefallen, der seit nunmehr zehn Jahren „morgens mit Schülern, nachmittags mit Lehrern und abends mit Eltern über das Internet spricht“. Pro Schuljahr schaffen die neun Experten aus der Landeshauptstadt mehr als 1000 Schulklassen in ganz Niedersachsen. Aus guten Gründen wird erst im sechsten Schuljahr begonnen und nicht schon im ersten. Als Vater zweier Jungen im Alter von drei und sechs Jahren weiß Willius selbst auch schon ein Lied zu singen über das sinkende Einstiegsalter und den Unterschied von Internetgenerationen. Für die Eltern heißt eine Botschaft des Abends: „Sie werden Ihre Kinder nicht mehr einholen.“

Gleichwohl war der Ton des Vortrags alles andere als resignativ oder gar fatalistisch. Verantwortung und Aufmerksamkeit, nicht zu verwechseln mit Misstrauen und Kontrollzwang, seien mehr denn je gefordert: „Als teilhabende Eltern entscheiden Sie immer noch, was Ihr Kind darf und wo jeweils Grenzen liegen.“ Ein leichtes Raunen, ein kleiner Einwurf: „Wer weiß schon ganz genau, was da gespielt wird?“

Die Statistik der Medienforscher zumindest weiß, wo die Schwerpunkte der User liegen. Demnach ist Youtube nicht nur ganz vorne, wenn es um Unterhaltung geht: „Die Videoplattform ist auch als Suchmaschine und als Informationsquelle ganz stark gefragt.“ Tutorials machen die Runde, Videoclips machen das Rennen, Jungstars machen viel Geld. Werbefeldzüge kommen fast unmerklich mit Glücksbringern und Trendsettern als „Kult“ in großem Glanz daher. Die Beispiele aus den Kinderzimmern und Jugendwelten schienen sattsam bekannt, so verzweifelt herzhaft war das Gelächter.

Blieb das weite Feld der Kommunikation, wo es etwa in den „Gruppen“ des Spitzenreiters WhatsApp manchmal für einzelne Mitglieder wenig zu lachen gibt. Im Chatroom kann es eben vorkommen, dass ein „nettes Kind“ ein ganz anderes Gesicht zeigt, schlimme Worte benutzt, Grenzen des Umgangs verletzt oder gar gegen geltendes Recht verstößt. Willius setzt auf Gespräche: „Man muss mit den Kindern darüber reden. Und man muss Regeln schaffen, die einzuhalten sind.“ In den besuchten Klassen sei Netzkultur das Thema Nummer eins. Ein sittenloser Freiraum, in dem Respektlosigkeit Programm sei, dürfe nicht akzeptiert oder aus Hilflosigkeit toleriert werden. Ein großes Wort findet unter den Internetkindern eine ganz neue Bedeutung: „Dabei sein ist alles.“

Die Frage nach der Altershürde für WhatsApp beantworten junge Adolfiner genauso wie Willius. In einer achten Klasse der Schule war sich im Politikunterricht eine Mehrheit darüber einig, dass die Null zu niedrig und sechzehn Jahre als Grenze zu hoch sei. „Zwölf“ lautet das Lösungswort der Dreizehn- und Vierzehnjährigen. Ein Schüler schreibt, was an diesem Abend sicher viel Zustimmung gefunden hätte: „Ein Kindergartenkind soll draußen spielen und nicht mit dem Smartphone herumlaufen.“ Ein Mädchen fordert, ganz im Sinne des Referenten, die gute alte Vorbildlichkeit der Eltern, aber auch ehrliche Worte: „Ich mach’ es ja auch – und nicht selten.“

Widerspruch erntete Willius in Elternkreisen nicht, als er betonte, was Kinder nicht nur in Onlinespielen suchen und finden und was Schule wohl zu wenig bietet: „Anerkennung! Bestätigung! Erfolg!“ Wertschätzung in Form ernsthafter Bewertung wäre sicherlich auch ein paar Gedanken wert. Von Liebe war übrigens an diesem von Erschrecken, Erstaunen, Heiterkeit und Zuversicht in gleichem Maße geprägten Abend der „Medienkompetenz“, den Sabine Fischer als Organisatorin eröffnete, immer nur indirekt, aber doch ganz unüberhörbar die Rede. Als Smiley kennt das ganz große Gefühl ganz viele verzweifelte Ausdrucksversuche. r

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