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Bad Eilsen / „Schaumburger Nachmittag“

Andrang toppt auch die kühnsten Erwartungen


In machen deutschen Regionen ist Schaumburg als das „Land der roten Röcke“ bekannt. Auch wenn noch anderswo rote Röcke getragen wurden – das größte zusammenhängende Gebiet, in dem dieser Rock zu drei verschiedenen Trachten gehört, gibt es nur hier.

Die heimische Tracht ist festlich und aufwendig: In der Mitte ein Brautpaar, rechts von ihm der Brautbitter, der von Haus zu Haus zog und die Gäste zur Hochzeit einlud.

© sig

Bad Eilsen (sig). Das machte der „Schaumburger Nachmittag“ im Eilser Kursaal deutlich. Tourismusmanagerin Elke Dralle hatte zunächst nur 27 Anmeldungen, befürchtete ein leeres Haus. Die Überraschung war groß, als am Ende 150 Besucher den Saal füllten. Die meisten sind in Schaumburg zu Hause, aber es waren auch Kurgäste darunter.

Renate Gewers aus Nienstädt, Chefin der Trachtengruppe Meinsen-Warber, erläuterte die Bückeburger, Lindhorster und Friller Tracht. Mitglieder ihrer Gruppe hatten angelegt, was einst zur Kleidungsnorm gehörte – von der Tracht der Konfirmandinnen über die Tracht, die man zu Arbeit, Festtag, Abendmahl, Hochzeit und Trauer trug. Manches Kleidungsstück konnte eine Frau nicht allein anlegen; zeitaufwendig war das Anziehen der festlichen Robe ohnehin.

Es gab nicht nur feste Regeln, was man zu welchem Anlass anzuziehen hatte, sondern auch klare Vorstellungen darüber, was nicht ging. Sodurften Frauen nicht in Abendmahlskleidung tanzen. Das galt auch für Konfirmandinnen, wenn sie den festlichen schwarzen Rock trugen.

Sollten sich heutzutage etwa an einem Markttag Frauen mit roten Röcken treffen, könnten Sachkundige ihre Herkunft präzise orten. Gewers: „Das erkenne ich an den unterschiedlichen schmückenden Saumbändern.“
Für Außenstehende ist es schier unmöglich, die Einzelteile der Trachten genau zu beschreiben. Gewers vermag das. Deshalb ist sie auch Chefin der AG „Trachten“ der Schaumburger Landschaft.

Sieht man von den Volkstanzgruppen ab, sind Trachtenträger in der Region fast ausgestorben. Früher saßen rot berockte Frauen aus Todenmann an der Bückeburger Stadtkirche und verkauften Kirschen. Auch auf den Wochenmärkten trugen Anbieterinnen von Obst und Gemüse noch den roten Rock. Die Frauen, die bis an ihr Lebensende der Tracht treu geblieben sind, gibt es nicht mehr.

Gewers: „Wir fertigen, was uns fehlt, selber an – von Perlenhandschuhen bis zur Schleifenhaube und der Brauttracht. Ich besitze alles, was zu den Trachten gehört, und freue mich schon auf den Trachtenmarkt am Sonntag, 1. April, im Dorfgemeinschaftshaus in Cammer.“
Die Kurgäste, darunter Inselbewohner, sind dann längst daheim. Aber auch sie werden sich gern an den „Schaumburger Nachmittag“ erinnern, bei dem Achttourige gezeigt wurden und die Schaumburger Trachtenkapelle den passenden Rhythmus lieferte.

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