Bad Eilsen (sig). Dass eine solche Zahl einmal erreicht würde, daran dachte beim Start vor 16 Jahren niemand. Und dass die Deutsche Rentenversicherung diese anerkannte Kunstförderung im Schaumburger Land weiterhin fortsetzt, war auch kaum zu erwarten. Schließlich soll die Eilser Klinik in erster Linie der körperlichen Regeneration von Patienten dienen. Dass sie dort die nach Behandlungen verbleibende Freizeit auch mit kreativem Tun ausfüllen können, ist jedoch ein sinnvolles ergänzendes Angebot.
Dass diese Kombination nicht schaden kann, zeigt allein die Tatsache, dass später so manche Patientin den Weg zurück nach Bad Eilsen fand, um dort ihre künstlerischen Fähigkeiten bei Gemeinschaftsausstellungen zu beweisen.
Die Verwaltungsdirektorin des Rehazentrum, Elke Unland, ist selbst darüber erstaunt, welch positives Echo die Ausstellungen in der Wandelhalle gefunden haben. Bewerbungen von Kunsttreibenden gibt es reichlich, und der Terminkalender ist stets gut gefüllt. Derzeit besteht ein Vorlauf von weit über einem Jahr.
Kerstin Henke, die seit dem Ausscheiden ihres inzwischen verstorbenen Vorgängers Udo Kressin die Ausstellungen organisiert (neben der Leitung der Kreativwerkstatt) bezeichnet die Wandelhalle als „geradezu prädestiniert“ für solche Veranstaltungen. Es gebe im Schaumburger Land kaum eine vergleichbare zusammenhängende Ausstellungsfläche – noch dazu mit dem historischen Charme eines fast 100-jährigen Gebäudes. Ein Künstler habe ihr einmal gesagt, endlich könne er hier seinen ganzen Lebenszyklus ausstellen. Immerhin finden in der Halle mehr als 60 Bilder Platz.
Einen weiteren Vorzug des Ortes sieht Henke in den natürlichen, sich tagsüber wandelnden Lichtverhältnissen. In den Museen gäbe es entweder eine künstliche Beleuchtung oder Licht von oben. Und schließlich „lebten“ die Ausstellungen in der Wandelhalle des Kurortes durch die vielen Patienten und die Besucher des Cafés.
Die erkrankte Schirmherrin der Ausstellung, Undine Rosenwald-Metz, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Schaumburg, wies in ihrem schriftlich vorliegenden Grußwort darauf hin, dass fast doppelt so viele Frauen wie Männer Kunst oder Musik studieren. Deren soziale und finanzielle Absicherung bezeichnete sie jedoch als ungenügend. Als freischaffende Künstlerin zu arbeiten, setze einen starken Charakter voraus.
Eine so starke Persönlichkeit ist zweifellos Diana Schlüter, die diese 100. Ausstellung mit ihren Arbeiten allein bestritt. Sie stammt aus Fürstenfeldbruck, wuchs aber in Niedersachsen auf und besuchte in Hannover das Kunstgymnasium. Schlüter wurde Erzieherin und studierte Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt kreative Kunsterziehung. Anschließend schloss sie noch eine Ausbildung zur Bankkauffrau ab. So ganz „nebenbei“ bekam sie noch fünf Kinder, ohne ihre künstlerischen Ambitionen ganz außer Acht zu lassen.
Vor etlichen Jahren entdeckte sie für sich noch das uralte ägyptische Kunstwerk der Encaustik. Sie schuf Wachsbilder und ließ dabei ihrer Phantasie freien Lauf. Ihr Bogen spannt sich von Landschaftsbildern bis zu Modern-Art-Motiven.
Lange: „Diese Kunst war fast 1000 Jahre verschollen und ist erst durch Ausgrabungen in Ägypten und Pompeji wieder entdeckt worden. Encaustikbilder sind immer einmalig und können nicht genau reproduziert werden.“
Für den eindrucksvollen musikalischen Rahmen war die junge Pianistin Katharina Henke zuständig. Die angehende Abiturientin begleitet das Streichorchester des Stadthäger Ratsgymnasiums, nimmt Orgelunterricht und gehört zum Vokalensemble Stadthagen sowie zum A-cappella-Chor.
SN-Online.de Anmeldung
