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Buchholz / Projekt

Gemeinde investiert in Zukunft der Eisenbahn


„Es war einmal“ eine Zeit, da hatte Buchholz einen Bahnsteig. Den gibt es zwar auch heute noch, nur halten dort schon lange keine Züge mehr. Der Ab- und Zugang an der Unterführung an der Bückebergstraße ist gesperrt, der Perron selbst baufällig und verkrautet. Doch das zugehörige Gleis ist keineswegs tot. Im Gegenteil: Dank des am 23. Juni gegründeten „Fördervereins Eisenbahn Rinteln-Stadthagen“ (Ferst) mit Sitz in Obernkirchen wird der 110 Jahre alte Schienenweg zunehmend wieder von Schienenbus und Diesellokomotive befahren. Jetzt hat sich das Buchholzer „Ortsparlament“ an die „gute, alte Zeit“ erinnert – und möchte dran anknüpfen.

Baufällig, verkrautet und gesperrt: Der frühere Buchholzer Bahnsteig am Eisenbahntunnel an der Bückebergstraße. Der „Ferst“ möchte einen neuen im Bereich des „Steinzeichen“-Areals anlegen – auch dieser liegt auf Buchholzer Gebiet.

© tw

Buchholz (tw). Genau deswegen haben die Bürgervertreter im Zuge ihrer jüngsten Zusammenkunft im Gemeinschaftsraum an der Bückebergstraße beschlossen, dem „Ferst“ zum 1. September beizutreten. Allerdings nicht für einen Jahresbeitrag von 36 Euro, wie die Konditionen der Gemeinde fälschlich übermittelt worden waren, sondern für 120 Euro im Jahr. Das entspricht zwar nicht einem Beitrag von drei, sondern von zehn Euro im Monat und damit dem Dreifachen des Angedachten – aber den Politikern ist der Zweck des Fördervereins – „Erhalt und Ausbau der Bahnverbindung zwischen Rinteln und Stadthagen als nachhaltiges Beförderungsmittel für alle Bevölkerungsgruppen“ – dieses Opfer wert. Als Gegenleistung für ihren Obolus erhält die Gemeinde zwei Gratisfahrscheine für die Strecke, die nicht personenbezogen sind.

„Wir sind für den Beitritt“, erklärt Wolfgang Witt. Der WiB-Fraktionschef: „Der ,Ferst‘ wird von Ehrenamtlichen getragen. Dieses vorbildliche Engagement für die Allgemeinheit wollen wir schon an sich fördern.“ Darüber hinaus sei das Projekt Werbung für die Samtgemeinde als Ganzes – und damit auch für die Mitgliedsgemeinde Buchholz. Das sieht Klaus Kappmeier für die SPD des Ortes ebenso: „Wir würden uns freuen, wenn wir vom Förderverein Infomaterial bekämen. Das würden wir dann auch im Schaukasten vor dem Dorfgemeinschaftshaus aushängen.“

Ein Wunsch, der Thomas Stübke Befehl ist. Der „Ferst“-Chef, zur Sitzung geladen, hat die gewünschten Fahrpläne bereits im Gepäck und wartet auch sonst mit jeder Menge Wissenswertem zum Förderverein auf: „Im aktuellen Jahr“, so Stübke, „sind wir bereits etwa ein halbes Dutzend mal gefahren.“ Zuletzt gab es das Angebot, am vergangenen Sonnabend, zum Fürsten- respektive Stadtfest nach Obernkirchen und zum Lichterfest nach Bad Eilsen zu fahren: „Wir haben diese Stationen mit Stopps an der Strecke verbunden, damit die Bürger sowohl hin als auch wieder zurückfahren konnten.“
Was Buchholz betrifft, sei der Bahnsteig „komplett abgängig“. Der „Ferst“-Chef: „Wir setzen uns dafür ein, dass im Rahmen des ‚Leader‘-Projekts ein Bahnhof im ,Steinzeichen‘ entsteht – das wäre dann ebenfalls auf Buchholzer Grund und Boden.“

Doch wie auch immer: Der „Ferst“ hatte sich mit dem Verein Dampfeisenbahn Weserbergland (DEW) und der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) aus Bonn zusammengetan, um die heimische Strecke und die Infrastruktur zu übernehmen. Derzeit ist eine Bückeberg-Bahn GmbH als neue Betreiberfirma in Gründung. Zwischen der neuen GmbH und dem alten Förderverein soll es viele personelle Überschneidungen geben. Letzterer wird gemäß Satzung Mitglied in der GmbH und damit gleichsam in diese integriert.

Was die Rhein-Sieg-Eisenbahn betrifft, so erfülle diese Gesellschaft zwar alle rechtlichen Rahmenbedingungen, um eine kommunale Eisenbahnstrecke wie die zwischen Rinteln und Stadthagen zu pachten oder zu kaufen; Eigentümer sind der Landkreis sowie die Städte Stadthagen, Rinteln und Obernkirchen. Aber: „Die Rhein-Sieg-Eisenbahn bedient sich immer der Aktiven vor Ort“, betont Stübke. Mit anderen Worten: Hätte der „Ferst“ nicht gesagt: „Wir wollen die Strecke nicht stilllegen“, wäre die Rhein-Sieg-Eisenbahn dem Förderverein nicht zur Seite gesprungen. Zwar werde für Dinge wie das Stellen eines Eisenbahnbetriebsleiters und das Überwachen des Zugverkehrs bezahlt, doch die eigentliche Arbeit werde nach wie vor vor Ort geleistet.

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