Buchholz (tw). Von Eva Römke aufgearbeitet, prangt die auch als „Bückeburger Tracht“ bekannte Kleidung jetzt in einer eigens angefertigten Vitrine im Entree des Dorfgemeinschaftshauses an der Bückebergstraße – dank einer von Ulrich Völkel spendierten Schaufensterpuppe sogar in Lebensgröße.
„Die Tracht stammt aus dem Besitz von Karoline Weerenstejn, meiner Oma“, berichtet Sonja Meier. Die Großmutter wurde 1895 geboren, verbrachte einen Großteil ihrer Lebenszeit in Selliendorf und Bückeburg, starb 1983. Ihre Enkeltochter hat die Tracht an ihr zwar nicht mehr gesehen, aber: „Ich kann mich gut daran erinnern, dass meine eigene Großmutter bis zu ihrem Tod 1970 noch Tracht getragen hat“, ergänzt Heinz Meier.
Der schaumburg-lippische Lehrer Wiegmann unterscheidet 1912 in der Heimatkunde die Friller, die Bückeburger und die Lindhorster Tracht; diese Begriffe haben sich durchgesetzt. Die Trachten unterscheiden sich von Kirchspiel zu Kirchspiel; die genaue Zuordnung ist nur Kennern möglich. Die Grundrichtungen sind aber leicht auseinander zu halten. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Mütze der Frau. Die Bückeburger Tracht hat eine große Schleifenhaube; die Lindhorster eine Punzmütze, die dem Punz, einem über der Stirn gebundenen Haarknoten, aufsitzt; zur Friller Tracht gehört eine flache Mütze.
„Die ältesten Teile der von den Meiers gespendeten Bückeburger Tracht sind das bestickte Tuch, die Schürze und der Mantel – offensichtlich immer geschont, ist er noch heute ein Prachtstück“, sagt Römke. Einzige Fehlteile sind nach Einschätzung der Buchholzerin der sogenannte Schlips und der große, weiße und wellige Kragen. „Dafür aber sind die Ohrringe dabei, was sonst eher selten ist“, so Römke.
Sie hat die Spende der Meiers in etwa 20 Arbeitsstunden vitrinengerecht aufgearbeitet: die Perlenhandschuhe repariert, die weißen Stulpen an die Ärmel genäht, die Haube ausgebessert und alle Einzelteile gereinigt und gebügelt. Dass die Buchholzerin eine Beziehung zu Trachten hat, rührt daher, dass sie weiland selbst eine für ihre Tochter nähte, die damit bei dem Traditionsverein in Meinsen/Warber tanzte.
Die Schaufensterpuppe, die die Tracht jetzt kleidet, befand sich Jahrzehnte lang im Besitz Völkels. „Sie stammt ursprünglich aus dem Textilhaus Hautau, das damals an der Langen Straße 15 in Bückeburg ansässig war“, so der Buchholzer. Die Eichenholzvitrine, in der die schmucke Puppe jetzt steht, hat die Bau- und Möbeltischlerei Stephan Nickelsdorf mit Sitz an der Luhdener Dorfstraße gebaut.
Der Rat Buchholz hat sich das gute Stück laut Krause 1600 Euro kosten lassen.
Neben der Tracht von Heinz und Sonja Meier sind auch die Arbeitszeit der Restauratorin Römke sowie die Puppe Völkels unentgeltliche Spenden. Namens der Gemeinde bedankte sich Krause mit Blumen und Essensgutscheinen bei den Genannten.
Übrigens: Für die weibliche Trachtenfigur sucht die Gemeinde Buchholz derzeit noch nach einem passend gekleideten männlichen Pendant
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