Herr Bokeloh, Sie sind bei der jüngsten Kommunalwahl zum ersten SPD-Bürgermeister in Heeßen seit 1945 gewählt worden. Wie haben Sie die Querelen um die Besetzung des Amts im Vorfeld, wie haben Sie die Wahl selbst erlebt?
Nach der Kommunalwahl hat sich ja die Gelegenheit ergeben, mit dem Grünen Heinz-Hardy Hoffmann gemeinsam eine Gruppe zu bilden. Als Resultat daraus kamen SPD/Grüne auf fünf Mandate; wir hatten also ebenso viele wie die CDU. Es lag nun am Einzelbewerber Gerhard Hasse, wie er sich entscheiden würde. Zu Herrn Hasse hatte und habe ich ein gutes Verhältnis. Deswegen habe ich ihn angerufen und mit ihm über die Situation – das Patt – in Heeßen gesprochen. Wer Herrn Hasse kennt, der weiß, dass er sich nicht gerne drängen lässt, sondern in Ruhe darüber nachdenkt, wie er sich entscheiden soll. Deswegen habe ich ihn bei den Gesprächen auch nie bedrängt. Dann gab es da noch ein Dreiergespräch, an dem neben Gerhard Hasse und mir auch Wilhelm Brümmel (CDU) teilgenommen hat. Dabei hatten wir einen Konsens gefunden, den ich im Einzelnen aber nicht näher erläutern will. Jedenfalls wurde er zurückgezogen, nachdem Herr Brümmel mit der CDU gesprochen hatte. Danach war dann zunächst Ruhe – und zwar bis zur Auftaktsitzung des Samtgemeinderates. An jenem Abend hatte ich dann nochmals mit Gerhard Hasse gesprochen. Er sagte: Es bleibt alles so, wie es ist; das hieß für ihn, dass er sich mit Blick auf Heeßen anders entscheiden würde als mit Blick auf die Samtgemeinde, wo er ja eine Gruppe mit der CDU gebildet hatte. Mit diesem Wissen sind wir dann in die konstituierende Sitzung des Rates Heeßen gegangen.
Warum wollten Sie denn Bürgermeister werden?
Ich bin mit Unterbrechungen seit 17 Jahren Ratsherr in Heeßen. Das reizt natürlich, irgendwann auch mal Bürgermeister zu werden. Als ich anfing, dachte ich: Bürgermeister sein, das wäre doch schön. Aber ich habe damals nicht daran gedacht, dass sich dieser Wunsch einmal erfüllen würde. Als sich dann wie jetzt die Gelegenheit ergeben hat, habe ich sie beim Schopf gepackt und zugegriffen.
Nun hatte sich die CDU bei der Auftaktsitzung in den Schmollwinkel zurückgezogen. Sie hat keine eigenen Kandidaten benannt, hat Sie als Bürgermeister aber abgelehnt. Wie ist denn derzeit die Stimmung zwischen Schwarz und Rot-Grün?
Ich empfinde da keine Ablehnung. Ich habe mit den Kollegen der Gegenseite, mit denen ich schon lange im Rat sitze, auf der Weihnachtsfeier der Gemeinde und dem Grünkohlessen des Schützenvereins gesprochen. Tenor: Es wird alles so weiter gehen wie bisher. In der Vergangenheit haben wir ja viele Beschlüsse einstimmig gefasst. Die Bürgermeisterwahl war eine Wahl wie jede andere auch. Da bleibt es jedem selbst überlassen, wie er sich entscheidet. Stimmt er mit Nein, dann ist das eben so. Ich bin jedenfalls nicht beleidigt, dass die Christdemokraten mich nicht mit gewählt haben.
Als erste und bis dato einzige Gemeinde in Eilsen hat Heeßen nicht mal mehr ein Gemeindehaus. Statt dessen treffen Sie sich jetzt in Gaststätten und Schützenhäusern. Sind Sie so arm?
Das ist eine Sache, die sich nicht ganz so einfach beantworten lässt. Wir wollten das viele Jahre alte Gemeindehaus zunächst sanieren. Dabei hätten wir das Hauptaugenmerk auf das Dach und auf die Wärmedämmung legen müssen. Aber jedes Mal, wenn wir uns als Gemeinderat getroffen haben, wurden die Kosten höher. Zum Schluss waren wir bei Kosten in Höhe von 60.000 Euro – und ein Ende der Fahnenstange war immer noch nicht in Sicht. Da haben wir dann gesagt: Weg mit diesem Gebäude, wenn sich jemand dafür findet. Wir treffen uns maximal einmal im Monat. Das können wir auch im „Heeßer Krug“ tun; außerdem haben wir ja noch die Grundschule, das Jugendzentrum und die Räume des Sportvereins. Möglichkeiten gibt es also genug. Der „Heeßer Kug“ hat zum Beispiel den Vorteil, dass er auch dann Platz bietet, wenn mal mehr als zehn Besucher kommen; denn dann wurde es im Gemeindehaus immer eng. Zwar hatten wir die eine oder andere Träne im Auge, als wir das Gemeindehaus verkauften, aber wir mussten halt an die Kosten denken. Wir hatten zwar Mieteinnahmen, aber die haben die laufenden Kosten nicht gedeckt. Da waren wir dann froh, dass wir einen Käufer gefunden haben.
Die vielleicht größte Kontroverse der vergangenen Jahre wurde um einen Autohof auf dem Gelände der Gemeinde geführt. Wie stehen Sie selbst für die Zukunft zu einem solchen Projekt, und wie halten’s Ihre Fraktions- und Gruppenkollegen damit?
Im Laufe der Verhandlungen mit dem damaligen Investor haben wir als Gemeinderat von uns aus erkannt, dass sich ein für einen Autohof notwendiger Bebauungsplan nicht im Alleingang durchsetzen lässt. Will sagen, dass ein solches Großprojekt zuvor mit den Bürgern besprochen werden muss. Man kann gegen den Willen der Heeßer keinen Autohof in die Gemeinde stellen und den Menschen dann sagen: Da habt Ihr ihn. Deswegen haben wir als Gemeinderat den Antrag auf einen Bebauungsplan damals zurückgezogen; das wird heute oft vergessen. Das einzig Interessante an einem Autohof wäre gewesen, dass wir Gewerbesteuer erhalten hätten. Ich sage aber hier und heute ganz deutlich: Sollte sich eine solche oder ähnliche Situation wie die mit dem Autohof noch einmal ergeben, müssen wir die Einwohner mitnehmen. Sollte sich für das fragliche Areal noch einmal ein anderes Projekt ergeben – etwa Gewerbe, welcher Art auch immer –, werden wir das im Rat prüfen und am Ende einen Bürgerentscheid herbeiführen. Anders geht es nicht. Sie müssen mit den Bürgern sprechen, sonst werden’s Wutbürger wie bei Stuttgart 21. Kurz: Wenn ich heute noch einmal vor der Frage „Autohof ja oder nein?“ stünde, würde ich die Sache ganz anders anfassen.
Nun steht als größtes Projekt für 2012 die Generalsanierung der Schulstraße auf der Agenda. Wie soll’s laufen, wann soll’s losgehen? Und was kostet’s?
Das ist ein großes und schwieriges Projekt für die Gemeinde. Die Analysen haben gezeigt, dass auch der Unterbau der Schulstraße nicht in Ordnung ist. Die Straße war früher ein Feldweg; ältere Menschen und ich selbst kennen sie noch so. Dann kam eine Teerdecke drauf, wurden Kanäle verlegt, wurde sie im Laufe der Jahre Stück für Stück weiter ausgebaut. Vor Kurzem hat nun eine Untersuchung des Ingenieurbüros Kirchner gezeigt, dass der Oberflächenkanal total dicht ist; man weiß gar nicht mehr, wo das Wasser lang läuft. Deswegen müssen neben der Straße selbst auch die Kanäle saniert werden. Die konkreten Kosten dafür werden noch ermittelt. Sie liegen aber in einer Größenordnung von um die 500.000 Euro. Allerdings gibt’s einen Zuschuss vom Land. Dem werden wir das Sanierungsvorhaben Anfang des Jahres vorstellen. Der Sanierungs- oder Baubeginn könnte dann Ende 2012 oder Anfang 2013 sein. Ich rechne damit, dass sich die Arbeiten das ganze Jahr über hinziehen können. Denn der Schmutzwasserkanal wird dabei ebenso kontrolliert wie die Hausanschlüsse. Die Grundschule wird natürlich weiterhin erreichbar sein.
Die Schulstraße wird 2012 aber nicht die einzige Großbaustelle im Ort sein.
Nein. Wenn die Schulstraße saniert wird, wollen wir auch den Belag der Straße Im Osterfeld, die sich ja bis Buchholz hinzieht, erneuern. Der Belag weist ja durch das Befahren mit Treckern tiefe Fahrspuren auf, die geglättet werden müssen. An einem komplett neuen Aufbau wie bei der Schulstraße denken wir dabei wohlgemerkt nicht; der wäre zu teuer. Aber wir wollen wenigstens verhindern, dass Autos dort aufsetzen.
Sie haben in Heeßen eine sehr aktive Dorfjugend. Sollten Sie nicht auch für die etwas tun?
Ja. Wir haben bereits im Gemeinderat darüber gesprochen. Denn es ist toll, dass Jugendliche ein Erntefest auf die Beine stellen; das muss – was uns als Rat angeht – auch weiterhin gewährleistet bleiben. Daher wollen wir die Dorfjugend in einem Maße unterstützen, das über den Zuschuss zum jeweiligen Erntefest hinausgeht. Wie genau diese Unterstützung aussehen wird, wissen wir noch nicht. Da sind wir noch in der Findungsphase.
Das Dorf Heeßen grenzt auf einer Seite an die Stadt Obernkirchen. Gibt es mit der Bergstadt so etwas wie eine interkommunale Zusammenarbeit?
Ja, wir grenzen bereits im Bereich der Bückebergstraße aneinander und arbeiten sehr gut zusammen. Die Stadt Obernkirchen unterstützt uns beim Säubern des Regenrückhaltebeckens und der Gräben. Das kann man gar nicht genug loben, denn für Obernkirchen ist das Gebiet quasi eine Art Niemandsland.
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