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Samtgemeinde / Startklar für Einsatz

Diese Männer nehmen Frau Holle auf die Schippe


Jetzt beginnen die Tage, an denen der abendliche Wetterbericht für acht Männer in der Samtgemeinde spannender als ein „Tatort“-Krimi ist. Den ersten Eisalarm der Saison hat Ewald Specker auch bereits hinter sich: Als er am vergangenen Mittwochmorgen um 4 Uhr auf Patrouillenfahrt durch die Samtgemeinde ging, sah’s noch nicht nach Schnee aus. Da konnten die Kollegen noch in den Federn bleiben und ’ne Mütze voll Schlaf nehmen. Erst um 9.15 Uhr begann Frau Holle ihre Betten auszuschütteln, begann sich Eilsen weiß zu färben. Bereits am Freitag zuvor hatte Väterchen Frost Christoph Tecklenburg in Schermbeck auf den Plan gerufen; wie sein Partner Rudolf Wecke in Heeßen unterstützt Tecklenburg als zweiter Externer den Bauhof der Samtgemeinde im Winterdienst.

Vereinte Kraft: Arbeiter des Bauhofes haben gemeinsam mit den externen Kollegen Christoph Tecklenburg (links) und Rudolf Wecke (Vierter von links) auf der Kompostanlage Heeßen schweres Räum- und Streugerät aufgefahren. 

© tw

Eilsen (tw). „Wenn alle im Einsatz sind und streuen, verbrauchen wir auf den 41 Kilometern Gemeindestraßen etwa sieben Tonnen Salz am Tag“, überschlägt Andreas Kunde. Der Leiter des Ordnungsamtes im Eilser Rathaus: „Das Salz kostete bislang 83 Euro die Tonne, jetzt sind es 87 Euro – und das ist erst der Nettopreis.“ Damit kostet ein Streutag die Samtgemeinde unterm Strich mehr als 600 Euro, nicht mitgerechnet das Entgelt, das die zwei externen Helfer erhalten. Muss, wenn der Winter knüppelhart kommt, gleich zwei Mal am Tag gestreut werden, verdoppeln sich die Kosten.
Das Silo, das nunmehr den dritten Winter auf der Kompostanlage Heeßen steht, ist noch gut gefüllt; lediglich 14 der 60 Tonnen fehlen, die der Behälter an Salz zu fassen vermag. „Deswegen“, sagt Kunde, „haben wir für den Jahreswechsel 2011/2012 auch noch nichts nachgekauft.“ Die Salzladungen, die die Samtgemeinde per Schwerlasttransporter erreichen, bringen 27 Tonnen auf die Waage. „Ergo hat es erst Sinn zu ordern, wenn unser Silo halb leer ist“, rechnet der Amtsleiter. Ist der Heeßer Behälter proppenvoll, kann Eilsen dem Winter acht Streutage Paroli bieten.
„Derzeit teilen sich alle sechs Kollegen die frühmorgendlichen Kontrollfahrten“, berichtet Thomas Hahne. Der Bauhofmitarbeiter, der im Ehrenamt Feuerwehrchef in Luhden ist: „Wird’s in Eilsen glatt, alarmiert der Betreffende ab 4.30 Uhr die Mannschaft. Spätestens um 5 Uhr ist dann alles auf der Straße und im Einsatz.“ Wer nicht auf den zwei Fahrzeugen sitzt, arbeitet in Handkolonnen im Bereich des Rathauses und der zwei Kitas. Viel Zeit spart das noch neue Silo: In nur 30 Sekunden ist der Streubehälter eines Fendt-Treckers gefüllt. Noch vor zwei Jahren mussten diese Behälter in kräftezehrender Hand- und Knochenarbeit aus Säcken heraus bestückt werden. Das dauerte.
Für Erleichterung sorgt überdies, dass der große Fendt (es gibt noch einen kleinen Bruder) mit einem neuen Räumschild ausgerüstet worden ist. „Es ist drei Meter breit und hydraulisch schwenkbar“, zeigt sich Hahne begeistert. Das Alte war 40 Jahre alt und defekt; die Reparaturkosten hätten mehr als die Hälfte des Preises betragen, den die 6700 Euro teure Neuanschaffung schließlich kostete. Ebenfalls für Erleichterung soll ein Handstreuwagen sorgen, der für den Einsatz an der Grundschule gedacht ist; er kostet 800 Euro, soll 2012 beschafft werden.
Kritische Bereiche, die der vollen Aufmerksamkeit des Bauhofes bedürfen, sind nicht nur Einmündungen von Kreuzungen sowie Steigungen; zumal an Letzteren elf frisch gefüllte Kisten mit Splitt platziert sind, den Autofahrer als Anfahrhilfe unter die Reifen werfen können. „Kritisch“, sagt Kunde, „ist Bad Eilsen als Ganzes – und zwar wegen der starken Präsenz von Senioren und der vielen Einsatzfahrten des Rettungsdienstes“. Für Probleme sorgen alle Jahre wieder Hermann-Löns-Straße, Berliner Straße, Ringstraße und Im Winkel. Straßen, die durch falsch abgestellte Fahrzeuge zu Nadelöhren werden. „Wird’s für die Fendts zu eng, wird nicht weiter gefahren, also nicht weiter geräumt. Das wird dann im Streubericht vermerkt“, erinnert Hahne.
Die Bereiche um die besagten Splittkästen sind die einzigen, an denen Splitt überhaupt noch zum Einsatz kommt. Früher wurde auch das Streusalz mit Splitt versetzt, „aber das machen wir nicht mehr, weil wir dann, wenn der Schnee getaut ist, die Gossen reinigen und den mit Öl kontaminierten Splitt teuer entsorgen müssten“, so Hahne. Für den aktuellen Winter wünscht sich die Mannschaft vom Bauhof von den Bürgern „etwas mehr Gelassenheit, wenn wir nicht bei jeder Schneeflocke sofort mit dem Streuwagen ausrücken“. Denn Salz kostet Geld – und ist kein Segen für die Umwelt.
 4 Übrigens: 2010 musste bereits im November geräumt und gestreut werden. Die Samtgemeinde hatte damals 37 500 Euro für Salz ausgegeben; hinzu kamen 24 300 Euro an Arbeitslohn für die Externen. 2012 soll der größere Fendt-Trecker ersetzt werden; er rostet den Bauhofmitarbeitern inzwischen unter dem Hintern weg.

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