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Bad Eilsen

Stress mit Lkw und Lärm am Baugebiet: „Jetzt reicht’s!“


Die Bürgervertreter wissen es seit bald zehn Jahren: Wenn „Feldstraße“ auf der Tagesordnung steht, haben sie einen schweren Stand. Dann füllt sich der Lesesaal mit aufgebrachten Anwohnern, dann reichen die Stühle nicht aus.
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„Es reicht“: Wie viele andere auch wollen diese Anwohner der Feldstraße die Lkw-Fahrten nicht mehr hinnehmen: Peter Horn (von links), Marion Kirstein, Ingo Schütte, Elfriede Wieloch, Joachim Gramer und Alfred Bernert.

© tw

Bad Eilsen. Bei der jüngsten Zusammenkunft des Bauausschusses haben erneut zahlreiche Lkw- und Lärm-Geplagte aus Bad Eilsen eine Lösung für die Fahrten ins Neubaugebiet Luhden mit seinen mehr als 70 Bauplätzen eingefordert. Diese Lösung gibt es zwar immer noch nicht, aber: Das Gremium empfiehlt nunmehr einstimmig, „zum kürzest möglichen Zeitpunkt“ ein gemeinsames Treffen einzuberufen, an dem neben den Anwohnern auch die Bauausschüsse von Bad Eilsen und Luhden sowie Bernd Schönemann als Gemeindedirektor von Heeßen teilnehmen soll; denn die Feldstraße liegt sozusagen im „Dreiländereck“.

 „Sollte bei dieser Sitzung nichts rauskommen – dann muss Bad Eilsen alleine handeln“, sagt SPD-Fraktionschef Manfred Kühn. Dass nichts dabei rauskommt, unterstellen die Anwohner der Feldstraße schon jetzt, denn der Luhdener Bauausschuss könne wohl kaum ein Interesse daran haben, das Ladtwagen- und Lärmproblem im Sinne der Bad Eilser zu lösen. Die einzige Lösung in ihrem Sinne sei es, die Feldstraße mit Pollern und Beschilderung zur Sackgasse zu machen; eben das ist der ursprüngliche SPD-Antrag. Allerdings: „Machen wir sie zur Sackgasse, helfen wir zwar den Anwohnern, holen aber die Fahrzeuge über die Wilhelmstraße von ,unten‘ nach Bad Eilsen rein“, gibt Hans-Jürgen Winkelhake (SPD) zu bedenken. Bedenken hat auch Svenja Edler: „Es gibt in Sachen Feldstraße keine einfache Lösung. Gäbe es die, wären wir längst darauf gekommen“, so die Gemeindedirektorin. Das Baugebiet sei nun einmal existent und müsse daher von Lastwagen auch angefahren werden können. Wer diese Fahrzeuge und Fahrten von der Feldstraße nehme, müsse eine Alternative aufzeigen.

 Eine der Stimmen des Protestes bei der jüngsten Zusammenkunft ist Christel Horn: „Wir sind neun Jahre lang behindert worden. Wir laufen ein ums andere Mal gegen die Wand – es reicht“, macht die Anwohnerin energisch deutlich. Immer wieder seien die Anwohner an fast allen Stellen mit ihren Sorgen abgeblitzt. „Das ist ein unglaublicher Vorgang.“ Eine Anliegerstraße wie die Feldstraße könne jedoch nicht der Erschließung des Baugebiets einer Nachbargemeinde dienen.

 Das sieht Leidensgenosse Ingo Schütte ebenso: „Wann wird eigentlich mal eine Belastbarkeitsprüfung der Feldstraße, will sagen, eine Bohrung gemacht?“ Der Anwohner ist überzeugt, dass die Fahrbahn gar nicht für Fahrten von Schwerlast-Lkw ausgelegt ist. Schütte fügt sogar Belege an: „Bei uns vorm Haus“, sagt er, „ist die Gasleitung gerissen – innerhalb von einer Woche zweimal an derselben Stelle.“ Der Fachmann, der die Reparaturen ausgeführt hat, habe erklärt, im Boden sei „Bewegung“. „Die“, schließt der Anwohner, „kommt ja wohl kaum von Pkw-Fahrten her.“

 Dass sich der Gemeinderat um die Feldstraße nicht gekümmert habe – dem widerspricht Kühn energisch. Tatsächlich sei sie das meist diskutierte Thema der zurückliegenden sechs Jahre. „Nur finden diese Gespräche nicht immer öffentlich, sondern häufig im Hintergrund statt“, sagt er.

 Wilhelm Dreves (CDU) kent das Problem der vom Baustellenverkehr Geplagten selbst. „Als der ,Rinne-Hügel‘ bebaut wurde, gingen die Lkw-Fahrten zehn Jahre zwischen unseren Häusern durch“, drückt der Politiker sein Mitgefühl aus. Dreves: „Als ich beruflich noch jeden morgen nach Hameln fahren musste, bin ich durch Wehrbergen gekommen; das ist das letzte Dorf vor der Rattenfängerstadt – ein Nadelöhr.“ Nachdem die Anwohner etwa 15 Jahre lang vergeblich geklagt und protestiert hatten, hätten sie eines Tages ihre Autos nicht mehr in die Garagen gefahren, sondern samt und sonders am Straßenrand geparkt. „Da war was los. Da wurde man in den Behörden munter“, erinnert sich Dreves. Das sei klasse gewesen. Zumal die Anwohner jetzt die von ihnen geforderte Umgehungsstraße bekommen hätten.

 Dabei ist das Problem Feldstraße Teil eines größeren Missstandes, nämlich der verbotswidrigen Fahrten von Lkw über 2,8 Tonnen auf der L451 durch den Kurort: Wer ein Anliegen habe und dennoch den Ort quere, dürfe das nur, wenn er dies Anliegen in Bad Eilsen und nirgendwo sonst habe, gibt Kühn seine Rechtsaufassung wieder – die aber „nicht diejenige des Landkreises Schaumburg ist“, wie Edler weiß. Das Rathaus ist für den ruhenden Verkehr zuständig, kann Verstöße beim fließenden nicht sanktionieren; das ist Aufgabe der Polizei. Doch die komme nur periodisch, wie Kühn sagt.

 Die Gemeindedirektorin greift jedoch die Anregung einer Anwohnerin auf, will sich über das Katasteramt an die Programmierer der in den Lastwagen eingesetzten Fahrzeugnavigationsgeräte (Navis) wenden. Die sollen die Software jetzt so umschreiben, dass die kürzeste Route, wenn die Autobahn aus Mautgründen vermieden werden soll, nicht mehr automatisch durch Bad Eilsen führt.

 Zur Erinnerung: Am 19. Oktober 2011 hatte die Verkehrskommission bei einem Ortstermin zwei Möglichkeiten zur Lösung des Problems „Feldstraße“ aufgezeigt: Sackgasse oder Tonnagebeschränkung. Empfohlen freilich hat die Kommission zunächst einen runden Tisch mit den Nachbargemeinden. Nun soll es ihn gleichsam mit „vergrößerter Tischplatte“ in Kürze geben.

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