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Ahnsen Ein Besucherbergwerk entsteht
Schaumburg Eilsen Ahnsen Ein Besucherbergwerk entsteht
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08:19 08.05.2018
Im hinteren Bereich sichert eine neue Holzkonstruktion den Stollen. Quelle: wk
Ahnsen

Dann lädt Daniel Schmidt, der neue Eigentümer des ehemaligen Kohlebergwerkes, interessierte Besucher zu einer „Baustellenbefahrung“ ein. Ausgestattet mit Bergmannshelmen und Grubenlampen können die Teilnehmer unter fachlicher Führung die in das Mittelgebirge hineinführenden Stollengänge besichtigen, die der 30-Jährige in den vergangenen Monaten gemeinsam mit etlichen freiwilligen Helfern wieder hergerichtet hat.

„Die Hauptstrecke ist bereits auf einer Länge von rund 200 Metern fertig“, berichtet Schmidt, der beruflich als Reviersteiger im Steinkohlebergbau tätig ist. Ungefähr 60 Meter müsse man indes noch sanieren, dann sei die Hauptstrecke komplett ausgebaut. Und anschließend werde man auch noch einen davon abgehenden „Streb“ (Stollen zum Abbau von Kohle) in Angriff nehmen, damit dieser zukünftig ebenfalls für Besucher zugänglich ist.

Flugzeugbau im Weltkrieg

Zusammen mit seinen Kumpeln hat Schmidt in schweißtreibender Arbeit von Hand Unmengen an Schlamm und Dreck aus der teilweise knietief unter Wasser gestandenen, unterirdischen Anlage geholt, in dem der Flugzeughersteller Focke-Wulf während des Zweiten Weltkrieges – in den Jahren 1941 bis 1945 – eine Lichtpauserei betrieben und Flugzeugmodelle gebaut hatte. Dafür sind damals größere Arbeitsräume in den Harrlstollen gesprengt und deren Wände – ebenso wie der größte Teil der nun freigelegten Hauptstrecke – mit Mauerwerk versehen worden. Zudem sind massive Decken und ein Betonboden in die Räume sowie den Hauptgang eingebaut worden.

Ferner haben Schmidt und seine Mitstreiter in einem Abschnitt der Hauptstrecke, dessen Decke noch mit alten Holzstämmen und Halbhölzern gesichert war, eine neue hölzerne „Türstock“-Konstruktion eingebaut. Als Vorsichtsmaßnahme gegen Steine, die von der Stollendecke herunterfallen könnten, und weil das Ganze auch ordentlich aussehen soll.

„Das Gebirge ist gut standfest, das ist das Entscheidende“, erklärt der Lintforter dazu. Sorgen, dass der – überdies im ersten Teilstück mit einer neuen elektrischen Beleuchtung versehene – Stollen zusammenbrechen könnte, müsse man also nicht haben.

Sechstes Projekt dieser Art

Im vergangenen Jahr erworben hat Schmidt den Harrlstollen mitsamt dem davorliegenden – vom alten Ahnser Eisenbahntunnel bis zur Obernkirchener Straße in Bad Eilsen reichenden – Grundstück mit dem Ziel, die Stollenanlage zu einem Besucherbergwerk herzurichten: „Das ist das inzwischen sechste Projekt dieser Art, das ich mache“, berichtet er. Sonst habe es sich allerdings stets um Vereinsprojekte der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Niederrhein gehandelt, während er die Stollenanlage in Ahnsen in Eigenregie als Besucherbergwerk betreiben möchte.

Dass er dafür den Harrlstollen ausgewählt hat, liegt außer an der Nähe zum Kurort Bad Eilsen auch an der besonderen Historie: Aufgrund der damaligen Nutzung des alten Bergbaustollens durch den Flugzeughersteller Focke-Wulf sei die Anlage „zusätzlich interessant, weil dies ein Alleinstellungsmerkmal ist“, sagt Schmidt. Ohne das Focke-Wulf-Thema hätte er den Stollen dagegen nicht gekauft.

Bis er mit dem Harrlstollen als Besucherbergwerk an den Start gehen kann, ist es aber noch eine ganze Zeit hin, da noch viele Arbeiten zu erledigen sind: „Anvisiert ist ein Eröffnungstermin in etwa zwei Jahren“, verrät der 30-Jährige. Da das öffentliche Interesse an diesem Projekt aber schon jetzt groß sei, wolle er interessierten Personen die Gelegenheit geben, die unterhalb der Straße Am Harrl gelegene Anlage im Rahmen der geplanten „Baustellenbefahrung“ zu besichtigen. „Für das leibliche Wohl der Besucher ist vor Ort auch gesorgt“, ergänzt er. wk