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Ein Stein, schlauer als ein Navi…

Ahnsen Ein Stein, schlauer als ein Navi…

Moderne Zeiten? Wenn das GPS-gestützte Navigationssystem oder das Handy ortsfremde Autofahrer mal wieder in die Irre geschickt hat, dann bekommt das gelegentlich auch Reinhard Möller am verästelten Widdenser Weg in Ahnsen zu spüren.

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Stein als Wegweiser: Reinhard Möller erteilt modernen GPS-Navis unverzichtbare Nachhilfe.

Quelle: thm

Ahnsen. Dort stehen zwar nur vier Häuser, aber welches gehört zu welcher Nummer? „Immer wollen die Fahrer wissen, wo sich welche Hausnummer befindet. Bei Hausnummer 3 schickt manches Gerät sie oben vor den Wald.“ Der Hightech-Segen ist eben nur so gut wie die Datenbank, auf die das jeweilige Programm gerade zugreift. Verzweifelt suchen die Wegsuchenden dann bei Möller Rat. Der hat jetzt die Initiative ergriffen und einen Wegweiser dort errichtet, wo sich der Weg aufteilt.

Von der Bückeburger Straße aus betrachtet, liegt Möllers Hof, also Nummer drei, direkt am linken Ast der Weggabel. Einige Meter weiter findet sich die Nummer eins, das Haus von Möllers Bruder Friedrich. Folgt man dem nach rechts führenden Abzweig, so gabelt sich der Widdenser Weg nach wenigen Metern abermals auf. Nach rechts geht’s zum Reiterhof Lohmann (Nummer zwei), nach links zur Familie Hatzky: Das Haus oben vor dem Wald hat die Nummer vier. „Gerade eben erst kam ein Lkw für den Nachbarn. Der Fahrer guckte in die Ladepapiere, guckte auf den Stein, … aha … – und fuhr weiter.“

Der „Stein der Wegweisen“ zeigt dem Ortsunkundigen anschaulich, welcher Abzweigung er tunlichst folgen sollte, um sein Ziel zu erreichen. „Den Stein habe ich bestimmt schon seit 20 Jahren“, erinnert sich Möller. „Der hat da hinten im Feld gelegen und ist mal beim Landdränieren ausgebuddelt worden.“ So harrte der Findling seiner Dinge – und einer künftigen Verwendung. Die hat er nun gefunden. Bei einem Fachmann in Leese ließ Möller kurzerhand den stilisierten Wegverlauf samt Hausnummern aus einer Nirostastahlplatte per Laser herausschneiden und montierte diese übersichtliche Skizze auf den Gesteinskoloss. „Das Beet vor unserer Grundstückseinfriedung musste sowieso aufgehübscht werden“, beschreibt Möller die Plackerei, die als Arbeit vor dem Aufrichten des Wegweisers noch zu verrichten war. Nun steht der Stein und erfüllt seinen neuen Zweck – der Lastwagen-Fahrer hat’s am Morgen bewiesen.

Mit den Hausnummern hat man gerade in Widdensen besondere Erfahrungen gemacht. Die Ursprünge der Siedlungsstelle gehen zurück in die sächsische Zeit des 9. bis 11. Jahrhunderts. Im Jahr 1268 wird Widdensen (Wietzen) zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt, als der Arnheimer Ludolf II den dort gelegenen Hof an das Stift in Obernkirchen verkaufte.

In einer Urkunde vom 20. Dezember 1387 ist dann schon von einem großen und einem kleinen Hof die Rede – offenbar war der ursprüngliche Meierhof zwischenzeitlich geteilt worden. Die Gründe liegen im Dunkeln. Der Chronist Günter Döring beschrieb in seiner Ahnser Chronik die Begleitumstände: „Der Bauer war immer der Leidtragende, er wurde stets mit verkauft oder verschenkt und hatte Abgaben zu leisten, wer auch immer Grundherr oder Besitzer war.“ Erst im 19. Jahrhundert konnten heimische Bauern die auf ihren Höfen liegenden Lasten ablösen und wurden tatsächlich Eigentümer ihrer Höfe.

In der Landgemeindeordnung vom 7. April 1870 war festgelegt worden, dass die Ortschaften Ahnsen (Neumühlen) und Widdensen künftig eine Gemeinde bilden sollen. Schnell entbrannte ein Streit um die Nummernfolge der Höfe, denn sowohl in Widdensen als auch in Ahnsen gab es Höfe mit der Nummer eins – und so weiter – und niemand wollte seine traditionsreiche Kennzeichnung verlieren. Die Auseinandersetzungen sollten sich bis weit in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinziehen: auf Widdenser Seite mit Protestkomitee, Unterschriftensammlungen und Schriftsätzen, auf Behördenseite mit Zwangsverfahren und Geldstrafen. thm

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